Seit ein paar Tagen bin ich auch bei So.cl angemeldet. So.cl ist das soziale Netzwerk von Microsoft (gesprochen wie engl. “social”). Ich probiere einfach gerne soziale Netzwerke aus, um die dahinterstehenden Konzepte zu verstehen. Hier mein erster Eindruck.
Einloggen kann man sich bei So.cl derzeit nur über Facebook authentication. Profilname und -Bild werden automatisch übernommen, pflegbare Profilinformationen gibt es nicht. Statt eines “About”-Tabs auf der eigenen Profilseite (wie man es z.B. von Google+ kennt) gibt es lediglich einen Link zur Facebook-Timeline des Users. Kurz: Der Realnamenszwang von Facebook (den Google+ ja ebenfalls hat), überträgt sich auch auf So.cl, und die öffentliche Verbindung mit Facebook ist (anders als bei Google+) nicht freiwillig. (Auf Facebook-Seite ist So.cl aber schweigsam. Es schreibt nichts in die Timeline und belästigt auch keine Kontakte.)
Was kann man bei So.cl tun? Erstmal natürlich das Übliche: In einer Diskussion über So.cl bei Google+ hat jemand einen Screenshot von So.cl mit den entsprechenden Google+-Begriffen annotiert: “Stream, Notifications, Hangouts, Saved Searches, +1′s”. Auch optisch ist So.cl, wie man dort sehen kann, genauso aufgebaut wie Google+. Man kann Statusmeldungen absondern (“What is on your mind?”) oder Suchen abfeuern (“What are you searching for?”). Man kann Beiträge anderer liken oder kommentieren, man kann Leuten folgen und von Leuten verfolgt werden. Wichtigster Unterschied zu Google+ (und Facebook): Es gibt keine Kreise (aka Listen). Alles, was man tut, ist wahlweise entweder ganz öffentlich oder ganz privat. Und das gilt auch für die Suchen! Sie sind also im Normalfall öffentlich.
Bei den Suchen findet sich auch sonst das Alleinstellungsmerkmal von So.cl: Eine Suche (sie läuft technisch über Bing) ergibt als Ergebnis immer zugleich eine Menge von Bildern und eine Liste von Links. Das Bild oder der Link, den man anklickt, wird automatisch zusammen mit dem Suchstring im eigenen Profil geteilt. Zuvor kann man weitere Links adden und seine Suchanfrage auch kommentieren. Dadurch entsteht ein umfangreicherer Eintrag im eigenen Stream. Andere bekommen also nicht nur zu sehen, wonach man gesucht hat, sondern auch von einem selbst empfohlene Suchergebnisse und eigene Anmerkungen zur Suche. Auch nachträglich lässt sich eine Suche im eigenen Profil noch kommentieren.
Der Haupt-Feed “Everyone” umfasst übrigens wirklich alle So.cl-User. Einen Tab für die Einschränkung “People I follow” gibt es allerdings auch. Außerdem “my conversations”, also Statusmeldungen und Suchen, an denen Korrespondenz entstand. Da andere ebenfalls auf den globalen Feed schauen, melden sich oft Fremde, und das augenblicklich. Es entsteht somit viel Live-Konversation. Es ist wie ein globaler Chat zu aktuellen Themen, der sich bis auf die bisher passive Kommunikation, also die eigenen Suchanfragen, erstreckt. So sollen sich Fremde finden können, die ähnliche Interessen haben. Man sucht gemeinsam und tauscht Ergebnisse aus.
Suchergebnisse und Statusmeldungen kann man neben kommentieren und liken auch taggen. Es entsteht jedoch keine tag cloud, sondern eine flache Liste, die sowohl im Profil sichtbar ist, als auch beim taggen als Drop-Down angeboten wird. Es handelt sich folglich eher um Kategorien von Interessen. Über seine Tags erstellt man ein Archiv interessanter Posts und bekommt im Stream der Tags im Anschluss auch Posts präsentiert, die andere mit diesem Tag markiert haben. Auch Dinge, die man nur geliked hat, findet man offenbar wieder, wenn man ein entspechendes Tag hat. Dann stehen sie nämlich im Tag-Stream oben, so als ob man dort kommentiert hat. Ich behaupte das einfach mal mutig nach nur einmaligem Ausprobieren.
Und last but not least kann man Video-Parties initiieren oder an bestehenden teilnehmen. Man schaut gemeinsam Youtube-Videos und chattet währenddessen darüber. Das fühlt sich ein bischen an wie Tatort gucken und dabei die Twitter-Timeline des zugehörigen Hashtags verfolgen. (Anders macht Tatort ja auch keinen Sinn.) Nur eben mit mehr Auswahl und kleineren Gruppen. Video-Parties haben eine eigene Seite mit Rubriken wie “My recent parties”, “My friend’s parties” und “Popular parties”. Genauer angesehen habe ich mir das aber noch noch. (Ich war auch noch nie in einem Google+-Hangout, was aber ja auch ganz was anderes ist, nämlich eine Videokonferenz zwischen den Usern.)
Posts haben bei So.cl ganz öffentliche Permalinks (wie das bei Google+ ja ebenfalls der Fall ist), die man in anderen Netzwerken teilen kann, ohne dass die Leser bei So.cl angemeldet sein müssen. Auch andere Features, die man von Google+ und Facebook kennt, funktionieren, wie z.B. das Ansprechen von Personen. In dieser Diskussion beispielsweise hat mich jemand angesprochen. Wie das geht, habe ich allerdings bisher nicht herausgefunden. Ebensowenig wie den Sinn, dass man sich zu jedem Post per “get embed code” ein Iframe-HTML-Fragment geben lassen kann. Ich habe So.cl bisher ja aber auch nur angetestet.
Ok, und was gibt man nun dort so preis bei So.cl? Das ist ja immer die große Frage in Deutschland. Wenn ein Produkt oder Dienst (hier die Nutzung des sozialen Netzes) kostenlos ist, dann ist man selbst das Produkt dieses Dienstes, wird immer wieder gesagt. Und wer schon jammert, dass man bei Facebook neuerdings diverse Aktivitäten wie Texte lesen oder Musik hören in seine Timeline autoposten kann, der wird vermutlich aufschreien, dass das bei So.cl sogar für die Suchanfragen gilt. Übersehen wird dabei, dass auch Google (oder das normale Bing) aus Suchanfragen Personenprofile erstellt, diese mit ähnlichen Profilen verknüpft und dieses sich wiederum daraus ergebene Wissen zu Geld macht. Der vermeintliche “Datenschutz”, den Kreise (oder Listen bei Facebook) bieten, verhindert diese Datensammlung und -Verknüpfung nicht. Er verhindert nur den Informationsaustausch der Benutzer untereinander. Sie können sich nicht mehr finden und organisieren. Und genau hier setzt So.cl an: Es bietet eine Transparenz der Suchanfragen und Videobetrachtungen. Post-Privacy im positivsten Sinne. Gemeinsam suchen, gemeinsam Videos gucken, live darüber kommunizieren. Öffentlich mit Fremden. Ohne die Illusion einer vermeintlichen “Kreise”-Privatsphäre, die einen erst wirklich nackig macht.
Natürlich ist das alles reine Theorie und So.cl noch nichts weiter als ein Laborprototyp. Man kann es aber schon zur Default-Suchmaschine im Browser erklären. Auch Google+ wird ja zunehmend in Google Search integriert. Während alle auf Facebook rumhacken, entwickeln sich die Dinge eben unbeirrbar weiter. Die Zukunft wird noch Einiges bringen, was in Deutschland vielen unheimlich sein wird. Auch ich selbst bin davon nicht frei. Im Hintergrund läuft z.B. gerade “Unser Star für Baku”. Danach zu so.cln traue ich mich aber nicht — denn warum sollte die Welt wissen müssen, dass ich mir sowas anschaue? Soviel Filtersouveränität traue ich den Deutschen noch nicht zu. Wir sind noch nicht so weit…
(Ach ja, ich weiß nicht, wie offen zugänglich So.cl derzeit schon ist. Wer trotz allem, oder gerade wegen allem, also einen Invite möchte: Ein paar habe ich noch…)
Gute Zusammenfassung. Ich glaube auch das Google Search eine Antwort auf So.Cl ist. Ich sehe das genauso, dass So.Cl nur dazu dient, bing zu etablieren und gar keinen Anspruch darauf hat, ein eigenständiges soziales Netzwerk zu werden.
http://linkedinsiders.wordpress.com/2011/12/19/so-cl-ist-anders/
lG
Stephan
I almost never comment, but I looked at a bunch of responses on this page Microsoft So.
And, if you are writing at additional social sites, I would like to follow you.
cl – noch ein soziales Netzwerk | Wolkenstich.
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Could it be simply me or does it look as if like
some of these comments appear like they are written by brain dead visitors?
Could you make a list of every one of all your social networking
pages like your twitter feed, Facebook page or linkedin profile?
Ceiling fans that no longer work can still be recycled.
‘ The colors aren’t just ‘pastel colors,’ they are ‘spring-fresh’ colors.
Pick the type of fan that also goes with your furniture.
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