Wenn ich bei Rot über die Ampel gehe

Ein Freund machte mich gestern durch eine Verlinkung bei Facebook auf den t3n-Artikel Alipay expandiert: Wieso wir das nicht zulassen dürfen aufmerksam. Sein Kommentar „Überwachung des Alltags für bequemes Shoppen – nein Danke!“ brachte mich dazu, diesen Artikel zu lesen, in dem es um ein chinesisches Social-Credit-System geht. Der Text liest sich allerdings, als ob er Angst- ja geradezu Panik-getrieben verfasst wurde. Ich möchte deshalb hier kurz darauf eingehen.

Mit dem Fazit angefangen: Ich halte diese Angst für berechtigt. Die BATX-Unternehmen (Baidu, Alibaba, Tencent, Xiaomi) sind so erfolgreich, weil sie sich erstmal auf China konzentriert haben, während die GAFA-Firmen (Google, Amazon, Facebook, Apple) von Anfang an weltweit operierten. Aber dass BATX irgendwann nach Europa greifen wird, ist klar. Trump und der Brexit und die nationalfaschistischen Tendenzen in Europa lösen den Westen ja gerade auf, so dass Europa in Kürze nicht mehr einem der beiden vergangenen Blöcke (Westen und Sowjetunion) zugehörig sein wird, sondern keinem der beiden zukünftigen Welten (USA und China). Die Auswirkung wird sein, dass Chinas Wertesystem in Europa eindringen wird. Und in diesem werden Dinge wie eine freiheitliche Grundordnung, eine Rechtsstaatlichkeit und Bürgerrechte (als Abwehrrechte gegen den Staat) eben überhaupt gar nicht als erstrebenswert angesehen. Und wenn man sich anschaut, wie wir diese Dinge schon jetzt aus unserer heutigen Kultur heraus massiv abbauen, wird es China in Europa über den globalen Kapitalismus dann sehr leicht haben. Wir werden das dann auch gar nicht als Bedrohung sehen, sondern uns darum reißen! Und sehr bald dann werden auch wir ein staatliches Social-Credit-System plötzlich für eine gute Idee halten, zumal wir an immer mehr Scoring-Systeme längst gewöhnt sein werden.

In dem genannten Artikel geht es zwar es erstmal nur darum, ob Chinesen, die mit Alipay bezahlen wollen, das auch bei uns tun dürfen (und es ist erstmal schwer vermittelbar, warum sie das nicht dürfen sollen, wenn sie das denn machen wollen), aber dass sie das ab 2020 dann nicht nur dürfen, sondern auch müssen (weil sie sich nach heutigem Planungsstand dann strafbar machen werden, wenn sie irgendwo auf der Welt noch irgendwas an den Datenmesspunkten ihres Social-Credit-Systems vorbei machen), macht es tatsächlich schon fragwürdig, in welcher Weise wir uns beim Aufbau dieser Unterdrückungsstruktur beteiligen wollen. Meine Arbeitshypothese dazu ist aber, dass man mit den Ansätzen Datensparsamkeit (weniger erheben) und Datenschutz (Verbreitung kontrollieren) langfristig keinen Erfolg haben kann und dass man sich somit auch eben nicht „mitschuldig“ macht, wenn man sich diesen aussichtslosen Ansätzen zur Bekämpfung des eigentlichen Problems verweigert. Ich stimme der Aussage des Artikels also nicht zu, sondern postuliere das Gegenteil: Informationelle Selbstbestimmung ist nicht, wenn keiner sieht, wie ich bei Rot über die Ampel gehe, sondern wenn ich das sichtbar machen kann, ohne dass es Folgen hat. Und nur das ist das Dystopische an dem Social-Credit-System. Die Folgen, die es hat. Nicht dass es Daten auswertet.

Mir scheint, für die Autor*innen des o.g. Artikels ist Alipay eine Projektionsfläche für allerlei berechtigte Kritik an der Entwicklung der Welt. Und wahrscheinlich ist auch ein bisschen tiefdeutsche Bargeld-Abschaffungs-Phobie dabei. (Systeme wie Dänemarks MobilePay oder Norwegens Vipps, mit denen Geldaustausch so einfach ist wie das Verschicken einer SMS, und die im Privatbereich dort Bargeld bereits komplett ersetzt haben, wären hier deshalb undenkbar.) Aber einen belanglosen Stellvertreter des BATX-Raumes wie Alipay in dieser Weise anzugehen („Wer Terminals dazu in seinem Laden stehen hat, sollte sie zum Fenster rauswerfen. Apps deinstallieren, die Aufkleber restlos von den Fenstern kratzen – und chinesische Kunden auffordern, mit einer anderen Zahlungsmethode zu bezahlen.“), erinnert mich persönlich an Dinge, mit denen ich hier lieber keinen Vergleich ziehen möchte. Stichwort „Deutsche, kauft nicht bei…“.

Wie gesagt: Der Kritik an dem chinesischen Social-Credit-System schließe ich mich an. Die Verteufelung der BATX-Unternehmen, die sich von den GAFA-Firmen nur dadurch unterscheiden, dass sie auf schon viel weiterentwickelten Märkten unterwegs sind, verkennt aber die Realität der Entwicklung dieser Welt. Diese Entwicklung kann Europa nur mitgestalten, wenn es nicht hoffnungslos in die Finsternis vergangener Zeiten zurückfällt. Wer glaubt, man könne Europa retten, indem man Chinesen zwingt, bei Rossmann bald wieder mit Bargeld zu bezahlen, der hat sie nicht mehr alle.

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Mobiles Internet in Deutschland

Eigentlich ergibt der Begriff „Mobiles Internet“ keinen Sinn, so wie auch WLANs als solche keinen Sinn ergeben, denn das Internet sollte eigentlich immer und überall ausreichend vorhanden, ausreichend schnell und mit ausreichend Datenvolumen bestückt sein, so dass man keine WLANs benötigt und auch keinen Begriff „Mobiles Internet“. Sowas gehört einfach zur Infrastruktur, die man erwarten kann — wie Luft zum Atmen und sauberes Wasser. Also noch mehr als Kanalisation oder Straßen.

Aber schon das Thema „Internet in Deutschland“ an sich (also auch ohne „mobil“) ist leider eine Dauertragödie. Schon die Infrastruktur, um sich ein brauchbares WLAN zu bauen — wie gesagt: schlimm genug, dass man das überhaupt tun muss — ist nur hier und da mal vorhanden. Und dort, wo es sie gibt — also wo die Zulieferung und der Abtransport der Daten angemessen möglich ist — gibt es inzwischen andere Probleme: Die Funktechnologie der WLANs ist dermaßen am Ende, dass man das Reichweitenproblem inzwischen auch mit Repeatern kaum noch bewältigt kriegt.

Was an all dem besonders nervig ist, das ist die Perspektive: Denn es soll in Deutschland im Vergleich alles noch schlechter werden. So schrieb Heise vorgestern „Deutschland droht nach Ansicht der EU-Rechnungsprüfer beim Internet-Ausbau in den kommenden Jahren den Anschluss zu verlieren. Das ergab ein Bericht des Europäischen Rechnungshofs, der am Dienstag in Brüssel vorgestellt wurde. Das EU-weite Ziel, bis 2025 flächendeckend Geschwindigkeiten von bis zu einem Gigabit/s zu ermöglichen, sei in Deutschland mit der aktuell genutzten Technik ‚wahrscheinlich nicht zu verwirklichen‘, hieß es.“.

Man selber merkt das Drama gar nicht unbedingt, weil man es ja nicht anders kennt. Man riecht es nur, wenn man in den Raum reingeht, in dem es stinkt, nicht wenn man darin lebt. Schlimm wird es aber, wenn man mal draußen war. Und genau das war der Anlass für meinen Tweet „Kaum bin ich wieder in Deutschland ist das mobile Internet weg, und ich werde per Brief gefragt, ob ich weiterhin E-Mails empfangen mag.“. Diese thematische Vermengung von der deutschen Internet-Ausbau-Katastrophe und dem deutschen Umgang mit europäischen Verordnungs-Katastrophen (hier der DSGVO) in nur einem Tweet versuchte auch, das für die meisten Dinge zugrundeliegende Problem zu erklären: Deutschland.

Ich weiß nicht, welcher Schock beim Wiedereintritt in den deutschen Luftraum größer für mich war: Die unerträglichen deutschen Autobahnen mit ihrer Übervollheit und den rasenden Affen am Steuer oder der zwangsweise Rauswurf aus dem Internet und der Rückfall in die Steinzeit des Offline-Lebens wie man es nur noch in Deutschland kennt und sofort vergisst, wenn man draußen sein durfte. Ich habe beide Probleme nach jeder Rückkehr aus Dänemark und nach jeder Rückkehr aus Frankreich, aber was speziell das Internet-Problem angeht, habe ich auch ein bisschen Mitschuld: Mein Handy-Tarif (und über Handy-Tethering läuft auch die iPad-Versorgung) hat nämlich kein LTE.

Also an die eigene Nase gefasst: Keine LTE-Netze (4G) im Tarif bedeutet, dass das Handy auf ein UMTS/HSPDA-Netz (3G) angewiesen ist. Diese Netze aber wurden in Deutschland im vergangenen Jahr zu großen Teilen abgebaut, d.h. in immer mehr Gegenden fiel die verfügbare Netzanbindung auf GSM/EDGE (2G) zurück, was der Geschwindigkeit wegen mit „kein Internet“ gleichzusetzen ist. Wer auf LTE verzichtet, hat sich also entschieden, weitestgehend auf mobiles Internet zu verzichten. Dann darf man aber auch nicht meckern, dass man keines hat.

René Hesse z.B. meckert nicht, sondern schrieb gestern bei mobiflip „Ich persönlich kann für kleines Geld zwar noch ohne Zugang zum LTE-Netz leben, aber es wird endlich Zeit für ein Ende der Tarife ohne Zugang zum LTE-Netz, egal bei welchem Provider oder Wiederverkäufer.“. Seine Begründung: „wofür das LTE-Netz eigentlich gut ist: Bessere Abdeckung, mehr Puffer bei vielen Nutzern und niedrigere Reaktionszeiten“ und dass „lange etwas unter den Teppich gekehrt wurde: Kunden ohne LTE-Zugang bzw. LTE-Option sind Kunden zweiter Klasse“. Recht hat er. Aber LTE hat er nicht.

Nun denn, seit der letzten Rückkehr aus Frankreich, wo ich mich auch wieder daran gewöhnt hatte, immer und überall schnelles Internet zu haben, kann nun „ich persönlich“ in Deutschland nicht mehr „ohne Zugang zum LTE-Netz leben“, und ich kann auch nicht mehr auf „ein Ende der Tarife ohne Zugang zum LTE-Netz“ warten, sondern muss mich halt vom „für kleines Geld“ verabschieden. Bei meinem bisherigen Anbieter (Telekom-Netz, monatlich kündbar, EU-Roaming) zahle ich jetzt erstmal mehr als das Doppelte, nur um auch LTE zu haben, und es wird sich zeigen, ob ich den Anbieter für mehr Datenvolumen noch wechseln muss. Aber ein erster Blick hat mir bereits gezeigt: In Deutschland sieht es mit den angebotenen Mobil-Tarifen sehr sehr düster aus. Angemessene Datenvolumen bei brauchbarer Netzabdeckung sind einfach unbezahlbar. Das hiesige Angebot ist im europäischen Vergleich extrem armselig.

Sascha Lobo schrieb gestern in seiner SPON-Kolumne „Die deutsche Breitband-Infrastruktur ist der Berliner Flughafen des Internets.“. Wo wird Deutschland erst stehen, wenn im Rest von Europa auch das Mobile Internet breitbandig wird?

 

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Alternde Notebooks

Irgendwie sind meine Notebooks alt geworden. Mein „Sandy“ Samsung NP-RV520-S04DE mit Core i5-2410M („Sandy Bridge“ von März 2011 mit 2 Kernen bei 2,3 GHz) und 6 GB RAM fährt zwar Windows 10 Home 1803, wirkt aber trotzdem wie aus der Zeit gefallen.

Und mein „Yatan“ Samsung ATIV Book 8 NP870Z5E-X04DE mit Core i7-3635QM („Ivy Bridge“ von Oktober 2012 mit 4 Kernen bei 2,4 GHz) und 8 GB RAM wirkt zwar jünger, fährt aber noch (bzw. wieder) Windows 8.1, weil es für Window 10 keine funktionierenden Treiber gab.

2011 und 2012 ist beides mittlerweile echt lange her. Notebooks waren damals im Wandel. Sandy hat noch ein DVD-Laufwerk und eine Festplatte, was Yatan beides schon nicht mehr hat. Auch bei den Displays gab es damals einen Quantenspung. Mit Yatan kamen Full-HD und IPS- (bzw. PLS-)Panel. Außerdem USB 3 und 5-Ghz-WLAN und SATA 2 für die interne SSD. Sandy hat nichts davon.

Von der Performance her ist Sandy inzwischen unbenutzbar. Ein Tausch der Platte durch eine SSD würde etwas helfen, lohnt aber nicht mehr. Bei Yatan wiederum (Problem 1) ist seit kurzem das Touch Pad kaputt: es nimmt nur noch 1-Finger-Gesten an, also u.a. kein Scrollen (Schieben mit zwei Fingern) und Pinchen mehr. Und durch das antike Windows 8.1 (Problem 2) lässt sich außerdem immer mehr gängige Windows-Software zunehmend nicht einmal mehr installieren.

Ich könnte Yatan reparieren lassen (obwohl das schwierig und teuer werden dürfte, da Samsung seit 2014 in Europa keine Notebooks mehr verkauft) und es noch ein letztes Mal mit irgendwelchen Windows-10-Treibern probieren. Immerhin gibt es im Microsoft Store inzwischen eine Windows-10-App „Samsung Update“, die seit kurzem sogar Sandy unterstützt. Vielleicht findet die ja geeignete Treiber oder BIOS-Updates für Yatan. Allerdings dürfte unter Windows 10 der „Leise-Modus“ von Yatan trotzdem nicht mehr funktionieren, da Windows 10 ständig im Hintergrund irgendwas macht. Der Leise-Modus ist aber Yatans wesentlichstes Feature, denn der macht den Lüfter aus. Mit laufendem Lüfter ist Yatan nicht auszuhalten.

Also kein Windows-Upgrade, zumal ich auch keine Lust auf ein weiteres verlorenes Wochenende habe, wenn das wieder nicht klappt und erneut zurückgerollt werden muss. Außerdem — ganz ehrlich –: Ich finde Windows 10 unermesslich hässlich. Viel hässlicher noch als Windows 8.1. Eine Neuanschaffung von Hardware würde ich zum Anlass nehmen, auf MacOS zu wechseln.

Eine Neuanschaffung von Notebook-Hardware steht allerdings definitiv momentan nicht an, denn seit einem Jahr benutze ich zuhause fast ausschließlich mein (10,5″)-iPad. Oder gelegentlich Yatan mit einer Maus. Und Sicherheitsupdates kriegt Windows 8.1 noch bis 10. Januar 2023. Vielleicht hat Apple bis dahin ja wieder ein kaufbares MacBook im Sortiment. (Im Moment ist das ja leider nicht so.) Aber erstmal gibt es überhaupt keinen Erneuerungsbedarf.

Trotzdem: Meine Notebooks sind schon jetzt echt alt geworden. Ich bin gespannt, wie lange ich wirklich damit noch durchhalte. Und ob es danach dann wirklich ein MacBook wird — oder doch ein lüfterloses Windows-Convertible mit Stift und 360-Grad-Scharnier à la Lenovo Yoga, Dell XPS 2-in-1, HP Spectre x360 oder Asus ZenBook Flip. Denken kann ich so ein Hybrid-Gerät derzeit nicht, denn ich verstehe nicht, wie man damit arbeiten würde. Und es wäre leider Windows 10. Wenn das nur nicht so hässlich wäre…

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RAW-Entwicklung heute

Da mein „Dauertest“ der „Lightroom“-Sachen in der „Adobe Creative Cloud“ immer noch andauert, fand ich die folgenden Neuigkeiten bei Adobe interessant, und habe sie (nach dem Ausprobieren) mal aufgeschrieben, um das für mich zu sortieren:

  • Das bisherige „Lightroom CC (2015)“ wurde ersetzt. Wenn man in der „Adobe Creative Cloud“-App auf „alle Programme aktualisieren“ drückt, wird es deinstalliert, und es wird ein neues Programm installiert. Die Icons in der Windows-Taskbar führen danach ins Leere, d.h. man muss diese manuell löschen und für das neue Programm neu anlegen. Das neue Programm heißt „Lightroom Classic CC“.
  • Auch die anderen Programme aus dem „Creative Cloud Foto-Abo“ wurden ersetzt. „Photoshop CC (2017)“ und „Bridge CC (2017)“ heißen jetzt „Photoshop CC“ und „Bridge CC“, und auch hier muss man die Icons in der Taskbar nach dem Löschen der alten und der Installation der neuen Programme manuell löschen und für die neuen Programme neu anlegen.
  • Nur umbenannt wurden die bisher „Lightroom Mobile“ genannten Apps für iOS und Android. Die App für das iPad heißt jetzt seit Version 3.0.0 z.B. „Lightroom CC for iOS“.
  • Außerdem: Neu im „Creative Cloud Foto-Abo“ enthalten ist ein zusätzliches Desktop-Programm (für Mac und Windows) namens „Lightroom CC“. Wie mit dem „Lightroom CC“ für iOS und Android und auch wie mit der Web-App namens „Lightroom CC“ unter https://lightroom.adobe.com/ , kann man damit Cloud-basiert geräteübergreifend arbeiten.

Fazit:

  • Die Cloud-basierten Apps für Mobile und Web wurden also um eine Version für den Desptop ergänzt, und alle drei (Desktop, Mobile und Web) unter dem Begriff „Lightroom CC“ zusammengefasst.
  • Das bisherige Lightroom-Programm heißt jetzt in seiner Neuauflage „Lightroom Classic CC“ und ist keineswegs obsolet, da „Lightroom CC“ keine auf einem Gerät abgelegten Foto-Kataloge einbinden kann. Lightroom Classic kann das jedoch weiterhin. Die Kataloge des alten „Lightroom CC (2015)“-Programms werden beim Einbinden mit „Lightroom Classic CC“ in dessen neues Katalogformat konvertiert.

Was nun also wirklich neu ist:

  • Da auch die Desktop-Version von „Lightroom CC“ (also das ganz neue Programm) nun Fotos im Original in die Cloud schieben kann (also z.B. die RAW-Dateien aus dem Kameras), hat man nun ein neues Szenario: Während man bisher nur über gesyncte „Sammlungen“ die „Smart-Vorschauen“ auf die in den lokalen Katalog des Desktop-Geräts importieren Bilder in der Cloud hatte, kann man nun plötzlich auch die Originale dort haben. Und mit „Lightroom CC“ muss man das sogar.
  • Oder anders gesagt: Man kam bisher mit wenig Cloud-Speicher aus, denn es waren nur die auflösungsreduzierten und stark komprimierten „Smart-Vorschauen“ in der Cloud, über die man alle Belichtungseinstellungen für die RAW-Dateien auf jedem Gerät verändern konnte. Die Fotos selber aber waren nur in dem Lightroom-Katalog auf dem Desktop-Gerät. Außerdem hatte man den Sync auf einer Sammlung nur so lange aktiv, wie man Sammlungen auf anderen Geräten zeigen oder bearbeiten wollte. Mit dem Ausschalten der aktiven Sync an einer Sammlung wurden die Smart-Vorschauen in der Cloud automatisch wieder gelöscht. Mit „Lightroom Classic CC“ ist all das immer noch so. Mit „Lightroom CC“ hingegen wandern sämtliche importieren RAW-Dateien in die Cloud (und bleiben da auch), da der gesamte Katalog dort liegt.

Dieser mehrere hundert bis tausendfach erhöhte Speicherbedarf in der Cloud spiegelt sich entsprechend auch in den Aboplänen wider, die Adobe anbietet:

  • Es gibt nun entsprechend ebenfalls neu das „Lightroom CC-Abo“. Hier hat man nur „Lightroom CC“ (also kein „Photoshop CC“ und kein „Lightroom Classic CC“), aber dafür 1000 GB Cloud-Speicher statt nur 20 im Grundpreis enthalten.
  • Im „Creative Cloud Foto-Abo“ mit der Unterstützung lokaler Kataloge über die neuen Versionen der alten Desktop-Programme sind weiterhin nur 20 GB Cloud-Speicher enthalten. Für den doppelten Preis kriegt man aber auch dort 1000 GB.

Übrigens laufen die neuen Desktop-Versionen von „Lightroom CC“ nicht überall. Auf meinem Samsung ATIV Book 8 NP870Z5E-X04DE mit Windows 8.1 ließ sich Lightroom CC nicht installieren, weil die Mindestvoraussetzung „Windows 10 (64 Bit) Version 1511“ (Threshold 2) ist. Auf meinem älteren Samsung NP-RV520-S04DE mit Windows 10 Version 1709 (Redstone 3) funktionierte es hingegen einwandfrei. Das neue „Lightroom Classic CC“ läuft hingegen sogar noch auf Windows 7.

lr-cc

Mein Gesamt-Fazit:

  • Ich kann schon nachvollziehen, für wen dieses neue Cloud-Szenario gedacht ist. Die Fotos kommen heute bunt durcheinander von Smartphone, Tablet und Systemkameras mit WLAN-Modul, und auch Smartphone und Tablet erzeugen heute schon oft RAW-Dateien. Es gibt also zahlreiche Quellen und überall Entwicklungsaufwand und den überall durcheinander auf allen Geräten und auf allen Daten. Ein führendes System für RAW-Entwicklung, Export und Archivierung zu haben, ist da keine Option mehr. Und ehrlich gesagt: Ein Archivierungs- und Sicherungs-Konzept für „Lightroom Classic“-Kataloge denken zu können, ist auch heute schon nur Profis vorbehalten. Normale Leute wie ich sind damit vollkommen überfordert. Es wurde Zeit, dass Adobe hier eine handhabbare Lösung anbietet.
  • Mein Szenario ist das allerdings so ganz und gar überhaupt nicht. Ich bearbeite in Lightroom Classic CC ausschließlich die RAW-Dateien, die ich per Speicherkarte aus der Kamera auf den Rechner kopiert habe. Ich sichte die Bilder und habe 1. nur selten, 2. dann nur wenige ausgewählte Bilder, 3. dann nicht die Bilder selber, sondern nur deren Smart-Vorschauen und 4. dann all das auch nur vorübergehend in der Cloud. Nämlich wenn — und auch nur so lange — ich eine bestimmte Sammlung auf dem iPad zeigen oder die Entwicklungseinstellungen der Bilder dort bearbeiten will. Archivierung läuft auf dem Rohmaterial und den JPG-Exporten separat. Die nicht zum Export geführten in Lightroom Classic CC lokal gepflegten Informationen gehen langfristig verloren (und dürfen das auch). Für die Sicherung von Katalogen bin ich wie gesagt zu doof. Außerdem möchte ich mich nicht an Adobe binden.

Die ganze Wahrheit ist also: Für mich ändert sich nichts. Allerdings finde ich Adobe relativ mutig. Das Flaggschiff „Lightroom CC (2015)“ in seiner neuen Version durch den auf „Lightroom Classic CC“ geänderten Namen abzuwerten und den Begriff „Lightroom CC“ auf ein reines Cloud-Szenario umzumünzen, gibt dem Konzept „Cloud“ einen Stellenwert für persönliche Massendaten, den es meiner Ansicht nach noch nicht hat. Für mich sind meine Fotos zu persönlich und zu datenintensiv, um sie in der Cloud hosten zu wollen oder zu können. Warum setzt Adobe da so stark drauf? Ist das einfach nur Bauernfängerei oder ist es doch visionär?

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Flipboard auf dem 10,5″ iPad lesen

Heute mal ein sehr spezielles Thema, nämlich eines für alle die Menschen unter uns, die auf dem 10,5″ iPad versucht haben, im Flipboard zu lesen, und sich verwundert die Äuglein darüber reiben mussten, dass sie eine uralte Oberfläche zu sehen bekamen. Ich jedenfalls hatte arg gestaunt, denn seit Flipboard 4.0 gibt es ja ein „Home carousel“ und personalisierbare „Smart magazines“ und so’n Zeug. Aber nichts davon ist auf dem 10,5″ iPad zu sehen. Weder in der App noch in Safari. Flipboard sieht stattdessen überall aus wie anno dunnemal.

Hier dazu meine Thesen:

  1. Die App unterstützt direkt bisher nur die ältere 9,7″-Größe, und wenn man mit einem 10,5″ Tablet ankommt, dann rendert sie stattdessen die mobile Webseite.
  2. In Safari wird die mobile Webseite angezeigt, weil die Display-Größe 10,5″ noch nicht als „Desktop“-Größe durchgeht.
  3. Die mobile Webseite von Flipboard unterstützt — anders als die Desktop-Webseite und die iPad-App für 9,7″-Displays — noch nicht das 4.0-Design.

So ganz plausibel sind diese Thesen nicht, weil ja die Interaktion in der App (horizontal blättern) völlig anders ist als in der Webseite (vertikal wischen), aber andere Thesen habe ich nicht. Und vielleicht legt die App dieses Blättern irgendwie generisch über die mobile Webseite. Könnte sein, ist aber auch egal, denn meine Fragestellung war viel konkreter:

Frage 1: Wie kann ich auf dem iPad meine Smart-Magazine lesen?

Frage 2: Wie kann ich auf dem iPad meine Smart-Magazine pflegen?

Vielleicht zwischendurch kurz ein Hinweis, was Flipboard überhaupt ist. Leider blicke ich das selber nicht wirklich, weil mich vieles daran doch arg verwirrt. Hier ein paar Beispiele:

(1) Im eigenen Profil im „Home“-Tab stehen

  • ein allgemeines „Nachrichten“-Magazin
  • die insgesamt bis zu 9 abonnierten Smart-Magazine

(2) Im eigenen Profil im „Magazin“-Tab stehen

  • die eigenen (durch Flips selbst befüllten) Magazine
  • diejenigen der abonnierten Smart-Magazine, die man selber personalisiert hat

(3) Im eigenen Profil im „Folge ich“-Tab stehen die Dinge, denen man so „folgt“, z.B.

  • die „Themen“ — z.B. Books, Apple, Gear & Gadgets, Android News und TV
  • die „Quellen“ — z.B. Le Monde, Cinéma, CNN International, Inside Flipboard und mobiflip.de
  • die „Accounts“ — z.B. Twitter, Flickr, Facebook, Tumblr, Instagram und LinkedIn
  • die (normalen, unsmarten) „Magazine“ — z.B. Film, Flipboard Picks, Tagesausgabe, Bremen, Zeitungen und Auswahl
  • die „Personen“ — z.B. Mashable, Engadget, Digital Trends, Conversation France und Sciences_Avenir

Mir ist u.a. die Klassifikation dieser „Folge ich“-Items vollkommen schleierhaft. Wann ist etwas Thema, wann Quelle, Magazin oder Person?

Auf der Hauptseite von Flipboard gibt es dann neben dem eigenen Profil noch

  • die „Titelgeschichten“ mit dem Untertitel „Highlights von allem, dem du folgst“
  • nochmal das allgemeine „Nachrichten“-Magazin aus dem „Home“-Tab im eigenen Profil
  • nochmal die bis zu 9 abonnierten Smart-Magazine aus dem „Home“-Tab
  • den Link „Was interessiert Dich?“

Über diesen Link kann man Smart-Magazine dem Home-Karussel hinzufügen. (In der Android-App kann man diese dann auch nur über das Karussel lesen, denn im eigenen Profil gibt es dort keinen „Home“-Tab — siehe (1) oben. Dafür gibt es dort einen „Likes“-Tab, der wiederum in der Webseite fehlt.)

Ich komme nun direkt zu den Antworten der beiden oben gestellten Fragen:

Antwort zur Frage 1: Nur englischsprachige Smart-Magazine lassen sich personalisieren. Man kann bei denen den Content über Tags eingrenzen. Bei deutschsprachigen und bei französischsprachigen Smart-Magazinen geht das nicht. Über das eigene Profil — siehe (2) oben — können also nur englischsprachige (und davon auch nur die personalisierten) Smart-Magazine gelesen werden. Aber: Man kann Smart-Magazinen auch folgen. Wenn man sie über das Karussel anzeigt, kann man zusätzlich noch einen „Folgen“-Button drücken. Dessen Auswirkung zeigt sich zwar heute nirgends mehr direkt — wohl aber noch in der antiken Oberfläche. Auf dem 10,5″ iPad erscheinen sie nun plötzlich unter der „Alle“-Rubrik der „Folge ich“-Items. Problem gelöst.

Antwort zur Frage 2: Frage 1 ist natürlich in Wahrheit nur dann beantwortet, wenn man es auf dem iPad irgendwie doch hinkriegt, die 4.0-Features anzuzeigen. In der App geht das tatsächlich nicht, aber in der Webseite schon. Man muss einfach das Refresh-Icon vom Safari lange drücken und dann das aufpoppende „Desktop-Site anfordern“ auswählen. Dann hat man das Desktop-Flipboard, kann die Smart-Magazine auswählen, evtl. personalisieren oder ihnen folgen, also all das pflegen, das man dann auch in der App (nur an völlig anderer Stelle) anschauen und durchblättern kann.

Um überhaupt Smart-Magazine in unterschiedlichen Sprachen zu finden, muss man übrigens in den Settings von Flipboard ab und zu die Region umstellen. Das nur als weiterer Tip zur Content-Pflege im Desktop-Mode von Safari. Am Ende lesen kann man dann nicht nur mit der App, sondern insbesondere mit der antiken Oberfläche dann eh besser als mit der aktuellen 4.0.16. Insofern kann man es auch als Vorteil werten, dass das 10,5″ iPad von Flipboard 4 noch nicht zeitgenössisch unterstützt wird.

Ich habe all dies hier aufgeschrieben, weil ich per googeln partout so gar nichts darüber finden konnte. Ich scheine der Erste gewesen zu sein, der das Problem, Flipboard-Smart-Magazine auf dem 10,5″ iPad pflegen und in der App lesen zu wollen, aufgeworfen (und zum Glück gelöst) hat.

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Mastodon macht Lust auf Twitter

Ja, Mastodon. Es geht in diesem Beitrag jetzt wirklich um Gargrons Mastodon. Ich will wissen, was das ist, und was das mit Twitter zu tun hat. Heise fragte schon am 5. April „Ist Mastodon das bessere Twitter?“. Nun, Posts heißen bei Mastodon „Toot“ (Slang für Furz) anstatt wie bei Twitter „Tweet“ (Gezwitscher eines süßen kleinen Vögelchens), was eigentlich ein Grund ist, sich nicht damit zu beschäftigen. Aber Gründe sind eh überbewertet.

Diverse HOWTO-Guides zu Mastoton wie die von Quartz und von opensource.com habe ich gelesen. Ich weiß also, wie man es benutzt. Auch Kommentare wie die von Socialnerdia oder von Gründerszene, die es als bereits gescheitert klassifizieren, habe ich gelesen und ich zweifle auch nicht daran, dass diese recht haben, denn Mastodon ist viel zu offen. Eine derartige Offenheit verunmöglicht gesellschaftliche Inklusion, d.h. Mastodon kann sich schon deswegen nicht zu einer Plattform für alle entwickeln, insbesondere nicht zu einer, aus der eine gesamtgesellschaftliche Infrastrukur entstehen kann, wie es bei Twitter längst der Fall ist.

Mir reicht diese Erkenntnis aber noch nicht. Ich will wissen, was Mastodon wirklich ist. Also für die, die da sind, denn es steckt immer irgendeine Kultur dahinter, aus der heraus sowas entsteht. Einen ganz guten Einblick konkret zu Mastodon bietet z.B. der Bericht von RobekWorld. Man kommt da mit den ganzen Vokabeln aber schnell durcheinander. Meine erste These dazu ist, dass man für sich zunächst von der Firma/Produkt-Denke wegkommen muss. „Twitter“ ist Firma und Produkt. Beispiele, bei denen Firmenname und Produktname unterschiedlich sind, sind Google Buzz, Google Wave, Google Orkut und Microsoft So.cl? Alle tot (und inzwischen alle ganz abgeschaltet), aber als „Firmenname Produktname“ gedanklich leicht identifizierbar. Bei dem nicht-kommerziellen Gelöt geht es aber eher um Projekte/Protokolle/Philosophien/Software/Softwareinstanzen, die alle für sich irgendwelche Titel haben, irgendwie auseinander hervorgingen oder ineinander aufgingen und irgendwie immer noch zusammenhängen. Und diese Historie trägt dann auch die Kultur der Leute, die dort sind.

Ich selber kann die kommerzielle und die nicht-kommerzielle Welt bei den sozialen Netzwerken und Microblogging-Plattformen kaum auseinanderhalten. Ich erinnere mich z.B. an Path und an Diaspora, sowie an App.net und an Ello. Ein bisschen auch an Identi.ca und an Quitter.se, und auch Peach sagt mir noch was. Ein klein bisschen weiß ich auch von GNU social und von StatusNet. Aber immer nur aus User-Sicht. Wie das alles hinter den Kulissen wirklich zusammenhängt und was in den zugehörigen Szenen darüber diskutiert wird, erschließt sich mir eher nicht so wirklich. Darum kann es in diesem Beitrag hier also auch nicht gehen. Ich muss da auf die zahlreichen Links verweisen, mit denen ich die Begriffe in diesem Beitrag hinterlege, und die ich am Ende auch noch einmal gebündelt anführen werde.

Der aktuelle Hype in der Szene ist Mastodon, weil das gerade in einer Wachstumswelle ist. Einfach selber ausprobieren hat mir bei Mastodon aber bisher nicht geholfen, es wirklich zu verstehen. Ja, ich habe mir aus der Liste eine Instanz ausgesucht. Und aus der anderen Liste eine App. Als Instanz habe ich social.tchncs.de genommen, weil das eine .de-Domain ist und weil die dort eingespielte Mastodon-Version immer direkt auf den Github-Master geht und nicht erst auf das Release wartet. (Weil die Software also sehr aktuell gehalten wird.) Und als (Android-)App habe ich mir Tusky ausgesucht, weil mir der Name gefällt. Angenehmerweise gefällt mir auch die App selber, und das sogar sehr gut.

Natürlich braucht man gar keine App aus dem Store, um Mastodon auszuprobieren, denn man kann ja auch einfach im Webbrowser seines Smartphones auf seiner Mastodon-Instanz „Zum Startbildschirm hinzufügen“ auswählen und dann die Mastodon-Webapp über das Mastodon-Icon starten. In der Benutzung ist das von einer Android-App dann nicht mehr unterscheidbar. Da in der Mastodon-Webapp aber der leidige Dark Mode nicht abschaltbar ist (was ich untragbar nerdig finde), greife ich dann doch lieber zu Tusky, denn da ist er abschaltbar. Apropos Webapp: Twitter hat mit Twitter Lite kürzlich eine zweite Webapp vorgestellt. Hier lohnt sich das „Zum Startbildschirm hinzufügen“ besonders, da es als richtige Google Progressive Web App eine echte Konkurrenz zur Twitter App aus dem Store darstellt. Mehr Info zu Twitter Lite bei Twitter, denn hier geht es ja um Mastodon.

Auf Mastodon unterhalten sich Leute über Mastodon und sagen dabei komische Dinge über Mastodon. Z.B. verlinkt @jensscholz@mastodon.cloud in seinem Toot auf seinen Blogartikel über Mastodon und schreibt darin u.a. „GNU social ist schon längst relevant und etabliert.“ (er meint hier wohl das auch für Mastodon geltende „federated social network“-Prinzip über das von GNU social verwendete OStatus-Protokoll und eher nicht die gleichnamige PHP-Software oder die verteilte Plattform, die dessen Instanzen bilden) und „Ein soziales Netzwerk, das wirklich für alle Menschen und für jeden Bedarf wirklich gleich gut funktioniert, kann kein kommerzielles Produkt sein.“, was eine interessante Sichtweise ist, denn tatsächlich ist es ja genau andersrum. Aber vielleicht braucht man auf Mastodon diese verdrehte Sichtweise, um an Mastodon glauben zu können. Auf Twitter ist Mastodon eine Metalband.

Es gibt übrigens weit mehr als nur das OStatus-basierte Fediverse, zu dem auch Mastodon gehört. Z.B. basiert identic.ca heutezutage auf pump.io, und friendi.ca kann Kontakte aus Twitter, Diaspora, pump.io und StatusNet/GNU social einbinden. Was also macht nun gerade Mastodon interessant?

Nun, für mich zumindest sind drei Dinge an Mastodon interessant:

  • Ding 1 ist uralt und hat nichts mit Mastodon zu tun. Es geht da um den Unterschied zwischen einem Fediverse und einem zentralen Server.
  • Ding 2 ist brandneu und hat alles mit Mastodon zu tun. Es geht da darum, ob Mastodon für Twitterer interessanter werden könnte als Twitter. Und wenn ja, wodurch?
  • Und Ding 3 ist die Frage, wieviel diese beiden Dinge 1 und 2 eigentlich miteinander zu tun haben und wieviel nicht.

Ich persönlich glaube, dass Ding 2 eine sinnlose Frage ist, da es „den Twitterer“ gar nicht gibt. Es gibt bei Twitter Leute wie mich, die gelegentlich „Gedanken zwitschern“ oder mal bei Events Tweet-Stakkatos raushauen oder verfolgen (z.B. gemeinsames Tatort-Gucken oder Veranstaltungen besuchen), und es gibt Leute, die dort hauptsächlich Konversationen mit ihren Kontakten treiben, was ich z.B. bei Twitter eher nie mache. Vielleicht gibt es dort auch Leute, die dort Pressemitteilungen lesen (zumindest hat die Tagesschau Twitter schon mal als „Kurznachrichtendienst“ bezeichnet, was ich sehr lustig — und ignorant/einfältig — fand). Von manchen wird Twitter auch als Suchmaschine verwendet. Gestern nachmittag saß ich z.B. bei Grete’s mit lecker Milchkaffee und verfolgte die Events #koeln2204 und #marchofscience.

Ob Mastodon für Twitterer interessant werden könnte, hängt also wesentlich davon ab, was mit Twitter gemacht wurde. Volltextsuche kann es bei Mastodon z.B. prinzipbedingt gar nicht geben. Suchen kann man nur nach Usern. Im Moment kann man nicht einmal nach Hashtags suchen. Nur wenn man schon einen Hashtag in einem Toot hat, dann kann man darauf klicken. Aber auch dann kriegt man nur die Suchergebnisse aus der „fererated timeline“ der verwendeten Mastodon-Instanz. Und das ist auch wieder prinzipbedingt so, also kann das und wird (und sogar soll) sich auch nicht ändern. Und damit ist auch Ding 3 beantwortet, denn letztendlich ist es alleine Ding 1, das Mastodon ausmacht. Die kleinen Unterschiede (keine Algorithmen, keine Werbung, usw.) sind peng. Alleine das 500-statt-140-Zeichenlimit ist meiner Meinung nach ein Killer-Feature. (Ich halte es aber ja bekanntlich auch für eine historische Fehlentscheidung, dass sich Twitter kürzlich im letzten Moment dann doch noch wieder dagegen entschieden hat, das auch zu machen.)

Ding 1 ist unbedingt noch erklärungsbedürftig, insbesondere was bei Mastodon in der „federated timeline“ drin ist. Da es den Rahmen dieses Beitrags sprengen würde, muss ich dazu allerdings auf die Konversation an diesen Toot von @nightpool@cybre.space verweisen. Dort wird „The current list of ways something can get into the federated timeline“ erklärt und diskutiert. Im Prinzip sind das alle Toots, die der Server (auf dem die Mastodon-Instanz läuft) sieht, weil einer seiner User in irgendeiner Weise damit interagiert hat. Das kann auch indirekt sein, z.B. wenn „someone from your server is following someone who replied to that user“ geschehen ist. In dem Fall hat man dann – weil Konversationen auf jedem Server vollständig einsehbar sein müssen – genau diesen einen Toot von demjenigen User in seiner federated timeline. Aber eben auch nur diesen einen. Es sei denn, dem User, dem hier geantwortet wurde, folgt noch ein anderer User der eigenen Mastodon-Instanz. Dann sieht man alle von dessen Toots.

Ich will das gar nicht noch genauer erklären, weil das für meinen Punkt nicht wichtig ist. Das Fazit ist wichtig, und das Fazit hier ist: Je weniger User eine Instanz hat, desto individueller ist die federated timeline dieses Servers. Was Mastodon also ganz besonders ausmacht: Es gibt gar nicht eines, sondern ganz viele. Die Instanz, die ich ausprobiert habe (siehe oben) hat zum Zeitpunkt des Schreibens etwas über 7.000 von den gut 432.000 Mastodon-Usern insgesamt, wobei bereits knapp 1.300 Mastodon-Instanzen gelistet waren. Mastodon ist also eigentlich ein Forensystem. Dass deren Instanzen zu einem Fediverse verbunden sind, macht dieses aber insgesamt nicht zu einer Plattform, die mit einer zentralistischen Plattform wie Twitter überhaupt sinnvoll vergleichbar ist. Insbesondere nicht, weil man die local und federated timelines anderer Mastodon-Instanzen nicht einsehen kann, ohne auch dort ein separates Userprofil zu haben. Man kann selbst auf der eigenen Instanz nicht sehen, welche Toots die anderen User gefavt haben, denn 1. sind Favoritenlisten anders als bei Twitter privat (sie erscheinen nicht einmal im User-Profil) und 2. gibt es keinerlei Ticker-Seite, die die Aktionen (follow, fav, usw.) der befolgten User auflistet. Das Mastodon-Fediverse hat also nicht nur defacto nichts von Twitter, sondern auch absolut gar nichts von einem sozialen Netzwerk.

Allenfalls mit „Dark Twitter“ könnte man es vergleichen. Das sind die nicht-öffentlichen Neben-Accounts, die manche Leute bei Twitter haben, um über dieses Medium private Konversationen zu fahren. Sowas könnte man mit Mastodon natürlich genauso gut machen. Das Feature, dass man bei Mastodon die Privacy auf Toot- und nicht bloß auf Account-Ebene einstellen kann (wie bei Twitter), halte ich allerdings für einen Bug, jedenfalls so lange man keine Listen pflegen kann, also Rechteeinschränkungen nur auf die begrenzen kann, denen man folgt (es gibt „Public“, „Public, but do not display on the public timeline“ und „Only show to followers“). Man sieht auch hieran, dass bei Mastodon vieles nicht von den Usern und ihren Use Cases her durchdacht ist. Aber Mastodon ist eben auch kein Produkt, sondern nur ein weiteres Phänomen einer bestimmten Szene und ihrer gewachsenen Kultur. Den von @zipdrive@darksocial.party verwendeten Begriff des „Mastodorks“ finde ich hier ganz passend.

Nun denn. Das Maskottchen von Mastodon ist sinnigerweise ein ausgestorbenes Rüsseltier. Aber mir machte Mastodon zumindest wieder echt Lust auf Twitter.

Und hier nun wie versprochen zur weiteren Lektüre die 39 Links hinter diesem Text nochmal gebündelt:

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mehr als zehn!

Bei mobiFlip hieß es gestern „Wer sich in den letzten Wochen ein Fitbit Charge 2 zugelegt hat, oder den Tracker vielleicht auch zu Weihnachten geschenkt bekommt, der kann sich über ein großes Firmware-Update freuen.“. Hervorhebung durch mich. Morgen ist Heilig Abend.

Heilig Abend geht bei mir als Weihnachten durch. Daher hier und jetzt also der Hinweis an den Weihnachtsmann: Der Artikel Get 11 New Tracker Functions With This Fitbit Charge 2 Update beschreibt das Update genauer. Aber viel besser ist es, wenn man das selbst ausprobieren kann! Dazu braucht man aber so ein Teil.

Natürlich weiß ich, dass das blöder Konsum ist. Aber hallo? Es ist Weihnachten! Und guckst Du hier, lieber Weihnachtsmann: In Your wearable-tracked health data is for sale, according to a new study schrieb Mashable vor ein paar Tagen „If you sport a Fitbit or Apple Watch on the regular, you probably love the health insights you get from your wearable.“. Das klingt doch gut. Love. Health. Peace. Weihnachten.

Ok, da steht auch „there are almost no privacy safeguards in place for consumer health data, and multiple industries are ready and willing to mine the system for profit“. Aber muss man sich da nicht gerade deswegen besonders informieren? Ich meine konkret und praktisch, also durch ausprobierende Tätigkeit? Hands-on mit so einem Gerät? Man muss das doch verstehen, dieses Big Data. Also selber. Wo das Thema doch gerade so hip ist.

Und dann dieses Blog. Wie soll ich denn ohne eigene Experimente mit einem echten Gerät nächstes Jahr weiter von dem Thema berichten? Blicken wir doch mal auf das laufende Jahr 2016 zurück:

  • Mein Artikel Health vom Januar suchte noch hauptsächlich allgemein nach Wearables bzw. nach deren Nutzen und war noch nicht auf Smart-Watches fixiert.
  • Mein Artikel Smart-Koks vom September diskutierte dann Smart-Watches schon konkreter, erkannte aber auch genauso konkret, dass das in die Irre führt.

Also ist doch jetzt die Zeit gekommen, einmal ein Health-Wearable, das eben keine Smart-Watch ist, praktisch auszuprobieren, oder? Das war ein rhetorisches „oder“, lieber Weihnachtsmann.

Nehmen wir doch direkt das obige Beispielgerät, weil mobiFlip das zufällig gerade hatte. Es ist ein Armband, keine Uhr, also passt es. Ich bräuchte es in schwarz und Größe L. Das habe ich nicht verdient, weil ich nicht artig war, sagst Du? Na gut, das stimmt. Aber soo viel ist an dem Teil ja auch gar nicht dran. Es hat (laut diesem Internet, also noch ohne es selbst ausprobiert zu haben):

  • keine „Smart“-Funktionen (= keine Benachrichtigungen aus Apps o.ä.)
  • kein Touch-Display (= keine Wisch-Bedienung)
  • kein Support von Google Fit oder Apple Health (= keine Bereitstellung der gemessenen Daten)
  • kaum „Gesundheits“-Funktionen (= keine Herzfrequenzalarme o.ä.)
  • Anbindung nur weniger anderer (Handy-)Apps (nämlich nur https://www.fitbit.com/de/partnership )
  • kein eigenes App-Ökosystem
  • kein eigenes GPS (nur Nutzung des Handy-GPS über Bluetooth)
  • einfarbige niedrigauflösende LED-Anzeige, die trotzdem nicht einmal always-on ist
  • keine Wasserdichtheit (ist nur spritzwassergeschützt)
  • eine Akkulaufzeit von nur ein paar Tagen

Also kein Schnickschnack dran, sondern ein klarer Fokus: Aktivitäts-Tracking (bin ich überhaupt aktiv?), „teilweise automatische Workout-Erkennung“ (was heißt „teilweise“? — und was ist überhaupt dieses „Workout“???). Und „angeblich halbwegs brauchbarer Pulsmesser“ („halbwegs“???). Fragen, die beantwortet werden wollen, lieber Weihnachtsmann!

Im Grunde geht es also nur um Fortbildung (braucht man zum Glücklichsein) und Bewegungs-Motivation (braucht man zum Gesundsein). Und gesund und glücklich darf ich doch sein, oder? Artig wäre eh nicht erstrebenswert, lieber Weihnachtsmann. Bist Du selber bestimmt auch nicht!

Im Ernst: Bei Giga und bei Golem las ich neulich ausführliche Berichte über dieses Gerät. Was drin stand, habe ich vergessen, und ich will es auch nicht noch einmal lesen müssen. Ich möchte es einfach selber ausprobieren. Inkl. der 11 (in Worten: elf) neuen Funktionen (siehe oben). Ich finde das toll. Das sind mehr als zehn!

Du schaffst das, lieber Weihnachtsmann! Bescherung ist ja erst morgen.

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