Die nächste Landtagswahl

Die nächste Landtagswahl in Deutschland ist die Bürgerschaftswahl in Bremen am 26. Mai 2019. Da werde ich stimmberechtigt sein.

Am selben Tag wird auch die Wahl zum Europäischen Parlament und zur Stadtverordnetenversammlung Bremerhaven sowie den Bremer Beiräten stattfinden. Das sind vier ganz unterschiedliche Ebenen, aber alle werden sie wohl von der Bundespolitik beeinflusst werden.

Den Einfluss der Bundespolitik sah man auch in den Landtagswahlen, die in Bayern und Hessen jetzt gerade stattgefunden haben. Dort sind die Ergebnisse noch gar nicht bekannt, aber zumindest die vorläufigen amtlichen Endergebnisse und zu welcher Sitzverteilung diese führen würden. Schaut man sich ebendiese Sitzverteilung an, so hat sich trotz des Einflusses der Bundespolitik in den Ländern aber doch nicht viel geändert:

  • In Bayern muss die CSU (101-16 Sitze) zwar nun mit den FW (19+8 Sitze) koalieren, aber zusammen haben die mit 54,6% Sitzanteil (112/205) — statt bisher 66,7% (120/180) — immer noch die Mehrheit. Zwar nicht mehr so deutlich, aber trotzdem ändert sich im Prinzip nichts, da die FW inhaltlich kaum einen Deut anders als die CDU sind.
  • In Hessen kann die CDU (47-7 Sitze) weiter mit GRÜNE (14+15 Sitze) regieren, obwohl die Mehrheit von 55,5% Sitzanteil (61/110) auf 50,4% geschrumpft ist (69/137). Verantwortlich sind hier die GRÜNEn, die sich in Hessen in den Sitzen mehr als verdoppelt haben.
  • Auch in Bayern haben sich GRÜNE in den Sitzen mehr als verdoppelt (18+20). Dort sitzen sie allerdings weiterhin bei der SPD (42-20 Sitze) mit zusammen 29,3% Sitzanteil — statt bisher 33,3% — in der Opposition. DIE LINKE ist weiterhin draußen, so dass für grün-rot-rot in Bayern 43 Sitze fehlen würden.
  • In Hessen kommt grün-rot-rot dank DIE LINKE (6+3 Sitze) immerhin auf einen Sitzanteil von 48,9%, d.h. dort fehlen nur 2 Sitze zu einer Mehrheit jenseits von CDU und FDP (6+5 Sitze).
  • Ansonsten sind in Bayern noch FDP (0+11 Sitze) und AfD (0+22) zur Opposition hinzugekommen mit zusammen 16,1% Sitzanteil. Inhaltlich sind die beide auf jeweils ihre Art das Gegenteil von grün-rot-rot und verstärken eher das Problem CSU.
  • Wie in Bayern liegt auch in Hessen GRÜNE vor der SPD (37-8 Sitze). Die SPD ist in Hessen drittstärkste und in Bayern fünftstärkste Kraft geworden. Selbst die AfD hat in Bayern mehr Stimmen als die SPD geholt. In Hessen hat die SPD immerhin noch 10 Sitze mehr geholt als die AfD (0+19). Die SPD ist aber in Hessen traditionell stark.

Ich spreche hier wiederholt von „grün-rot-rot“, weil das eben den Einfluss der Bundespolitik ausdrückt: Die Grünen haben die SPD als stärkste Kraft nach der Union verdrängt. Aber einen Gegenpol zur Union gibt es nun gar nicht mehr. Und dass dieser Gegenpol fehlt, hat Effekte:

  • Die Unionsparteien werden (von der AfD getrieben) rechter, und GRÜNE werden (von der FDP und den Unionsparteien getrieben) neoliberaler und konservativer.
  • Die Parlamente werden damit insgesamt rechter, neoliberaler, konservativer und grüner. Außerdem werden sie teurer. In Bayern gibt es jetzt z.B. nun 14% mehr Abgeordnete und in Hessen sogar 25% mehr. Und einige davon sind Reaktionäre.
  • Ein Regieren gegen die Unionsparteien wird zunehmend unmöglich, d.h. auch die Regierungen werden rechter, neoliberaler, konservativer und grüner. Und so lange sich DIE LINKE mit Wagenknecht bei den AfD-Wählern anbiedert und die SPD mit Nahles (und einigen anderen) selber hinrichtet, wird sich dieser Trend auch weiter verschärfen.

Es ist wohl kein Geheimnis, dass ich persönlich einen links-grün-progressiven Trend wünschenswert und einen rechts-neoliberal-reaktionären Trend bekämpfenswert fände bzw. finde. Insofern freue ich mich, dass zumindest die Reaktionären und Neufaschisten in den Parlamenten immer noch isoliert sind. Aber Konsequenzen hat ihr Einzug natürlich dennoch, denn grün-rot-rot wird immer nicht nur mit dem desolaten Zustand von rot und rot zu kämpfen haben, sondern auch mit der Erfordernis, Mehrheiten nun nicht nur gegen CDU, CSU und FDP organisieren zu müssen, sondern immer auch mit gegen die AfD. Und das könnte durchaus nie wieder gelingen. Mit der Hoffnung auf eine irgendwann kommende links-grün-progressivere Zeit steht es gerade nicht zum Besten.

Die nächste Landtagswahl ist wie gesagt in Bremen. Dort zumindest könnte es klappen. Bis zum 26. Mai wird noch viel Bundespolitik durch die Medien rauschen, aber in Bremen wird vielleicht weiterhin gegen CDU, FDP und AfD regiert werden können. Wir werden sehen, was kommt. Meine Stimme werde ich abgeben. Nur eines ist mir völlig klar: Bremen ist nicht Deutschland. Und mit dem Abgang von Merkel wird Deutschland deutlich schwärzer.

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Über das Display des iPhone X🅁

Das Display des iPhone X🅁 sei ja soo schlecht!

Diese Aussage liest man derzeit hier und da im Netz, obwohl das iPhone X🅁 erst heute in drei Tagen (am 26.10.2018) erstmals erhältlich sein soll, d.h. niemand von den Display-Kritikern kann jemals auf das Display des Gerätes geschaut haben.

Festgemacht wird diese Kritik an der LCD-Technik und an der Auflösung von „nur“ 828 x 1792 Pixeln, also allein von der Theorie her. Und — wie ich glaube — von einer missverstandenen Theorie her.

Denn ich glaube — ebenfalls von der Theorie her — dass das ein ziemlich gutes Display sein könnte. Auch und gerade im Vergleich zum Full-HD-Display des iPhone 8 Plus und zum OLED-Display des iPhone X🅂 Max.

Um das zu begründen, hier zunächst die kleinstmögliche Menge von „Theorie“ über ein Smartphone-Display aus Sicht des Anwenders.

Vorab aber: Warum ist das überhaupt relevant? Nun, ich habe noch nie im Leben ein iPhone besessen, und das ist ebenfalls nicht relevant. Diese Frage ist einfach blöd und will ignoriert werden. Ich komme damit jetzt direkt zur kleinstmöglichen Menge von „Theorie“.

Als Anwender eines Smartphones kann man drei Dinge direkt sehen:

  • den Platz für Apps: Wieviel Platz haben die Apps um sich auf dem Bildschirm auszubreiten?
  • die Größe der Darstellung: Wie groß werden die dargestellten Objekte der Apps dem Anwender angezeigt?
  • die Schärfe der Darstellung: Wie brilliant werden die Objekte dem Betrachter präsentiert?

Für speziell iPhones möchte ich diese drei Dinge im Folgenden kurz aufschlüsseln. Weil ich es kann.

Platz für Apps

Der Platz für Apps wird in Points gemessen. Bei iOS 12 gibt es drei Platzbreiten:

  • 320 points (iPhone SE)
  • 375 points (iPhone 8, iPhone X🅂)
  • 414 points (iPhone 8 Plus, iPhone X🅁, iPhone X🅂 Max)

Und es gibt fünf Platzhöhen:

  • 568 points (iPhone SE)
  • 667 points (iPhone 8)
  • 736 points (iPhone 8 Plus)
  • 812 points (iPhone X🅂)
  • 896 points (iPhone X🅁, iPhone X🅂 Max)

Es gibt deshalb mehr Höhen als Breiten, weil es zwei unterschiedliche Display-Formate gibt:

  • die klassischen 16:9-Displays (iPhone SE, iPhone 8, iPhone 8 Plus)
  • die schmaleren Displays mit knapp 19,5:9 (iPhone X🅂, iPhone X🅁, iPhone X🅂 Max)

Größe der Darstellung

Die Größe der Darstellung wird in Points-per-inch gemessen. Es gibt bei iPhones zwei Darstellungsgrößen:

  • 163 points-per-inch (iPhone SE, iPhone 8, iPhone X🅁)
  • 153 points-per-inch (iPhone X🅂, iPhone 8 Plus, iPhone X🅂 Max)

Bei den Letzteren werden die dargestellten Objekte der Apps dem Anwender also etwas größer angezeigt.

Schärfe der Darstellung

Die Schärfe der Darstellung wird in Pixel-per-inch (ppi) gemessen. Und nun muss ich kurz überlegen, wie ich das so erkläre, dass es möglichst kompakt und trotzdem klar ist.

Bei den normalen iPhones, also denen mit 163 points-per-inch Darstellungsgröße, finden wir ein sog. „2x scaling“ auf 326 ppi. Je nach Displaygröße führt das dann zu den folgenden Auflösungen:

  • 640 x 1136 pixels (iPhone SE)
  • 750 x 1334 pixels (iPhone 8)
  • 828 x 1792 pixels (iPhone X🅁)

Bei den „unnormalen“ iPhones, also bei denen, die alles etwas größer darstellen, finden wir ein sog. „3x scaling“ auf 458 ppi. Je nach Displaygröße führt das dann wiederum zu den folgenden Auflösungen:

  • 1125 x 2436 pixels (iPhone X🅂)
  • 1242 x 2208 pixels (iPhone 8 Plus)
  • 1242 x 2688 pixels (iPhone X🅂 Max)

Das alles ist nun bei weitem aber nicht die ganze Wahrheit, denn — Achtung jetzt kommt es! –:

  • Das „iPhone 8 Plus“ macht danach noch ein „20:23 down sampling“ auf 1080 x 1920 pixels (401 ppi)
  • und die iPhones mit OLED-Display (iPhone X🅂, iPhone X🅂 Max) haben für die Farben rot und blau nur die halbierte Auflösung von 621×1344 subpixels (229 ppi).

Fazit

Das Full-HD-Display des iPhone 8 Plus ist also in Sachen Darstellungsschärfe ein Totalversagen, da die eigentlichen Pixel unscharf skaliert werden müssen, weil die Display-Auflösung nicht reicht.

Und das OLED-Display des iPhone X🅂 Max (und des iPhone X🅂) ist auch nicht der Weisheit letzter Schluss, denn es zeigt nur den Grünanteil des Bildes in einer Auflösung von mehr als 300 ppi. Das Auge sieht den Grünanteil zwar als 59% der Helligkeit, aber rot und blau zusammen auch immerhin zu 41%.

Das iPhone X🅁 hingegen

  • hat die gleiche Platzbreite wie das iPhone 8 Plus und das iPhone X🅂 Max
  • hat die gleiche Platzhöhe (und das gleiche Display-Format) wie das iPhone X🅂 Max
  • hat die gleiche Darstellungsgröße wie das iPhone SE und das iPhone 8
  • macht weder irgendein „down sampling“ (wie das iPhone 8 Plus) noch hat es eine reduzierte Auflösung bei irgendwelchen Farbanteilen (wie das iPhone X🅂 und das iPhone X🅂 Max)

Ich kann also nicht erkennen, warum das Display des iPhone X🅁 nicht das beste Display aller iPhones überhaupt werden könnte. Heute in drei Tagen wird man es sich wie gesagt im Laden anschauen können.

Beim Ausprobieren in Läden nahm ich bisher übrigens bei den LCD-Displays von Apple eine leichte Blickwinkelabhängigkeit in der Helligkeit wahr, aber keine in den Farben. Bei den OLED-Displays von Apple hingegen nahm ich eine starke Blickwinkelabhängigkeit in den Farben wahr. Und während mir Ersteres sogar gefällt (Nachbar*in kann nicht so gut mitlesen, weil Anzeige dunkler), empfand ich Letzteres stets als extrem störend (ein ständig schwankender Rosa- oder Blaustich). Ein iPhone mit OLED-Display würde ich mir deshalb derzeit nicht kaufen.

Sollte ich überhaupt irgendwann jemals ein iPhone bekommen, spräche aber zumindest das Display nicht gegen das iPhone X🅁.

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Erinnerungen an Groningen

Als ich das letzte Mal in Holland war. So beginnt dieser Blogeintrag.

Als ich das letzte Mal in Holland war, hatte ich in einem Käsefachgeschäft etwas gekauft. Das war allerdings Käse.

Den Käse hatte ich bar bezahlt. Oder gar nicht. Das weiß ich nicht mehr. (Wir waren zu viert da. Irgendwer hat bezahlt.) Der Käse war lecker. (Google Search sagt mir, das könnte der Kaashandel van der Leij in der Oosterstraat gewesen sein. Also der Laden. Nicht der Käse.)

In zwei größeren Supermärkten waren wir an dem Tag auch noch, daran kann ich mich erinnern. Wie die hießen und wo die waren, habe ich vergessen. Einer war irgendwo in Groningen, und der andere war ein ALDI irgendwo auf der Rückfahrt nach Bremen.

In den Supermärkten wollte ich nicht bar bezahlen, sondern wie sonst auch in Supermärkten mit Karte. Und zwar kontaktlos, wie ebenfalls sonst auch. Aber: Das ging nicht. Und das war auch Käse.

Warum das nicht ging, ist jetzt gerade nicht wichtig. In meinem letzten Blogeintrag Kontaktlos bezahlen II hatte ich das außerdem bereits gründlich erklärt, warum das nicht ging.

Dort hatte ich aber auch geschrieben, dass ich bei meinem nächsten Holland-Besuch dann nicht nur kontaktlos mit Karte, sondern sogar kontaktlos mit dem Handy an einer Supermarktkasse bezahlen möchte. Und es wäre doch toll, wenn ich das bei den selben Supermärkten probieren würde, bei denen ich das letzte Mal schon mit Karte gescheitert war.

Aber welche waren das? Ich kann mich ja nur an den Käse erinnern (und auch nur dank Google Search). Zum Glück weiß mein iPad da mehr. Es war zwar gar nicht mit in Holland, aber es kann Google Fit anzeigen (das auf meinem Handy wegen Android drauf ist), und das wiederum weiß, dass der Supermarkt in Groningen „Albert Heijn“ hieß (links im Bild), und der ALDI in „Zuidbroek“ war (rechts im Bild).

groningen-1

Auch Google Maps (ebenfalls auf dem Android-Handy drauf) weiß Dinge. Es weiß z.B., dass wir auf der Hinfahrt von Süden her nach Groningen reingefahren waren, und es hat auch den ALDI oben in der Mitte der Schlaufe eingezeichnet (beides links im Bild). Und rechts im Bild sieht man grob die in Groningen gelaufene Tour: Vom Parkhaus „Q-Park Rademarkt“ zu Hema, dann zum Wochenmarkt und schließlich oben zum Restaurant über dem leerstehenden Kaufhaus. Dann rechts wieder runter zum Rademarkt und unten lang links wieder zum Wochenmarkt hoch. Die kleine Straße links hatte die interessantesten kleinen Läden, die allerdings am Samstag nachmitttag früh geschlossen hatten.

groningen-2

Auch auf anderen Seiten im Internet findet das iPad Infos zu der Tour. Links im folgenden Bild (mit Daten aus der Fitbit-App auf dem Handy) sieht man, dass wir einen kurzen Abstecher zum Hafen gemacht hatten, und man kann an den Gnubbeln auch gut erkennen, wo wir überall in Läden drin waren. Rechts im Bild (nochmal Google Fit) sieht man, dass wir auf dem Wochenmarkt hauptsächlich in einem Laden waren — bzw. ich davor rumgelaufen war, bis die anderen drei wieder aus dem Laden rauskamen — und dass sonst nicht viel Wochenmarkt für uns war.

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Mit all diesen Informationen kommen nun doch einige eigene Erinnerungen und Gedanken wieder hoch. U.a. z.B. was ich mir damals für den nächsten Groningen-Besuch vorgenommen hatte: Mehr Wochenmarkt (dafür alleine lohnt es sich, nach Groningen zu fahren!), mehr Hafen (es ist Holland!) und mehr die kleinen Läden in der Straße links (also eher zuhause los, weil die so früh zumachen).

Damit ist also alles geklärt für die nächste Holland-Tour. Danke Internet, dass Du das alles noch wusstest! Und wenn das mit dem digitalen Bezahlen dann das nächste Mal auch klappt, dann weißt Du, liebes Internet, dann sogar auch, wieviel ich wann und wo ausgegeben habe! Und das ist gut.

Denn wofür macht man das sonst alles, wenn nicht für Dich!

(Ich schenke Dir mein Herz! Siehe im letzten Bild links unten.)

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Kontaktlos bezahlen II

Vor ca. zwei Jahren bloggte ich hier zum Thema Kontaktlos bezahlen. Jener Artikel

  • ist inzwischen in einem Punkt nicht mehr aktuell (meine girocard kann mittlerweile kontaktlos)
  • war damals schon in einem Punkt falsch (meine Kreditkarte war und ist keine Debit-Karte)
  • war zwar gründlich recherchiert, aber schlecht strukturiert

Heute schreibe ich daher einen schlechter (= gar nicht) recherchierten, aber dafür besser strukturierten Nachtrag. Feedback ist entsprechend gerne gesehen, falls irgendwas nicht stimmt.

Schreibanlass vor zwei Jahren war mein Wechsel auf die Kreditkarte (ich nenne sie hier mal „Karte 2“), um im Supermarkt und an Tankstellen zu bezahlen. Mit meiner „Karte 1“ (einer girocard) gingen an Tankstellen damals nämlich plötzlich keine EMV-Zahlungen mehr, und ELV-Zahlungen wollte ich definitiv nicht. Zugleich wurden dort NFC-Zahlungen mit meiner Karte 2 möglich. Also wechselte ich für Tankstellen auf Karte 2 und nahm sie seitdem aus Bequemlichkeit auch in Supermärkten.

Einschub (weil ich diesmal ja „stukturierter“ schreiben will):

  • Es gibt die Zahlungsarten „NFC“ (kontaktlos), „EMV“ (sofortige Transaktion mit PIN über den Chip) und „ELV“ (Lastschrift mit Unterschrift zur späteren Abbuchung).
  • Bei Kreditkarten, die keine „Prepaid-Kreditkarten“ sind, geht ELV oft auch ohne Unterschrift. (Bei Prepaid-Kreditkarten geht ELV wahrscheinlich oftmals gar nicht.)
  • Bei NFC braucht man bei Beträgen ab 25 Euro offiziell auch die PIN (die gleiche wie bei EMV). In Supermärkten passiert es mir aber regelmäßig, dass auch Beträge weit über 25 Euro abgebucht wurden, ohne dass ich nach einer PIN gefragt wurde. Auch von anderen habe ich das wiederholt gehört, d.h. ich bin da weder wahrnehmungsgestört noch ein Einzelfall.

Nun zum Schreibanlass diesmal: NFC mit girocard (meiner Karte 1) konnten damals weder die Karte noch die Terminals, was mittlerweile anders ist. Ca. 70% der NFC-Terminals im deutschen Einzelhandel können inzwischen auch „girocard kontaktlos“. Zum Vergleich: 100% können „VISA payWave“. Das ist das, was meine Karte 2 nutzt. Meine Karte 1 habe ich in den letzten Tagen im Supermarkt ein paarmal erfolgreich kontaktlos ausprobiert, aber generell setzen würde ich darauf noch nicht. Allerdings ist ihr Potential in Deutschland mittelfristig höher als bei Karte 2, denn einige Händler akzeptieren generell keine Kreditkarten (z.B. Penny außerhalb von Berlin).

Zweiter Einschub (wieder im Klugscheißermodus, um davon abzulenken, dass ich eigentlich keine Ahnung habe):

  • Es gibt Akzeptanz-Systeme wie „Mastercard Maestro“, „VISA V-Pay“, „girocard“, „Mastercard Credit“, „VISA Credit“, usw.
  • Und es gibt Kontaktlos-Systeme wie „Mastercard PayPass“, „VISA payWave“, „girocard kontaktlos“, usw.
  • Will man per NFC bezahlen, müssen ein Akzeptanz-System und ein Kontaktlos-System beide von jeweils Karte und Terminal(-Software) unterstützt werden und miteinander zusammenspielen.

Immer noch Einschub: Was allgemein akzeptiert wird, ist in der EU von Land zu Land unterschiedlich. In Deutschland funktionieren meine Karten z.B. beide kontaktlos:

  • Karte 1 hat Akzeptanz „girocard“ und Kontaktsystem „girocard kontaktlos“ (also gehen 70% der NFC-Terminals).
  • Karte 2 hat Akzeptanz „VISA Credit“ und Kontaktsystem „VISA payWave“ (fast alle Händler nehmen Kreditkarten).

In z.B. Holland funktionieren dieselben zwei Karten aber entweder gar nicht oder nicht kontaktlos:

  • Karte 1 hat „VISA V-Pay“, aber kein „VISA payWave“ (also gehen mit der Karte nur EMV-Zahlungen).
  • Karte 2 hat genau umgekehrt „VISA payWave“, aber kein „VISA V-Pay“ (Holland akzeptiert gar keine Kreditkarten).

In Holland funktioniert es z.B. dann kontaktlos,

  • wenn die Karte sowohl „VISA V-Pay“ als auch „VISA payWave“ hat
  • oder wenn sie sowohl „Mastercard Maestro“ als auch „Mastercard PayPass“ hat

Einschub im Einschub: Zur allgemeinen Verwirrung hat Mastercard die Namensrechte für den Begriff „EC-Karte“ und setzt diese für ihre „Debit Mastercard“ ein. Die hat aber das Akzeptanz-System „Mastercard Credit“ (funktioniert also überall da nicht, wo Kreditkarten nicht genommen werden) und ist oft dazu auch noch Prepaid (erlaubt also keine ELV-Zahlungen). Damit ist die heutige „EC-Karte“ meistens so ziemlich das genaue Gegenteil von dem, was der Deutsche immer noch unter „EC-Karte“ versteht (und glaubt, dass er verwendet, wenn er ELV-Zahlungen mit der girocard macht).

Der Deutsche glaubt aber auch, dass „Kreditkarte“ synonym zu „Charge-Karte“ ist, also einen Kredit mit monatlichem Zahlungsausgleich über ein Verrechnungskonto bedeutet. Dabei meint „Kreditkarte“ heute nur das Akzeptanz-System (z.B. „VISA Credit“ oder „Mastercard Credit“), und Kreditkarten als Debit-Karten sind völlig normal. Jedenfalls in Frankreich oder bei von Fintech-Unternehmen herausgegebenen Karten. Also eben doch nicht normal für Deutsche. Seufz.

Aber genug des Einschubs und zurück zum Schreibanlass diesmal (für diesen zweiten Text zum Thema „Kontaktlos bezahlen“): Was seit damals (vor knapp zwei Jahren) hinzugekommen ist, ist eine weitere Art der Kontaktlos-Zahlung, denn neben der Zahlung mit einer physischen Karte kann man heute auch mit dem Smartphone bezahlen. Es braucht dafür nur eine NFC-Funktion in der Hardware, sowie eine App, die diese ansteuern kann und bei der sich die Karte (virtuell) hinterlegen lässt. Denn die App vermittelt dann über die NFC-Hardware des Smartphones einfach nur die Zahlung mittels dieser hinterlegten Karte. Die Zahlung mit dem Smartphone funktioniert dann genau dann, wenn sie auch mit der physischen Karte als NFC-Zahlung funktionieren würde. So stelle ich mir das jedenfalls vor. Und Phantasie ist ja grundsätzlich positiv konnotiert.

Man braucht (so das denn stimmt) also eine Zahlungs-App (da bieten sich die Standards der Betriebssystemhersteller an) und eine Karte mit den folgenden Anforderungen:

  1. unterstützt NFC-Zahlungen (auch in Holland)
  2. lässt sich bei Android (Google Pay) und iPhone (Apple Pay) hinterlegen

Wegen 1. fallen girocard und alle Kreditkarten weg. Und wegen 2. fallen nahezu alle Banken weg. Damit muss es zum jetzigen Zeitpunkt wohl eine Maestro-Karte von einem Fintech-Unternehmen sein. Und tatsächlich — wer hätte das gedacht — gibt es sowas sogar kostenlos. Ich kenne mindestens eine App, die solche Karten virtuell generieren kann. Und zum (virtuellen) Hinterlegen müsste eine virtuelle Karte doch eigentlich reichen. Denke ich mir so.

Dritter Einschub: Ich würde ja meine Banken bevorzugen, um an eine Smartphone-Zahlungsfunktion zu kommen, anstatt eine „Karte 3“ anschaffen zu müssen. Denn an sich mag ich meine Banken ja. Aber meine Banken bieten Zahlungen mit dem Smartphone nicht einmal gegen Geldeinwurf an. Man könnte sagen: Banken halt. Die bauen schicke Häuser und nennen sie Filialen. Da kann man dann zu sog. Öffnungszeiten (!) hingehen (!) und sich von hyperschick gekleidetem Personal herabwürdigen lassen, weil man es gewagt hat, irgendein Anliegen zu haben. Auf ihre Kunden herabsehen können die nämlich gut. Nur Finanzdienstleisungen können sie nicht. Oder wollen nicht.

Aber das so pauschal zu sagen wäre dann doch unfair gegenüber dem Filialbankwesen, denn die Fintech-Unternehmen sind auch nicht besser: Als ich kürzlich ein N26-Konto eröffnen wollte, musste ich in der App einen Videochat starten. Die Dame gegenüber fragte, ob sie das Gespräch aufzeichnen dürfe. Ich bejahte das, woraufhin sie wörtlich sagte „Mir ist das egal.“. Ich wiederholte also, dass sie das dürfe, und daraufhin legte sie ohne ein weiteres Wort auf. Ich weiß natürlich, dass das keine N26-Mitarbeiterin war, sondern eine frustrierte bevormundete ausgebeutete dauerüberwachte unterbezahlte vollgestresste performancevermessene Callcenter-Zeitarbeiterin, aber für mich als Kunde war sie das Begrüßungspersonal einer Bank! Und eine zweite Chance für einen ersten Eindruck gibt es bekanntlich nicht. Ich habe den Videochat nicht neu gestartet, sondern die App gelöscht. Wenn das das Konzept von N26 ist, dann bin ich dort kein Kunde.

Ok, das war jetzt der überflüssigste Einschub bisher — in diesem diesmal wahnsinnig gut strukturierten Blogeintrag mit unerschütterlich präzisem Fokus auf dem Thema „Kontaktlos bezahlen“. Wer bis hierher durchgehalten hat, erfährt nun, wie ich mir eine virtuelle Maestro-Karte mit der Revolut-App generiert und damit die kontaktlose Zahlung per Google-Pay-App auf meinem 4 Jahre alten Android-Smartphone(-Schrott) erfolgreich in Holland ausprobiert habe.

Also nächstes Mal dann. Noch habe ich beide Apps ja gar nicht heruntergeladen. Und dann muss ich ja auch erstmal noch nach Holland hin. Und am besten auch nach Dänemark, weil Zahlungen ohne Fremdwährungsaufschlag dann angeblich dort auch gehen sollen, was ja ebenfalls ausprobiert werden will. „In Polen werden gar 80 Prozent der Einkäufe kontaktlos bezahlt.“ habe ich gestern gelesen (Printausgabe der FAZ Woche 40/2018, S.49). Dann will ich also auch nach Polen. Ist ja auch Nachbar wie Holland und Dänemark. Und alles EU. Für Deutschland steht an selber Stelle in dem Magazin: „Allein zwischen Juni und September soll die Zahl kontaktloser Transaktionen um 25% gestiegen sein“. Na dann.

Mich bestätigt das darin, das kontaktlose Zahlen jetzt eine Stufe weiter drehen zu wollen, also die Einsatzmöglichkeit im Ausland und/oder über ein Smartphone hinzuzunehmen. Das Zahlen mit meiner „Karte 2“ (die das seit nun mehr als 5 Jahren kontaktlos kann) war ja eh nur eine Übergangslösung. Der Markt der Systeme ist in Deutschand ja noch am Entstehen. Angeblich soll es z.B. noch in diesem Jahr oder wenig später dann möglich werden, auch manche girocards bei Apple Pay zu hinterlegen. Das ist zwar so gar überhaupt nichts, auf das ich persönlich nun irgendwie warte, aber falls das tatsächlich kommt, wäre es zumindest ein Signal, dass Deutschland vielleicht doch irgendwann mit dem Beginnen des Nachzügelns so langsam anzieht.

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Wenn ich bei Rot über die Ampel gehe

Ein Freund machte mich gestern durch eine Verlinkung bei Facebook auf den t3n-Artikel Alipay expandiert: Wieso wir das nicht zulassen dürfen aufmerksam. Sein Kommentar „Überwachung des Alltags für bequemes Shoppen – nein Danke!“ brachte mich dazu, diesen Artikel zu lesen, in dem es um ein chinesisches Social-Credit-System geht. Der Text liest sich allerdings, als ob er Angst- ja geradezu Panik-getrieben verfasst wurde. Ich möchte deshalb hier kurz darauf eingehen.

Mit dem Fazit angefangen: Ich halte diese Angst für berechtigt. Die BATX-Unternehmen (Baidu, Alibaba, Tencent, Xiaomi) sind so erfolgreich, weil sie sich erstmal auf China konzentriert haben, während die GAFA-Firmen (Google, Amazon, Facebook, Apple) von Anfang an weltweit operierten. Aber dass BATX irgendwann nach Europa greifen wird, ist klar. Trump und der Brexit und die nationalfaschistischen Tendenzen in Europa lösen den Westen ja gerade auf, so dass Europa in Kürze nicht mehr einem der beiden vergangenen Blöcke (Westen und Sowjetunion) zugehörig sein wird, sondern keinem der beiden zukünftigen Welten (USA und China). Die Auswirkung wird sein, dass Chinas Wertesystem in Europa eindringen wird. Und in diesem werden Dinge wie eine freiheitliche Grundordnung, eine Rechtsstaatlichkeit und Bürgerrechte (als Abwehrrechte gegen den Staat) eben überhaupt gar nicht als erstrebenswert angesehen. Und wenn man sich anschaut, wie wir diese Dinge schon jetzt aus unserer heutigen Kultur heraus massiv abbauen, wird es China in Europa über den globalen Kapitalismus dann sehr leicht haben. Wir werden das dann auch gar nicht als Bedrohung sehen, sondern uns darum reißen! Und sehr bald dann werden auch wir ein staatliches Social-Credit-System plötzlich für eine gute Idee halten, zumal wir an immer mehr Scoring-Systeme längst gewöhnt sein werden.

In dem genannten Artikel geht es zwar es erstmal nur darum, ob Chinesen, die mit Alipay bezahlen wollen, das auch bei uns tun dürfen (und es ist erstmal schwer vermittelbar, warum sie das nicht dürfen sollen, wenn sie das denn machen wollen), aber dass sie das ab 2020 dann nicht nur dürfen, sondern auch müssen (weil sie sich nach heutigem Planungsstand dann strafbar machen werden, wenn sie irgendwo auf der Welt noch irgendwas an den Datenmesspunkten ihres Social-Credit-Systems vorbei machen), macht es tatsächlich schon fragwürdig, in welcher Weise wir uns beim Aufbau dieser Unterdrückungsstruktur beteiligen wollen. Meine Arbeitshypothese dazu ist aber, dass man mit den Ansätzen Datensparsamkeit (weniger erheben) und Datenschutz (Verbreitung kontrollieren) langfristig keinen Erfolg haben kann und dass man sich somit auch eben nicht „mitschuldig“ macht, wenn man sich diesen aussichtslosen Ansätzen zur Bekämpfung des eigentlichen Problems verweigert. Ich stimme der Aussage des Artikels also nicht zu, sondern postuliere das Gegenteil: Informationelle Selbstbestimmung ist nicht, wenn keiner sieht, wie ich bei Rot über die Ampel gehe, sondern wenn ich das sichtbar machen kann, ohne dass es Folgen hat. Und nur das ist das Dystopische an dem Social-Credit-System. Die Folgen, die es hat. Nicht dass es Daten auswertet.

Mir scheint, für die Autor*innen des o.g. Artikels ist Alipay eine Projektionsfläche für allerlei berechtigte Kritik an der Entwicklung der Welt. Und wahrscheinlich ist auch ein bisschen tiefdeutsche Bargeld-Abschaffungs-Phobie dabei. (Systeme wie Dänemarks MobilePay oder Norwegens Vipps, mit denen Geldaustausch so einfach ist wie das Verschicken einer SMS, und die im Privatbereich dort Bargeld bereits komplett ersetzt haben, wären hier deshalb undenkbar.) Aber einen belanglosen Stellvertreter des BATX-Raumes wie Alipay in dieser Weise anzugehen („Wer Terminals dazu in seinem Laden stehen hat, sollte sie zum Fenster rauswerfen. Apps deinstallieren, die Aufkleber restlos von den Fenstern kratzen – und chinesische Kunden auffordern, mit einer anderen Zahlungsmethode zu bezahlen.“), erinnert mich persönlich an Dinge, mit denen ich hier lieber keinen Vergleich ziehen möchte. Stichwort „Deutsche, kauft nicht bei…“.

Wie gesagt: Der Kritik an dem chinesischen Social-Credit-System schließe ich mich an. Die Verteufelung der BATX-Unternehmen, die sich von den GAFA-Firmen nur dadurch unterscheiden, dass sie auf schon viel weiterentwickelten Märkten unterwegs sind, verkennt aber die Realität der Entwicklung dieser Welt. Diese Entwicklung kann Europa nur mitgestalten, wenn es nicht hoffnungslos in die Finsternis vergangener Zeiten zurückfällt. Wer glaubt, man könne Europa retten, indem man Chinesen zwingt, bei Rossmann bald wieder mit Bargeld zu bezahlen, der hat sie nicht mehr alle.

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Mobiles Internet in Deutschland

Eigentlich ergibt der Begriff „Mobiles Internet“ keinen Sinn, so wie auch WLANs als solche keinen Sinn ergeben, denn das Internet sollte eigentlich immer und überall ausreichend vorhanden, ausreichend schnell und mit ausreichend Datenvolumen bestückt sein, so dass man keine WLANs benötigt und auch keinen Begriff „Mobiles Internet“. Sowas gehört einfach zur Infrastruktur, die man erwarten kann — wie Luft zum Atmen und sauberes Wasser. Also noch mehr als Kanalisation oder Straßen.

Aber schon das Thema „Internet in Deutschland“ an sich (also auch ohne „mobil“) ist leider eine Dauertragödie. Schon die Infrastruktur, um sich ein brauchbares WLAN zu bauen — wie gesagt: schlimm genug, dass man das überhaupt tun muss — ist nur hier und da mal vorhanden. Und dort, wo es sie gibt — also wo die Zulieferung und der Abtransport der Daten angemessen möglich ist — gibt es inzwischen andere Probleme: Die Funktechnologie der WLANs ist dermaßen am Ende, dass man das Reichweitenproblem inzwischen auch mit Repeatern kaum noch bewältigt kriegt.

Was an all dem besonders nervig ist, das ist die Perspektive: Denn es soll in Deutschland im Vergleich alles noch schlechter werden. So schrieb Heise vorgestern „Deutschland droht nach Ansicht der EU-Rechnungsprüfer beim Internet-Ausbau in den kommenden Jahren den Anschluss zu verlieren. Das ergab ein Bericht des Europäischen Rechnungshofs, der am Dienstag in Brüssel vorgestellt wurde. Das EU-weite Ziel, bis 2025 flächendeckend Geschwindigkeiten von bis zu einem Gigabit/s zu ermöglichen, sei in Deutschland mit der aktuell genutzten Technik ‚wahrscheinlich nicht zu verwirklichen‘, hieß es.“.

Man selber merkt das Drama gar nicht unbedingt, weil man es ja nicht anders kennt. Man riecht es nur, wenn man in den Raum reingeht, in dem es stinkt, nicht wenn man darin lebt. Schlimm wird es aber, wenn man mal draußen war. Und genau das war der Anlass für meinen Tweet „Kaum bin ich wieder in Deutschland ist das mobile Internet weg, und ich werde per Brief gefragt, ob ich weiterhin E-Mails empfangen mag.“. Diese thematische Vermengung von der deutschen Internet-Ausbau-Katastrophe und dem deutschen Umgang mit europäischen Verordnungs-Katastrophen (hier der DSGVO) in nur einem Tweet versuchte auch, das für die meisten Dinge zugrundeliegende Problem zu erklären: Deutschland.

Ich weiß nicht, welcher Schock beim Wiedereintritt in den deutschen Luftraum größer für mich war: Die unerträglichen deutschen Autobahnen mit ihrer Übervollheit und den rasenden Affen am Steuer oder der zwangsweise Rauswurf aus dem Internet und der Rückfall in die Steinzeit des Offline-Lebens wie man es nur noch in Deutschland kennt und sofort vergisst, wenn man draußen sein durfte. Ich habe beide Probleme nach jeder Rückkehr aus Dänemark und nach jeder Rückkehr aus Frankreich, aber was speziell das Internet-Problem angeht, habe ich auch ein bisschen Mitschuld: Mein Handy-Tarif (und über Handy-Tethering läuft auch die iPad-Versorgung) hat nämlich kein LTE.

Also an die eigene Nase gefasst: Keine LTE-Netze (4G) im Tarif bedeutet, dass das Handy auf ein UMTS/HSPDA-Netz (3G) angewiesen ist. Diese Netze aber wurden in Deutschland im vergangenen Jahr zu großen Teilen abgebaut, d.h. in immer mehr Gegenden fiel die verfügbare Netzanbindung auf GSM/EDGE (2G) zurück, was der Geschwindigkeit wegen mit „kein Internet“ gleichzusetzen ist. Wer auf LTE verzichtet, hat sich also entschieden, weitestgehend auf mobiles Internet zu verzichten. Dann darf man aber auch nicht meckern, dass man keines hat.

René Hesse z.B. meckert nicht, sondern schrieb gestern bei mobiflip „Ich persönlich kann für kleines Geld zwar noch ohne Zugang zum LTE-Netz leben, aber es wird endlich Zeit für ein Ende der Tarife ohne Zugang zum LTE-Netz, egal bei welchem Provider oder Wiederverkäufer.“. Seine Begründung: „wofür das LTE-Netz eigentlich gut ist: Bessere Abdeckung, mehr Puffer bei vielen Nutzern und niedrigere Reaktionszeiten“ und dass „lange etwas unter den Teppich gekehrt wurde: Kunden ohne LTE-Zugang bzw. LTE-Option sind Kunden zweiter Klasse“. Recht hat er. Aber LTE hat er nicht.

Nun denn, seit der letzten Rückkehr aus Frankreich, wo ich mich auch wieder daran gewöhnt hatte, immer und überall schnelles Internet zu haben, kann nun „ich persönlich“ in Deutschland nicht mehr „ohne Zugang zum LTE-Netz leben“, und ich kann auch nicht mehr auf „ein Ende der Tarife ohne Zugang zum LTE-Netz“ warten, sondern muss mich halt vom „für kleines Geld“ verabschieden. Bei meinem bisherigen Anbieter (Telekom-Netz, monatlich kündbar, EU-Roaming) zahle ich jetzt erstmal mehr als das Doppelte, nur um auch LTE zu haben, und es wird sich zeigen, ob ich den Anbieter für mehr Datenvolumen noch wechseln muss. Aber ein erster Blick hat mir bereits gezeigt: In Deutschland sieht es mit den angebotenen Mobil-Tarifen sehr sehr düster aus. Angemessene Datenvolumen bei brauchbarer Netzabdeckung sind einfach unbezahlbar. Das hiesige Angebot ist im europäischen Vergleich extrem armselig.

Sascha Lobo schrieb gestern in seiner SPON-Kolumne „Die deutsche Breitband-Infrastruktur ist der Berliner Flughafen des Internets.“. Wo wird Deutschland erst stehen, wenn im Rest von Europa auch das Mobile Internet breitbandig wird?

 

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Alternde Notebooks

Irgendwie sind meine Notebooks alt geworden. Mein „Sandy“ Samsung NP-RV520-S04DE mit Core i5-2410M („Sandy Bridge“ von März 2011 mit 2 Kernen bei 2,3 GHz) und 6 GB RAM fährt zwar Windows 10 Home 1803, wirkt aber trotzdem wie aus der Zeit gefallen.

Und mein „Yatan“ Samsung ATIV Book 8 NP870Z5E-X04DE mit Core i7-3635QM („Ivy Bridge“ von Oktober 2012 mit 4 Kernen bei 2,4 GHz) und 8 GB RAM wirkt zwar jünger, fährt aber noch (bzw. wieder) Windows 8.1, weil es für Window 10 keine funktionierenden Treiber gab.

2011 und 2012 ist beides mittlerweile echt lange her. Notebooks waren damals im Wandel. Sandy hat noch ein DVD-Laufwerk und eine Festplatte, was Yatan beides schon nicht mehr hat. Auch bei den Displays gab es damals einen Quantenspung. Mit Yatan kamen Full-HD und IPS- (bzw. PLS-)Panel. Außerdem USB 3 und 5-Ghz-WLAN und SATA 2 für die interne SSD. Sandy hat nichts davon.

Von der Performance her ist Sandy inzwischen unbenutzbar. Ein Tausch der Platte durch eine SSD würde etwas helfen, lohnt aber nicht mehr. Bei Yatan wiederum (Problem 1) ist seit kurzem das Touch Pad kaputt: es nimmt nur noch 1-Finger-Gesten an, also u.a. kein Scrollen (Schieben mit zwei Fingern) und Pinchen mehr. Und durch das antike Windows 8.1 (Problem 2) lässt sich außerdem immer mehr gängige Windows-Software zunehmend nicht einmal mehr installieren.

Ich könnte Yatan reparieren lassen (obwohl das schwierig und teuer werden dürfte, da Samsung seit 2014 in Europa keine Notebooks mehr verkauft) und es noch ein letztes Mal mit irgendwelchen Windows-10-Treibern probieren. Immerhin gibt es im Microsoft Store inzwischen eine Windows-10-App „Samsung Update“, die seit kurzem sogar Sandy unterstützt. Vielleicht findet die ja geeignete Treiber oder BIOS-Updates für Yatan. Allerdings dürfte unter Windows 10 der „Leise-Modus“ von Yatan trotzdem nicht mehr funktionieren, da Windows 10 ständig im Hintergrund irgendwas macht. Der Leise-Modus ist aber Yatans wesentlichstes Feature, denn der macht den Lüfter aus. Mit laufendem Lüfter ist Yatan nicht auszuhalten.

Also kein Windows-Upgrade, zumal ich auch keine Lust auf ein weiteres verlorenes Wochenende habe, wenn das wieder nicht klappt und erneut zurückgerollt werden muss. Außerdem — ganz ehrlich –: Ich finde Windows 10 unermesslich hässlich. Viel hässlicher noch als Windows 8.1. Eine Neuanschaffung von Hardware würde ich zum Anlass nehmen, auf MacOS zu wechseln.

Eine Neuanschaffung von Notebook-Hardware steht allerdings definitiv momentan nicht an, denn seit einem Jahr benutze ich zuhause fast ausschließlich mein (10,5″)-iPad. Oder gelegentlich Yatan mit einer Maus. Und Sicherheitsupdates kriegt Windows 8.1 noch bis 10. Januar 2023. Vielleicht hat Apple bis dahin ja wieder ein kaufbares MacBook im Sortiment. (Im Moment ist das ja leider nicht so.) Aber erstmal gibt es überhaupt keinen Erneuerungsbedarf.

Trotzdem: Meine Notebooks sind schon jetzt echt alt geworden. Ich bin gespannt, wie lange ich wirklich damit noch durchhalte. Und ob es danach dann wirklich ein MacBook wird — oder doch ein lüfterloses Windows-Convertible mit Stift und 360-Grad-Scharnier à la Lenovo Yoga, Dell XPS 2-in-1, HP Spectre x360 oder Asus ZenBook Flip. Denken kann ich so ein Hybrid-Gerät derzeit nicht, denn ich verstehe nicht, wie man damit arbeiten würde. Und es wäre leider Windows 10. Wenn das nur nicht so hässlich wäre…

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