Mastodon macht Lust auf Twitter

Ja, Mastodon. Es geht in diesem Beitrag jetzt wirklich um Gargrons Mastodon. Ich will wissen, was das ist, und was das mit Twitter zu tun hat. Heise fragte schon am 5. April „Ist Mastodon das bessere Twitter?“. Nun, Posts heißen bei Mastodon „Toot“ (Slang für Furz) anstatt wie bei Twitter „Tweet“ (Gezwitscher eines süßen kleinen Vögelchens), was eigentlich ein Grund ist, sich nicht damit zu beschäftigen. Aber Gründe sind eh überbewertet.

Diverse HOWTO-Guides zu Mastoton wie die von Quartz und von opensource.com habe ich gelesen. Ich weiß also, wie man es benutzt. Auch Kommentare wie die von Socialnerdia oder von Gründerszene, die es als bereits gescheitert klassifizieren, habe ich gelesen und ich zweifle auch nicht daran, dass diese recht haben, denn Mastodon ist viel zu offen. Eine derartige Offenheit verunmöglicht gesellschaftliche Inklusion, d.h. Mastodon kann sich schon deswegen nicht zu einer Plattform für alle entwickeln, insbesondere nicht zu einer, aus der eine gesamtgesellschaftliche Infrastrukur entstehen kann, wie es bei Twitter längst der Fall ist.

Mir reicht diese Erkenntnis aber noch nicht. Ich will wissen, was Mastodon wirklich ist. Also für die, die da sind, denn es steckt immer irgendeine Kultur dahinter, aus der heraus sowas entsteht. Einen ganz guten Einblick konkret zu Mastodon bietet z.B. der Bericht von RobekWorld. Man kommt da mit den ganzen Vokabeln aber schnell durcheinander. Meine erste These dazu ist, dass man für sich zunächst von der Firma/Produkt-Denke wegkommen muss. „Twitter“ ist Firma und Produkt. Beispiele, bei denen Firmenname und Produktname unterschiedlich sind, sind Google Buzz, Google Wave, Google Orkut und Microsoft So.cl? Alle tot (und inzwischen alle ganz abgeschaltet), aber als „Firmenname Produktname“ gedanklich leicht identifizierbar. Bei dem nicht-kommerziellen Gelöt geht es aber eher um Projekte/Protokolle/Philosophien/Software/Softwareinstanzen, die alle für sich irgendwelche Titel haben, irgendwie auseinander hervorgingen oder ineinander aufgingen und irgendwie immer noch zusammenhängen. Und diese Historie trägt dann auch die Kultur der Leute, die dort sind.

Ich selber kann die kommerzielle und die nicht-kommerzielle Welt bei den sozialen Netzwerken und Microblogging-Plattformen kaum auseinanderhalten. Ich erinnere mich z.B. an Path und an Diaspora, sowie an App.net und an Ello. Ein bisschen auch an Identi.ca und an Quitter.se, und auch Peach sagt mir noch was. Ein klein bisschen weiß ich auch von GNU social und von StatusNet. Aber immer nur aus User-Sicht. Wie das alles hinter den Kulissen wirklich zusammenhängt und was in den zugehörigen Szenen darüber diskutiert wird, erschließt sich mir eher nicht so wirklich. Darum kann es in diesem Beitrag hier also auch nicht gehen. Ich muss da auf die zahlreichen Links verweisen, mit denen ich die Begriffe in diesem Beitrag hinterlege, und die ich am Ende auch noch einmal gebündelt anführen werde.

Der aktuelle Hype in der Szene ist Mastodon, weil das gerade in einer Wachstumswelle ist. Einfach selber ausprobieren hat mir bei Mastodon aber bisher nicht geholfen, es wirklich zu verstehen. Ja, ich habe mir aus der Liste eine Instanz ausgesucht. Und aus der anderen Liste eine App. Als Instanz habe ich social.tchncs.de genommen, weil das eine .de-Domain ist und weil die dort eingespielte Mastodon-Version immer direkt auf den Github-Master geht und nicht erst auf das Release wartet. (Weil die Software also sehr aktuell gehalten wird.) Und als (Android-)App habe ich mir Tusky ausgesucht, weil mir der Name gefällt. Angenehmerweise gefällt mir auch die App selber, und das sogar sehr gut.

Natürlich braucht man gar keine App aus dem Store, um Mastodon auszuprobieren, denn man kann ja auch einfach im Webbrowser seines Smartphones auf seiner Mastodon-Instanz „Zum Startbildschirm hinzufügen“ auswählen und dann die Mastodon-Webapp über das Mastodon-Icon starten. In der Benutzung ist das von einer Android-App dann nicht mehr unterscheidbar. Da in der Mastodon-Webapp aber der leidige Dark Mode nicht abschaltbar ist (was ich untragbar nerdig finde), greife ich dann doch lieber zu Tusky, denn da ist er abschaltbar. Apropos Webapp: Twitter hat mit Twitter Lite kürzlich eine zweite Webapp vorgestellt. Hier lohnt sich das „Zum Startbildschirm hinzufügen“ besonders, da es als richtige Google Progressive Web App eine echte Konkurrenz zur Twitter App aus dem Store darstellt. Mehr Info zu Twitter Lite bei Twitter, denn hier geht es ja um Mastodon.

Auf Mastodon unterhalten sich Leute über Mastodon und sagen dabei komische Dinge über Mastodon. Z.B. verlinkt @jensscholz@mastodon.cloud in seinem Toot auf seinen Blogartikel über Mastodon und schreibt darin u.a. „GNU social ist schon längst relevant und etabliert.“ (er meint hier wohl das auch für Mastodon geltende „federated social network“-Prinzip über das von GNU social verwendete OStatus-Protokoll und eher nicht die gleichnamige PHP-Software oder die verteilte Plattform, die dessen Instanzen bilden) und „Ein soziales Netzwerk, das wirklich für alle Menschen und für jeden Bedarf wirklich gleich gut funktioniert, kann kein kommerzielles Produkt sein.“, was eine interessante Sichtweise ist, denn tatsächlich ist es ja genau andersrum. Aber vielleicht braucht man auf Mastodon diese verdrehte Sichtweise, um an Mastodon glauben zu können. Auf Twitter ist Mastodon eine Metalband.

Es gibt übrigens weit mehr als nur das OStatus-basierte Fediverse, zu dem auch Mastodon gehört. Z.B. basiert identic.ca heutezutage auf pump.io, und friendi.ca kann Kontakte aus Twitter, Diaspora, pump.io und StatusNet/GNU social einbinden. Was also macht nun gerade Mastodon interessant?

Nun, für mich zumindest sind drei Dinge an Mastodon interessant:

  • Ding 1 ist uralt und hat nichts mit Mastodon zu tun. Es geht da um den Unterschied zwischen einem Fediverse und einem zentralen Server.
  • Ding 2 ist brandneu und hat alles mit Mastodon zu tun. Es geht da darum, ob Mastodon für Twitterer interessanter werden könnte als Twitter. Und wenn ja, wodurch?
  • Und Ding 3 ist die Frage, wieviel diese beiden Dinge 1 und 2 eigentlich miteinander zu tun haben und wieviel nicht.

Ich persönlich glaube, dass Ding 2 eine sinnlose Frage ist, da es „den Twitterer“ gar nicht gibt. Es gibt bei Twitter Leute wie mich, die gelegentlich „Gedanken zwitschern“ oder mal bei Events Tweet-Stakkatos raushauen oder verfolgen (z.B. gemeinsames Tatort-Gucken oder Veranstaltungen besuchen), und es gibt Leute, die dort hauptsächlich Konversationen mit ihren Kontakten treiben, was ich z.B. bei Twitter eher nie mache. Vielleicht gibt es dort auch Leute, die dort Pressemitteilungen lesen (zumindest hat die Tagesschau Twitter schon mal als „Kurznachrichtendienst“ bezeichnet, was ich sehr lustig — und ignorant/einfältig — fand). Von manchen wird Twitter auch als Suchmaschine verwendet. Gestern nachmittag saß ich z.B. bei Grete’s mit lecker Milchkaffee und verfolgte die Events #koeln2204 und #marchofscience.

Ob Mastodon für Twitterer interessant werden könnte, hängt also wesentlich davon ab, was mit Twitter gemacht wurde. Volltextsuche kann es bei Mastodon z.B. prinzipbedingt gar nicht geben. Suchen kann man nur nach Usern. Im Moment kann man nicht einmal nach Hashtags suchen. Nur wenn man schon einen Hashtag in einem Toot hat, dann kann man darauf klicken. Aber auch dann kriegt man nur die Suchergebnisse aus der „fererated timeline“ der verwendeten Mastodon-Instanz. Und das ist auch wieder prinzipbedingt so, also kann das und wird (und sogar soll) sich auch nicht ändern. Und damit ist auch Ding 3 beantwortet, denn letztendlich ist es alleine Ding 1, das Mastodon ausmacht. Die kleinen Unterschiede (keine Algorithmen, keine Werbung, usw.) sind peng. Alleine das 500-statt-140-Zeichenlimit ist meiner Meinung nach ein Killer-Feature. (Ich halte es aber ja bekanntlich auch für eine historische Fehlentscheidung, dass sich Twitter kürzlich im letzten Moment dann doch noch wieder dagegen entschieden hat, das auch zu machen.)

Ding 1 ist unbedingt noch erklärungsbedürftig, insbesondere was bei Mastodon in der „federated timeline“ drin ist. Da es den Rahmen dieses Beitrags sprengen würde, muss ich dazu allerdings auf die Konversation an diesen Toot von @nightpool@cybre.space verweisen. Dort wird „The current list of ways something can get into the federated timeline“ erklärt und diskutiert. Im Prinzip sind das alle Toots, die der Server (auf dem die Mastodon-Instanz läuft) sieht, weil einer seiner User in irgendeiner Weise damit interagiert hat. Das kann auch indirekt sein, z.B. wenn „someone from your server is following someone who replied to that user“ geschehen ist. In dem Fall hat man dann – weil Konversationen auf jedem Server vollständig einsehbar sein müssen – genau diesen einen Toot von demjenigen User in seiner federated timeline. Aber eben auch nur diesen einen. Es sei denn, dem User, dem hier geantwortet wurde, folgt noch ein anderer User der eigenen Mastodon-Instanz. Dann sieht man alle von dessen Toots.

Ich will das gar nicht noch genauer erklären, weil das für meinen Punkt nicht wichtig ist. Das Fazit ist wichtig, und das Fazit hier ist: Je weniger User eine Instanz hat, desto individueller ist die federated timeline dieses Servers. Was Mastodon also ganz besonders ausmacht: Es gibt gar nicht eines, sondern ganz viele. Die Instanz, die ich ausprobiert habe (siehe oben) hat zum Zeitpunkt des Schreibens etwas über 7.000 von den gut 432.000 Mastodon-Usern insgesamt, wobei bereits knapp 1.300 Mastodon-Instanzen gelistet waren. Mastodon ist also eigentlich ein Forensystem. Dass deren Instanzen zu einem Fediverse verbunden sind, macht dieses aber insgesamt nicht zu einer Plattform, die mit einer zentralistischen Plattform wie Twitter überhaupt sinnvoll vergleichbar ist. Insbesondere nicht, weil man die local und federated timelines anderer Mastodon-Instanzen nicht einsehen kann, ohne auch dort ein separates Userprofil zu haben. Man kann selbst auf der eigenen Instanz nicht sehen, welche Toots die anderen User gefavt haben, denn 1. sind Favoritenlisten anders als bei Twitter privat (sie erscheinen nicht einmal im User-Profil) und 2. gibt es keinerlei Ticker-Seite, die die Aktionen (follow, fav, usw.) der befolgten User auflistet. Das Mastodon-Fediverse hat also nicht nur defacto nichts von Twitter, sondern auch absolut gar nichts von einem sozialen Netzwerk.

Allenfalls mit „Dark Twitter“ könnte man es vergleichen. Das sind die nicht-öffentlichen Neben-Accounts, die manche Leute bei Twitter haben, um über dieses Medium private Konversationen zu fahren. Sowas könnte man mit Mastodon natürlich genauso gut machen. Das Feature, dass man bei Mastodon die Privacy auf Toot- und nicht bloß auf Account-Ebene einstellen kann (wie bei Twitter), halte ich allerdings für einen Bug, jedenfalls so lange man keine Listen pflegen kann, also Rechteeinschränkungen nur auf die begrenzen kann, denen man folgt (es gibt „Public“, „Public, but do not display on the public timeline“ und „Only show to followers“). Man sieht auch hieran, dass bei Mastodon vieles nicht von den Usern und ihren Use Cases her durchdacht ist. Aber Mastodon ist eben auch kein Produkt, sondern nur ein weiteres Phänomen einer bestimmten Szene und ihrer gewachsenen Kultur. Den von @zipdrive@darksocial.party verwendeten Begriff des „Mastodorks“ finde ich hier ganz passend.

Nun denn. Das Maskottchen von Mastodon ist sinnigerweise ein ausgestorbenes Rüsseltier. Aber mir machte Mastodon zumindest wieder echt Lust auf Twitter.

Und hier nun wie versprochen zur weiteren Lektüre die 39 Links hinter diesem Text nochmal gebündelt:

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mehr als zehn!

Bei mobiFlip hieß es gestern „Wer sich in den letzten Wochen ein Fitbit Charge 2 zugelegt hat, oder den Tracker vielleicht auch zu Weihnachten geschenkt bekommt, der kann sich über ein großes Firmware-Update freuen.“. Hervorhebung durch mich. Morgen ist Heilig Abend.

Heilig Abend geht bei mir als Weihnachten durch. Daher hier und jetzt also der Hinweis an den Weihnachtsmann: Der Artikel Get 11 New Tracker Functions With This Fitbit Charge 2 Update beschreibt das Update genauer. Aber viel besser ist es, wenn man das selbst ausprobieren kann! Dazu braucht man aber so ein Teil.

Natürlich weiß ich, dass das blöder Konsum ist. Aber hallo? Es ist Weihnachten! Und guckst Du hier, lieber Weihnachtsmann: In Your wearable-tracked health data is for sale, according to a new study schrieb Mashable vor ein paar Tagen „If you sport a Fitbit or Apple Watch on the regular, you probably love the health insights you get from your wearable.“. Das klingt doch gut. Love. Health. Peace. Weihnachten.

Ok, da steht auch „there are almost no privacy safeguards in place for consumer health data, and multiple industries are ready and willing to mine the system for profit“. Aber muss man sich da nicht gerade deswegen besonders informieren? Ich meine konkret und praktisch, also durch ausprobierende Tätigkeit? Hands-on mit so einem Gerät? Man muss das doch verstehen, dieses Big Data. Also selber. Wo das Thema doch gerade so hip ist.

Und dann dieses Blog. Wie soll ich denn ohne eigene Experimente mit einem echten Gerät nächstes Jahr weiter von dem Thema berichten? Blicken wir doch mal auf das laufende Jahr 2016 zurück:

  • Mein Artikel Health vom Januar suchte noch hauptsächlich allgemein nach Wearables bzw. nach deren Nutzen und war noch nicht auf Smart-Watches fixiert.
  • Mein Artikel Smart-Koks vom September diskutierte dann Smart-Watches schon konkreter, erkannte aber auch genauso konkret, dass das in die Irre führt.

Also ist doch jetzt die Zeit gekommen, einmal ein Health-Wearable, das eben keine Smart-Watch ist, praktisch auszuprobieren, oder? Das war ein rhetorisches „oder“, lieber Weihnachtsmann.

Nehmen wir doch direkt das obige Beispielgerät, weil mobiFlip das zufällig gerade hatte. Es ist ein Armband, keine Uhr, also passt es. Ich bräuchte es in schwarz und Größe L. Das habe ich nicht verdient, weil ich nicht artig war, sagst Du? Na gut, das stimmt. Aber soo viel ist an dem Teil ja auch gar nicht dran. Es hat (laut diesem Internet, also noch ohne es selbst ausprobiert zu haben):

  • keine „Smart“-Funktionen (= keine Benachrichtigungen aus Apps o.ä.)
  • kein Touch-Display (= keine Wisch-Bedienung)
  • kein Support von Google Fit oder Apple Health (= keine Bereitstellung der gemessenen Daten)
  • kaum „Gesundheits“-Funktionen (= keine Herzfrequenzalarme o.ä.)
  • Anbindung nur weniger anderer (Handy-)Apps (nämlich nur https://www.fitbit.com/de/partnership )
  • kein eigenes App-Ökosystem
  • kein eigenes GPS (nur Nutzung des Handy-GPS über Bluetooth)
  • einfarbige niedrigauflösende LED-Anzeige, die trotzdem nicht einmal always-on ist
  • keine Wasserdichtheit (ist nur spritzwassergeschützt)
  • eine Akkulaufzeit von nur ein paar Tagen

Also kein Schnickschnack dran, sondern ein klarer Fokus: Aktivitäts-Tracking (bin ich überhaupt aktiv?), „teilweise automatische Workout-Erkennung“ (was heißt „teilweise“? — und was ist überhaupt dieses „Workout“???). Und „angeblich halbwegs brauchbarer Pulsmesser“ („halbwegs“???). Fragen, die beantwortet werden wollen, lieber Weihnachtsmann!

Im Grunde geht es also nur um Fortbildung (braucht man zum Glücklichsein) und Bewegungs-Motivation (braucht man zum Gesundsein). Und gesund und glücklich darf ich doch sein, oder? Artig wäre eh nicht erstrebenswert, lieber Weihnachtsmann. Bist Du selber bestimmt auch nicht!

Im Ernst: Bei Giga und bei Golem las ich neulich ausführliche Berichte über dieses Gerät. Was drin stand, habe ich vergessen, und ich will es auch nicht noch einmal lesen müssen. Ich möchte es einfach selber ausprobieren. Inkl. der 11 (in Worten: elf) neuen Funktionen (siehe oben). Ich finde das toll. Das sind mehr als zehn!

Du schaffst das, lieber Weihnachtsmann! Bescherung ist ja erst morgen.

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Kontaktlos bezahlen

Vor ein paar Monaten wurde meine Kreditkarte ausgetauscht. Das passiert alle drei Jahre. Auf der neuen hatte ich ein Symbol für kontaktlose Bezahlfunktion entdeckt und war irritiert. Man solle das Ding im Alltag für Kleinbeträge einsetzen, hieß es im Begleitschreiben. Bei Summen unter 25 Euro würde man nicht einmal PIN oder Unterschrift benötigen. Mit der Kreditkarte im Supermarkt bezahlen? Wer macht denn sowas?

Irgendwann später hatte dann Lidl diese Aktion, dass sämtliche Scheiben und Wände mit riesigen Plakaten zugehängt waren, die einen aufforderten, kontaktlos mit seiner VISA-Karte zu bezahlen, weil man sich dann mit dem Bon dieses Zahlvorgangs im Internet zu einem Gewinnspiel anmelden könne. Ich fand das jetzt nicht so attraktiv (weil ich nie Gewinnspiele mache), habe aber zur Kenntnis genommen, dass man tatsächlich im Supermarkt kontaktlos mit seiner Kreditkarte Kleinbeträge nicht nur bezahlen kann, sondern sogar soll.

Ich habe es dann einige Male auch ausprobiert: Bei Aldi in Hamburg hat es funktioniert. Bei Rewe in Horn ebenfalls. Bei Penny in Utbremen nicht. Penny scheint aber generell eine Ausnahme zu sein, da wohl sämtliche Penny-Filialen sämtliche Kreditkarten nicht nur nicht kontaktlos, sondern sogar überhaupt gar nicht akzeptieren, obwohl Penny zur Rewe Group gehört. So manch ein Blogger rief deswegen sogar schon mal zum Boykott von Penny auf.

Zum kontaktlosen Bezahlen gibt es offenbar unterschiedliche Systeme. So soll z.B. Rossmann „Mastercard PayPass“ und „VISA payWave“ unterstützen, aber nicht „girocard kontaktlos“. Letzteres ist wohl für EC-Karten gedacht, wird aber noch fast nirgends akzeptiert. Meine EC-Karte hat auch gar keine Kontaktlos-Funktion. Also keines von den drei Systemen. Ab 2017 sollen Karten und Terminals nach und nach umgerüstet werden. In ein paar Jahren wird kontaktloses Bezahlen also auch für EC-Karten kommen.

Meine EC-Karte ist so ein klassisches Ding, wie man es zu seinem Girokonto so hat. Vorne steht „girocard“ und „V PAY“ drauf und hinten „GeldKarte“ und „EAPS“. Auch meine Kreditkarte ist so ein klassisches Ding mit Hochprägung der Kreditkartennummer. Drei weitere Ziffern sind nicht hochgeprägt und werden bei Zahlungen im Internet manchmal benötigt. Eigentlich habe ich von der Kreditkarte immer nur die Nummer benutzt, nie die Karte. Einzige Ausnahme waren die Autobahnmaut-Automaten in Frankreich, wo ich die Karte selber reingesteckt hatte. Unterschrift oder PIN waren nicht erforderlich. Meine PIN hätte ich auch gar nicht gewusst.

Generell scheinen sich Kreditkarten weiterzuentwickeln. Als die neue vor ein paar Monaten kam, stand im Begleitschreiben auch, dass ich mich für „Verified by VISA“ anmelden solle. Bei Bezahlvorgängen im Internet werde dann von manchen Portalen eine SMS-TAN verschickt. Ich habe das getan und dann mal in meine Akte geschaut: Drei Jahre vorher, im Begleitschreiben zur jetzt ausgetauschten alten Karte, stand das auch schon. Und auch die Funktion zum kontaktlosen Bezahlen hatte die alte Karte schon. Nichts von allem war also neu. Ich hatte es bisher nur völlig ignoriert. Zum Glück wurde mir mit der neuen Karte auch die PIN nochmal geschickt. Die weiß ich nun also auch. Bei Globetrotter in Hamburg habe ich sie auch schon verwendet. Da war die kontaktlos bezahlte Summe bedauerlicherweise über 25 Euro.

Auf der Kreditkarte vorne steht „VISA CREDIT“, obwohl es im eigentlichen Sinne gar keine Kreditkarte ist, weil man keinen Kredit bekommt und keine monatliche Verrechnung hat. Es handelt sich nämlich um eine sog. Debitkarte. Debitkarte heißt, dass ein Bankkonto mit der Karte verbunden ist, das bei Verwendung der Zahlungsfunktion sofort belastet wird. Ich habe also eigentlich zwei Debitkarten bei zwei verschiedenen Banken. Bei der einen Bank ist das Konto ein Girokonto, bei der anderen Bank ein Tagesgeldkonto.

Eigentlich ist nicht nur der Begriff „Kreditkarte“, sondern auch der Begriff „EC-Karte“ falsch, wie ich seit gestern abend zu wissen glaube. Es war spät am Freitag abend, die Woche war anstrengend, ich war müde und irrte durch’s Internet, um noch müder zu werden. Kurz vor’m Wegdösen stieß ich (schon bequem im Bett liegend) dann auf einen der am selben Tag gerade veröffentlichten Artikel Der Kampf um die „EC-Karte“. Es ging um „girocard“ vs. „Debit Mastercard“ im Streit um das Erbe der „EC-Karte“. Ich las den Artikel im Einschlafen, war verwirrt, und verirrte mich in die Wikipedia, der Begriffsklärung wegen. Also…

…ich dachte bisher, ich habe eine „EC-Karte“ und eine „Kreditkarte“. Ich dachte, mit der „EC-Karte“ hole ich Bargeld aus dem Automaten und bezahle ohne Bargeld an der Tankstelle. Und mit der „Kreditkarte“, dachte ich, reserviere ich Hotelzimmer oder kaufe irgendwas im Internet, wenn PayPal oder „auf Rechnung“ oder „per Einzugsermächtigung“ nicht gehen und ich „Vorkasse per Überweisung“ nicht will.

Aber: Das blau-rote EC-Logo ist (siehe oben) tatsächlich auf keiner meiner beiden Karten drauf. Die Rechte an dem Begriff und an diesem Logo „EC electronic cash“ hat nämlich heutzutage Mastercard. Mastercard betreibt auch das Maestro-System, sowie das neuere System Debit Mastercard, das es als „Ihre sichere ec Karte für grenzenlose Möglichkeiten“ bewirbt. Meine beiden Karten haben mit allen Mastercard-Funktionen nichts am Hut, sind also beide auch keine „EC-Karten“. Damit wäre meine „EC-Karte“ im internationalen Ausland auch nur eingeschränkt nützlich, da das VISA V PAY weitestgehend nur in Europa akzeptiert wird und das girocard sogar nur in Deutschland.

Meine „EC-Karte“ wird alle vier Jahre ausgetauscht. Die Vorversion hatte noch „Maestro“ drauf. Irrtümlich dachte ich immer, das das der neue Name für EC-Karte wäre, aber das war schon immer Mastercard. Allerdings war das nur das alte Debit-System für Girokonten. Für das neue System „Debit Mastercard“ reicht eine Maestro-Akzeptanz nicht aus. Hier bedarf es einer vollen Mastercard-Akzeptanz, die allerdings weltweit ähnlich verbreitet ist wie die von VISA-Kreditkarten.

Und apropos Akzeptanzzeichen: Zur allgemeinen Verwirrung ist das „Electronic Cash PINPad“-Logo das Akzeptanzzeichen für girocard, das aber eben nicht von Mastercard betrieben wird. Die Schrift mit dem blauen ‚e‘ und dem roten ‚c‘ ist jedoch die gleiche wie bei dem EC-Logo auf der Debit Mastercard. Ich finde das sehr verwirrend. Das EC-Logo wird zwar als Akzeptanzzeichen nicht mehr verwendet, aber dass das „electronic cash“-Akzeptanzzeichen und das „electronic cash“ Kartenlogo zu verschiedenen Systemen gehören, finde ich genauso irritierend wie dass „girocard“ gar nicht der neue Name von Maestro ist. Zumindest habe ich das alles bis gestern abend nicht gewusst.

Ich nehme somit drei Dinge als Erkenntnis mit: 1. Es ist so, dass inzwischen unterschiedlichste Debit-Kartenzahlungssysteme im Wettbewerb stehen und einer ständigen Weiterentwicklung unterliegen, sowie dass Rechte an bekannten Logos herumverkauft werden und Akzeptanzstellen ständig ihre Softwarestände aktualisieren müssen. 2. Mit einem flächendeckenden Durchbruch der kontaktlosen Bezahlmöglichkeit ist in den kommenden Jahren bei allen Systemen zu rechnen. 3. Es spricht nichts gegen den Einsatz von Kreditkarten für Kleinbeträge, auch wenn es ärgerlich ist, dass das noch nicht überall geht. Einen Penny-Boykott werde ich trotzdem erstmal nicht erwägen. Meinen Bäcker habe ich gefragt, ob er überhaupt irgendwas anderes nimmt als Bargeld. Er meinte nö. Ein paar Jahre kommt er damit noch durch. Irgendwann aber nicht mehr.

Und nun? Meine Tankstelle akzeptiert neuerdings VISA payWave, aber dafür seitdem meine girocard nicht mehr mit PIN, sondern nur noch mit Unterschrift. Unterschrift mag ich nicht, und für Bargeld sind mir die Beträge zu hoch. Mit anderen Worten: Eigentlich wollte ich nach den o.g. paar Experimenten meine VISA-Karte wieder zuhause lassen. Aber offenbar geht das nicht. Die Gemengelage bei den Kartenbezahlsystemen scheint sich gerade stark zu verändern. Und der „kontaktlos bezahlen“-Trend ist dabei einer der Treiber.

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Schade Apple

Heute mal ein ganz kurzer Beitrag. mobiFlip schreibt eben in MacBook Pro 2016: Ein Kommentar zu den neuen Apple-Notebooks folgendes:

  • „Apple hatte mein Interesse geweckt. Allerdings nicht mit der Touch Bar, das ist eine kleine und nette Spielerei, aber in meinen Augen vollkommen überflüssig, sondern mit dem Modell ohne Touch Bar. Doch dann gab es die finalen Details.“
  • „Das aktuelle Lineup spricht mich aber nicht an. Am liebsten wäre mir ein Display-Upgrade für das Air gewesen. Einfach nur ein Retina-Display und so wie es ist weiter verkaufen.“

Interessiert man sich für ein 13″-Gerät, würde ich beidem zustimmen. Im Vergleich des 13″ MacBook Air mit dem alten 13″ MacBook Pro gewinnt nämlich kein Gerät:

  • Air ist schicker
  • Air ist dünner und leichter
  • Air hat höhere Bildschirmauflösung (1440×900 statt 1280x800retina)
  • Air hat längere Akkulaufzeit
  • Pro hat HDMI-Ausgang
  • Pro hat Force Touch Trackpad
  • Pro hat Display mit IPS-Panel (statt TN-Panel)

Das K.O.-Kriterium beim Air ist das TN-Panel des Displays. Das K.O.-Kriterium beim Pro ist die Display-Auflösung.

Im Vergleich des alten 13″ MacBook Pro mit dem neuen 13″ MacBook Pro ohne Touch Bar gewinnt auch kein Gerät:

  • neu ist dünner und leichter
  • neu hat helleres Display
  • neu hat größeres Touchpad
  • neu hat bessere Lautsprecher
  • alt hat das kultige MagSafe (neu nicht mehr)
  • alt hat einen SDXC-Karten-Slot (neu keinen mehr)
  • alt hat zwei USB-3-Anschlüsse (neu gar keine mehr)
  • alt hat HDMI-Ausgang (neu nicht)
  • alt hat eine bessere Tastatur

Das K.O.-Kriterium Display-Auflösung ist also geblieben. Und ein weiteres ist dazugekommen: Adapterpflicht für alles.

Auch mein Fazit ist also: Hätte das 13″ MacBook Air ein Display mit IPS-Panel bekommen, wäre es das perfekte Gerät. Aber das K.O.-Kriterium wurde nicht verändert. Stattdessen gibt es das 13″ MacBook Pro nun sogar gleich in drei Varianten: alt, neu und neu mit Touch Bar — und das mit Touch Bar dafür dann ohne ESC-Taste. Auf sowas muss man erstmal kommen.

Sofern ich richtig geguckt habe (denn bei Apple-Produkten recherchiere ich traditionell immer schlampig) unterscheiden sich das 13″ MacBook Pro alt und neu (bei jeweils 8GB / 256GB) vom Preis her übrigens nur um 10 Euro (€1.689,00 bzw. €1.699,00). Das zum neuen 13″ MacBook Pro etwa gleich dünne und gleich leichte 13″ MacBook Air ist mit €1.349,00 aber auch nur €350,- billiger. Für ein Gerät mit TN-Panel ist der Preis viel zu hoch. Ich sag’s daher nochmal: Mit IPS-Panel wäre es das perfekte Gerät.

Aber so sind alle vier 13″-MacBooks keine Option. Selbst wenn man sich das K.O.-Kriterium Display-Auflösung beim Pro wegdenkt, hat man die Wahl zwischen einem veralteten und klobigeren Gerät und einem ohne Anschlüsse und ohne MagSafe und einer zurückentwickelten Tastatur (wahlweise mit oder ohne der peinlichen Touch Bar).

Schade Apple. Dann bleibt es eben bei nur einem MacBook in der Familie.

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Kurzer Nachtrag am 2016-12-16: Meine obige Bemerkung „denn bei Apple-Produkten recherchiere ich traditionell immer schlampig“ muss man durchaus ernst nehmen. Konkret scheint hier z.B. mein Punkt „Air hat höhere Bildschirmauflösung (1440×900 statt 1280x800retina)“ falsch zu sein. Im Artikel Schöne Enttäuschung! schreibt Golem nämlich heute „Neu ist die skalierte Standardeinstellung mit einem Bildeindruck von 1.440 x 900 Pixeln statt der 1.280 x 800 Pixel der Vorgänger. Das kann leicht unscharf aussehen, aber in der Regel ist die Auflösung ein guter Kompromiss zwischen Lesbarkeit und verfügbarem Displayplatz.“. Vermutlich wird also bei den neuen Macs ein Down-Sampling mittels Full Screen Anti Aliasing von der 2x-Auflösung 2880×1800 auf das 2560×1600-Display gemacht. Wie genau das beim iPhone funktioniert, hatte ich vor einigen Jahren in Skalierung der Darstellung auf den neuen iPhones beschrieben. Hier bei den Macs jedenfalls bedeutet es, dass die Auflösung in logischen Pixeln beim neuen 13er Pro genauso ist wie beim 13er Air und in physikalischen Pixeln genau so wie beim alten Pro. Dem Fazit dieses Artikels tut das allerdings keinen Abbruch, denn in dem hatte ich durch die Bemerkung „Selbst wenn man sich das K.O.-Kriterium Display-Auflösung beim Pro wegdenkt […]“ ja bereits deutlich gemacht, dass das dafür nicht ausschlaggebend war.

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Westworld

Gestern abend dachte ich einen Moment lang, dass ich manchmal doch ganz schön „konsumorientiert“ bin, also — wie wissen.de den Begriff erklärt — „den Schwerpunkt auf den Erwerb u. Genuss von Konsumgütern legend“. Ich hatte mich nämlich stark für zwei Dinge interessiert: Für die neue Fernsehserie „Westworld“ und für das Google Event, in dem die „Pixel“-Handys und einige andere Sachen vorgestellt wurden. Für beides zusammen ging fast der ganze Abend drauf.

Auf den zweiten Blick war es aber doch keine Konsumgier, die mich getrieben hatte, sondern mein Interesse für langfristige Entwicklungstrends der Gesellschaft. Denn bei „Westworld“ geht es ja (angeblich) nicht (nur) um unterhaltsame Zeitver(sch)wendung auf dem Sofa, sondern (auch) um die Analyse von menschlicher Kultur und der Potentiale künstlicher Intelligenz. Im ZEIT-Artikel Futter für die Junkies heißt es sogar „Die HBO-Serie ‚Westworld‘ ist eine Parabel auf den modernen Serienrezipienten.“. Sowas mag ich ja besonders, wenn gewollt (auch) der Zuschauer das (eigentliche) Thema ist.

Im FAZ-Artikel Roboter sind doch die besseren Menschen steht „‚Westworld‘ wirft Fragen der Gegenwart auf. Etwa, in welchem ethischen Kontext künstliche Intelligenz zu verorten ist.“. Nun ist das bei Science Fiction nicht überraschend, bei der es immer um die Zeit geht, in der sie entsteht, und nie um die Zeit, in der sie spielt. Die Frage ist vielmehr, wieviel Intelligenz die Serienmacher von den Zuschauern einfordern. Bei der Serie „Extant“ beispielsweise, von der ich zwei Staffeln gesehen habe, hatte der Produzent Steven Spielberg seine religiöse Überzeugung zum Thema menschliche, künstliche und außerirdische Intelligenz lediglich zum wiederholten Male in identischer Form als oberflächliche Botschaft implementiert und in der von ihm gewohnten Kitschigkeit inszeniert. Von „Westworld“ verspreche ich mir nach der Lektüre der Berichte sehr viel mehr.

Auch das andere Thema des Abends, das Google Event, passt zum Thema Künstliche Intelligenz, denn die Fragestellung war nicht, was Google für Produkte herausbringt, sondern sie war viel abstrakter: Was ist Googles Strategie insgesamt? Was ist seine Taktik? Wie steht das zu den sog. „Megatrends“ Globalisierung, Digitalisierung und Individualisierung? Die Antwort, die Google gestern auf die Strategiefrage gegeben hat, ist nämlich, dass das nächste große Dinge nach „Google Search“ der Google Assistant werden soll. Eine Künstliche Intelligenz. Und die Taktik ist, das Google jetzt auf Apple macht, also statt Schrott für Nerds anzubieten („Nexus“-Produkte) nun auf übergreifend zusammenspielende Edel-Produkte setzt und zum vertikal integrierenden Hardware-Hersteller mit exklusiver Software und Cloud-Diensten mutiert — und dafür sogar bewusst der eigenen Android-Plattform schadet, wie es Golem im Artikel Google Assistant schadet der Android-Plattform treffend bemerkt.

Aber zurück zum Konsum. Die neue Google-Welt interessiert mich überhaupt nicht. Wer Simon Sineks Buch Start With Why gelesen hat, der weiß, dass für die Leute das Gefühl kaufentscheidend ist, warum eine Firma ein Produkt entwickelt hat. Und gefühlt will Google einfach nur an sämtliche persönlichen Daten ran. Apple hingegen will gefühlt lediglich an sämtliches Geld. Dafür stehen Apple-Produkte aber auch für Status und Werterhalt, während hochpreisige Google-Hardware eher peinlich ist, sowie alle Google-Software-Dinge ständig von Einstellung bedroht. Der Google Assistant mag schlauer sein als Apples Siri oder Amazons Alexa (und erst recht als Microsofts Cortana), aber ich mag ihn nicht. Einfach wegen des subjektiven Warums seiner Existenz. Ich will keine künstliche Intelligenz von Google!

Außerdem ist die Frage berechtigt, ob wir mit dem heutigen Deep Learning-Ansatz wirklich schon viel näher an Künstlicher Intelligenz sind als mit den Prolog-Programmen aus den 80er Jahren, in die damals insbesondere Japan (am Ende erfolglos) so viel investiert hatte. Falls nicht, geht es letztendlich erstmal nur um den Handel mit den Daten. Technologiekonzerne verbünden sich bei künstlicher Intelligenz stand allerdings vor ein paar Tagen im Spiegel. „Google, Facebook, Amazon, IBM und Microsoft bündeln ihre Kräfte für eine neue Partnerschaft bei der künstlichen Intelligenz“ heißt es darin. Um „Ethik, Fairness und Inklusivität, Transparenz, Datenschutz und Interoperabilität“ bei der „Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI-Systemen“ soll es gehen. Apple ist nicht dabei, aber die forschen bestimmt auch. Das Thema kommt auch in einigen Megatrend-Übersichten vor. In der von zukunftsstark.org ist es Punkt „13. Intelligente Produkte und Infrastrukturen“ und etwas weniger ambitioniert formuliert. Dort geht es nur um „Einbinden aller Alltagsgegenstände in ein digitales Netzwerk“ und „Vereinfachte Benutzerführung bis hin zur Vollautomatisierung“. Ich glaube auch, dass eher das Internet of Things ein Thema der nächsten Jahre wird als wirklich irgendeine Künstliche Intelligenz.

Insofern kann ich mich erstmal auf die Frage konzentrieren, wie ich mir „Westworld“ denn nun anschauen kann, denn die vielen Berichte, die ich dazu gestern während der Live-Übertragung des Google-Events gelesen habe, lassen es doch recht vielversprechend und interessant erscheinen. Das oben erwähnte Extant hatte ich damals bei Maxdome im Flatrate-Paket gesehen. Inzwischen gibt’s das bei Amazon Prime (auch Flatrate). Aber wo gibt’s Westworld? Neben Maxdome und Amazon habe ich ansonsten nur noch Netflix. Der oben verlinkte Artikel in der ZEIT endet aber mit dem Satz „‚Westworld‘ läuft in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober zeitgleich zum US-Start auf Sky Go und Sky On Demand.“. Diesen letzten Satz habe ich nicht verstanden. Was heißt denn „läuft“? Meint das „verfügbar ab“? Und was sind „Sky Go“ bzw. „Sky On Demand“? Flott mal bei Sky direkt nachgeguckt: Dort steht zu „Westworld, Sci-Fi-Serie, USA 2016“ dies:

  • „Sky präsentiert die neue Sci-Fi-Serie „Westworld“ zeitgleich zum US-Start ab dem 3. Oktober jeweils in der Nacht von Sonntag auf Montag in Originalversion auf Sky On Demand, Sky Go, Sky Ticket.“
  • „Die lineare Ausstrahlung der zehnteiligen Sci-Fi-Westernserie, wahlweise auf Deutsch oder Englisch, wird voraussichtlich im Frühjahr 2017 auf Sky Atlantic HD erfolgen.“

Huch? Noch drei Vokabeln: „Sky Ticket“, „Sky Atlantic HD“ und „lineare Ausstrahlung“. Aber keine Erklärung zu dem „läuft“ aus der ZEIT. In dem auch oben verlinkten FAZ-Artikel steht als letzter Satz auch nichts mit „läuft“, sondern „Westworld startet am 2. Oktober bei Sky.“. Also „startet“ und „bei Sky“ (FAZ). Nichts mit „läuft“ und „in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober“ (ZEIT). Und auch nichts von „lineare Ausstrahlung“ erst „im Frühjahr 2017“ (Sky). Ich werde nicht schlau draus. Aber weitergoogeln hilft, insbesondere zu den mir bisher unbekannten „Sky“-Begrifflichkeiten:

  • „Sky“ ist offenbar irgendwas mit Fernsehen (Pay-TV-Karte mit Decoder-Gerät für einen Fernseher), also ein obsoletes Konzept aus dem lange vergangenen letzten Jahrtausend. Der Decoder (Hardware!) kann wohl auch klassisches „aufzeichnen“ (Timeshift und so) — gruselig.
  • „Sky Go“ ist wohl ein Streaming-Angebot für Leute mit Sky-Abo (im Preis enthalten). Damit soll man die abonnierten Sky-Inhalte auf normalem Weg anschauen können (Handy, Notebook).
  • „Sky On Demand“ (hieß vorher offenbar mal „Sky Anytime“) ist auch irgendwas für Leute mit Sky-Abo. Ich glaube das versorgt einen Sky-Dekoder mit Material aus dem Internet und ist wohl zum Offline-Gucken von heruntergeladenen (statt aufgezeichneten) Inhalten am Fernseher.
  • „Sky Ticket“ (hieß vorher offenbar mal „Sky Online“ und davor offenbar mal „Sky Snap“) geht wohl ohne Sky-Abo und ist eine Art Mediathek-Flatrate (so wie Netflix). Es geht nur online (eben wie Netflix), hat aber nur ausgewählte Inhalte. Es gibt aber ein „Entertainment-Monatsticket“ für Serien und so, in dem auch Westworld drin ist.
  • Meine Vermutung ist, dass jede Woche direkt nach der HBO-Ausstrahlung in den USA eine Folge in Sky Ticket dazu kommt. Vermutlich ist das mit dem „läuft“ gemeint.

Und nein, ich werde mir kein Sky Ticket holen. Auch nicht für nur einen Monat, sobald die Serie vollständig verfügbar ist. Irgendwann wird Westworld durch die anderen Streaming-Dienste wabern. Ich kann (auch Jahre) warten, denn mir das dann angucken zu wollen, werde ich nicht vergessen.

Es ist ein Konsumwunsch.

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Smart-Koks

Eine Smartwatch am Arm zu tragen, um die Zeit anzuzeigen, ist ungefähr so, wie ein Smartphone ans Ohr zu halten, um zu telefonieren. Behaupte ich.

Was will ich mit diesem Vergleich sagen? Dass man das zwar jeweils machen kann, aber dass es eben nicht mehr der Hauptzweck des Gerätes ist? Oder dass es mit den dedizierten Geräten, bei denen es der Hauptzweck war, sogar besser ging? Oder will ich mit dem Vergleich sagen, dass man diese Dinge mit den „Smart“-Geräten so oft überhaupt nicht mehr macht? Oder deutlich anders macht?

Und wie stark hinkt dieser Vergleich? Für wenig hinken spricht, dass beide Geräte klassische Gadgets sind (Armbanduhr, Mobiltelefon), die mit erweiterten Funktionen versehen wurden, deren Sinnhaftigkeit, sich nur langsam erschließt — aber Menschen, die schon damit aufgewachsen sind, angeblich in besonderer Weise. Für viel hinken spricht, dass noch überhaupt niemand mit Smartwatches aufgewachsen ist und deshalb keiner weiß, wie Smartwatches von solchen Menschen getragen werden — und wie sie dann überhaupt aussehen und benutzt werden.

Bleiben wir mal bei der These, dass man mit „Smart“-Geräten manche Dinge „deutlich anders macht“. Sascha Lobo fragte z.B. kürzlich Was ist das für eine komische Geste beim Telefonieren? und gab auch gleich die Antwort: „Das Smartphone wird beim Telefonieren nicht mehr ans Ohr gehalten, sondern wie ein koksbestreuter Taschenspiegel vor die Nase. […] Der Unterschied zu den Telefoniergesten vergangener Epochen (Hörer ans Ohr pressen) ergibt sich nämlich gar nicht aus dem merkwürdigen Verhalten der jüngsten Generation, sondern ist ein Ausweis der Gewohnheit der älteren Generationen, die wiederum aus einer längst vergangenen Technologie-Epoche übriggeblieben ist. […] Die Smartphone-Generation hat den historischen Verhaltensballast des Ohrpressens abgeschüttelt und durch ergonomisch und körperökonomisch sinnvolle Verhaltensweisen ersetzt. […] Das klassische Telefonat war eine völlig künstliche Mediengattung, starr, penetrant und gestrig. Aus der Funktionenarmut und Technologienot geboren, entstanden durch die Limitationen altertümlicher Technik.“

Es gibt also tatsächlich eine „Smartphone-Generation“, und man erkennt sie am Verhalten. Nehmen wir das mal so hin und hinterfragen an anderer Stelle, ob das nicht doch völliger Mumpitz ist. An dieser Stelle hinterfragen wir erstmal nur dies: Wird es auch eine „Smartwatch-Generation“ geben? Die Antwort findet man indirekt auch bei Lobo: Er bezeichnet das Smartphone in dem eben genannten Artikel als „Taschenplattform, die jüngster und machtvollster Kristallisationspunkt des digitalen Kapitalismus ist“. Wenn man den Gedanken — also den „digitalen Kapitalismus“ als Treiber — auf die Smartwatch anwendet, dann wird es bei dem heute „Smartwatch“ genannten — ich nenne es mal abstrakter „schmucken Gadget mit engem Körperkontakt“ — nicht um das gehen, was es besser signalisieren kann (durch Vibration, Stöße, Geräusche und Anzeigen), und auch nicht um Interaktion (schnellere, einfachere Reaktion auf Ereignisse), sondern um das, was es misst. Die Smartwatch ist ein Sensorpaket. Sie stellt Körperdaten ins Internet. Oder frei nach Lobo: Sie wird ein Kristallisationspunkt des digitalen Kapitalismus auf den Sensordaten.

Dieses „schmucke Gadget mit engem Körperkontakt“ heißt heute schon neudeutsch meist „Wearable“ und nur selten „Smartwatch“, weil die meisten Wearables gar nicht den Charakter einer Uhr haben. Der Begriff „Smart“-Uhr ist nur interessant, weil es eben auch ein „Smart“-Telefon gibt. Also jeweils den Versuch, ein unbekanntes Gerät über eine bekannte Funktion von historischen Geräten zu vermarkten. Der Vergleich hinkt also nicht, und er sagt auch was. Eine Smartwatch am Arm zu tragen, um die Zeit anzuzeigen, ist tatsächlich ungefähr so, wie ein Smartphone ans Ohr zu halten, um zu telefonieren. Man hat erstmal etwas, das man kennt, und es ist jetzt zusätzlich „smart“. Und was dieses „smart“ einem bringt, das kriegt man dann schon irgendwann raus — oder eben nicht. Aber wenn man es wissen will, ist ausprobieren angesagt.

Ich erinnere mich, wie ich Anfang des Jahres mal versucht hatte, das ohne auszuprobieren rauszukriegen. Im Blogeintrag Health hatte ich versucht, aus einer spekulativ und theoretisch ermittelten Nutzenssteigerung gegenüber dem Smartphone als alleinigem Gerät einen Gerätekaufwunsch für ein Wearable abzuleiten. In dem Beitrag diskutiert hatte ich so Fragen wie „Welche Daten werden heute (in welcher Qualität?) schon erhoben und mit welchem Nutzen? Wie kann ich den Einsatz der Daten verändern, um den Nutzen für mich zu erhöhen? Wie kann ich die Qualität der Daten verändern, um den Nutzen für mich zu erhöhen?“. Aber tatsächlich ausprobiert hatte ich nichts. Und so weiß ich bis heute nicht, wie es so ist, wenn die Armbanduhr „smart“ ist. Wo ist da das Koks?

Aber wenn ich nun erstmal einfach irgendein Gerät kaufen und benutzen will, um das Theoretisieren durch was Reales zu unterbrechen. Welches nehme ich denn dann? Wonach gehe ich? Die Antwort ist klar: Ich bin die „ältere Generation, die aus einer längst vergangenen Technologie-Epoche übriggeblieben ist“, also nehme ich etwas, das schon etwas darstellt, was ich kenne: Also kein futuristisches Wearable, sondern eine klassische Smartwatch. Eine Armbanduhr. Und ich gehe auch nach den klassischen Kriterien: Sieht gut aus und kann die Zeit anzeigen. Und vielleicht als klitzekleines Zusatzkriterium: Es muss irgendwie mit dem bestehenden Android-Handy zusammenspielen, und die in Health beschriebenen heute bereits erhobenen Smartphone-Daten müssen besser werden. Es braucht also nativen Support von Google Fit.

Der erste Blick geht naheliegenderweise auf das Portfolio von Android Wear. Denn das unterstützt Google Fit und Google Now per Definition nativ. Leider ist da aktuell nichts für mich dabei, was ich schön finde.

Der zweite Blick geht auf Samsung Gear. Die „Gear S3 frontier“ sieht schick aus (und hat das für eine Uhr sensationelle Feature einer „Always-on“-Zeitanzeige!), ist aber zu riesig und zu teuer. Dann lieber den Vorgänger erwägen: Die „Samsung Gear S2 Classic R7320 schwarz“ sieht auch ok aus und ist inzwischen satt im Preis gefallen (auch bei Amazon und bei Saturn auf unter € 300,-). Bedauerlicherweise steht in Cachys Blog dazu „Google Fit mochte die Daten der Gear S2 nicht, beziehungsweise bot mir gar nicht an, dass ich diese in Google Fit übernehme.“ und „Das Vibrieren der Gear S2 ist nicht nur laut, sondern auch nicht so eindringlich, wie man es erwarten würde. Es kam öfter vor, dass ich eine Vibration zwar gehört, aber nicht gespürt habe, obwohl die Smartwatch definitiv nicht zu locker angebracht war.“ sowie „Das Armband der Gear S2 ist fest mit dem Gehäuse verbunden. Also nicht fest im Sinne von „lässt sich nicht wechseln“, aber der Winkel, in dem das Armband das Uhrengehäuse verlässt, ist vorgegeben.“. Andere berichten Ähnliches. AndroitPit z.B. „eingefleischte Google-Nutzer müssen mit der Gear S2 auf liebgewonnene Apps wie Google Fit und Google Now verzichten und auf Samsung S Health und S Voice umsatteln“ und „Das Armband ist zwar flexibel und komfortabel zu tragen, aber an dem Uhrengehäuse ist es sehr steif und das kann für breite Handgelenke schmerzhaft werden.“.

Samsung Gear steht also nicht nur für ein eigenes Betriebssystem bei sämtlichen Wearables (namens Tizen), sondern auch für den Zwang zu den hauseigenen Plattformen für Healthdaten, Spracherkennung und Informationskarten. Dass man Samsung Gear mit Android benutzen kann, ist somit eine Falschinformation. Gemeint ist nur das Zusammenspiel mit Android-Geräten, aber eben nicht mit den Standard-Android-Diensten, um die es geht. Im Artikel Marktforscher sehen nur langsames Wachstum bei Smart-Watches bei Heise heißt es außerdem: „Für das Betriebssystem Tizen, auf das Samsung bei seinen Smartwatch-Modell setzt, sieht IDC hingegen nur eine eingeschränkte Nachfrage. Die Experten rechnen bis 2020 mit einem Anstieg der Verkäufe von 2,6 auf 3,8 Millionen Geräte, während der Marktanteil von rund 13 auf 7 Prozent fallen werde.“. Kurzum: Samsung ist bei Wearables ein völliges No-go. K.O.-Kriterium ist hier nicht nur das eigene App-Ökosystem (Tizen statt Android Wear), sondern eben vor allen Dingen der Zwang zu den eigenen Datenplattformen. (Hier sieht man, dass es der Industrie nicht nur um den Geräteverkauf, sondern vor allen Dingen um den „digitalen Kapitalismus auf den Sensordaten“ geht — siehe oben.)

Bleibt noch der dritte Blick: Und der geht auf die Apple Watch. Natürlich fällt die gleich raus, weil sie nicht einmal überhaupt mit Android-Smartphones benutzt werden kann. Sie hat nicht nur ebenfalls ein eigenes Betriebssystem (Apple watchOS) und damit App-Ökosystem — und natürlich ebenfalls den Zwang zu eigenen Datenplattformen (Apple Health und Siri) — sondern sogar noch den Zwang zum iPhone. Sie ist eine iPhone-Extention. Kein Wearable. Als Android-User muss ich mir also keine Gedanken machen, ob die Apple Watch einen Nutzen hat oder nicht, denn sie hat unstrittig überhaupt keinen Nutzen, da sie ohne iPhone nicht betrieben werden kann. Ich darf mir aber Gedanken machen, ob ich sie schön finde. Und ich finde. Zumindest manche Modelle.

Beispiel: Apple Watch Series 2 (Aluminiumgehäuse Gold, Armband gewebtes Nylon Kaffee/Karamell, 449 Euro). Alternativ gibt’s das auch 41 Euro billiger, nämlich als Apple Watch Series 1 (Aluminiumgehäuse Gold, Sportarmband Kakao, 349 Euro) plus dem gewünschten Armband (gewebtes Nylon Kaffee/Karamell, 59 Euro) als separates Zubehör. Für die 10% Aufpreis für Series 2 kriegt man die Watch mit einem etwas helleren Display bei grellem Umgebungslicht, etwas wasserdichter und mit einem Not-GPS (mit starkem Akkuverbrauch). Das braucht man alles definitiv nicht, aber man braucht ja auch die ganze Apple Watch nicht, insofern wäre es für den Wiederverkaufswert wahrscheinlich besser, die Series 2 zu nehmen — auch wenn man dann nur 1 Armband hat (aber das zusätzliche Sportarmband braucht man ja auch nicht). Idealerweise würde es die Series 1 gleich zusammen mit einem schicken Armband geben, so dass man mit 349 Euro insgesamt auskäme, was ja auch schon genug Geld ist. Aber leider ist das nicht der Fall — und mangels Android-Support zugleich irrelevant. Denn wer iPhone nicht will, kann eben auch nicht Apple Watch.

Und nun bin ich am Ende. Samsung und Apple scheiden aus den beschriebenen Gründen aus, und im gesamten Bereich von Android Wear finde ich derzeit nichts, was mich optisch anspricht. Ich stoße bei der Recherche allenfalls auf Artikel wie den von 9to5Google: It looks like LG, Motorola and Huawei are jumping off the Android Wear train for this year. Von allen anderen kommt aber leider momentan auch nichts Brauchbares.

Vielleicht ist die Zeit für Smartwatches einfach noch nicht reif. Das Koks muss warten.

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How to watch a DVD

Heute ist Mittwoch. Irgendwie passiert das immer wieder.

Mittwochs abends sind oft Veranstaltungen, zu denen ich gehe. Vorletzte Woche Mittwoch z.B. habe ich im Kunst- und Kulturverein Spedition e.V. in Bremen als Zuhörer an einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung teilgenommen, die in der Veranstaltungsreihe city/data/explosion lief. Das Thema war dieses: „Soft Resistance. Die gesellschaftliche Verhandlung der Benutzung von Smartphones, sozialen Medien und dem Konzept digitaler Enthaltsamkeit.“.

Ich erzähle das hier, weil ich eigentlich das folgende erwähnen möchte und bloß einen Einstieg dafür suchte: Die Referentin aus Nürnberg sprach in dem Vortrag u.a. eine Leseempfehlung für das Techniktagebuch aus. Das ist ein Blog auf tumblr. Ich kannte es bereits, hatte aber bisher nur sporadisch darin gelesen und möchte es an dieser Stelle deshalb auch gar nicht zu rezensieren versuchen. Ebensowenig wie jenen anregenden Vortrag von @evemassacre, dessen Videoaufzeichung hoffentlich im Netz rumgeistert (oder wozu macht man sie sonst?).

Ein kleines Beipiel aber doch zum Techniktagebuch: Einer der Einträge letzte Woche Mittwoch hieß Die Überschall-Hotline. Ich zitiere mal frech den kompletten vorletzten Absatz: „Ich bin platt. Sie hat mich also aufgrund der Telefonnummer, von der ich anrufe, identifiziert. In dem Moment, als sie mich begrüßte, hatte sie vermutlich bereits meine Daten vor sich, und die Frage nach meinem Namen war nur ein kurzer Plausibilitätscheck. Damit ist auch klar, warum ich den Namen nicht buchstabieren musste. Und natürlich steht in dem Datensatz alles, was Samantha sonst noch wissen muss: meine Kartennummer, meine Postanschrift, und so weiter.“

Mich erinnert das an ein Erlebnis im Hörsaal 9 im Südgelände der Uni Erlangen. Mitte der 80er Jahre. Es gab eine Sonder-Veranstaltung mit zwei Vorträgen: Der erste Dozent referierte über die Gründe, warum das Layout der Anschlussdosen für die geplanten ISDN-Pilotprojekte nochmal geändert wurde. Der zweite Dozent, Prof. Herbert Kubicek aus Bremen, war angereist, um uns vor den von ISDN ausgehenden Gefahren zu warnen. Service-Hotlines könnten Anrufer aufgrund ihrer Telefonnummer identifizieren und damit automatisiert Daten über die anrufende Person auf den Bildschirm bekommen.

Was ich damit sagen will: Manche Technik-Themen leben lange. (Zwischen diesem Techniktagebuch-Eintrag und meinem Uni-Erlebnis liegen drei Jahrzehnte!) Andere Technik-Themen aber nicht. Das Medium DVD-Video beispielsweise war nur etwa 15 Jahre relevant. Für mich waren das die Jahre 1998-2013. Jedenfalls bis ich, im Jahre 2016, doch noch mal wieder eine DVD abspielen wollte…

So, jetzt kommt’s! Vorgeplänkel beendet. Zum Stichwort DVD wollte ich hin. Es kam nämlich so, dass ich ganz plötzlich geneigt war, den Film „Guardians of the Galaxy“ kurzfristig zwecks Fortbildung studieren zu wollen. Als Abschweifung sei kurz begründet, warum: Es hat damit zu tun, dass ich mich für Verfilmungen von Marvel-Comics aus den 60er und 70er Jahren generell interessiere und sich folgendes begab. Zunächst zur Ausgangssituation:

  • Avengers: Age of Ultron hatte ich mit meiner Tochter im Kino gesehen.
  • Guardians of the Galaxy, der direkt davor erschien, hatte ich noch nicht gesehen. Ich wusste aber, dass er zur „Phase Two“ der MCU-Reihe gehört, die direkt nach Age of Ultron mit Ant-Man endete. (MCU = „Marvel Cinematic Universe“)
  • Ant-Man hatte ich mal bei Maxdome gemietet und angesehen und kannte damit alle anderen MCU-Filme von Phase 1 und 2 — außer eben GOTG (Guardians of the Galaxy).

Es begab sich nun, dass ich plötzlich gelesen hatte, dass die Figur „Star-Lord“ und andere Guardians in den Infinity Wars mitspielen werden, also in Avengers 3 und 4 — dem seit der Verschiebung der Inhumans geplanten Abschluss von „Phase Three“ des MCU. (Die „Phase Three“ wird aktuell eröffnet. Gestern war die Europapremiere von Civil Wars in Berlin.) Das hatte mich sehr überrascht, denn aus ungeklärten Gründen ging ich bisher davon aus, dass sich die Story-Line der Guardians-Reihe in den Rest des MCU-Plots nicht integriert. Wie auch immer ich dazu kam, das anzunehmen.

Und tatsächlich wurde ich auch eines Besseren belehrt: Ich erinnere mich z.B., dass in Age of Ultron gezeigt wurde, wie eine Figur namens Collector sog. Infinity Stones sammelt. Auch in den Guardians war genau das der Fall. Und auch der Bösewicht Thanos war ein Vorgriff auf die kommenden Infinity Wars bei den Avengers. Es ist also tatsächlich ein Film, der doch richtig dazu gehört (und sei es nur für den Gag mit Howard the Duck beim Collector). Vermutlich lag das Missverständnis an mir: Von den Comics „Guardians of the Galaxy“ hatte ich noch nie vorher gehört.

Aber Schluss mit der Abschweife und zurück zur Technik bzw. zum Stichwort DVD. Ich beschreibe jetzt — kommentarlos im Stil des Techniktagebuchs –, was ich getan habe, um mir GOTG anzusehen. Auch hier zunächst zur Ausgangssituation:

  • Von einer Freundin aus Hamburg hatte ich den Film vor langer Zeit mal auf DVD geschenkt bekommen und wollte dieses Geschenk nun zum Einsatz bringen.
  • Ich wollte den Film auf meinem alten großen Tischmonitor sehen und auf meinem neuen Bluetooth-Kopfhörer hören, den ich meiner Tochter abgeluchst hatte.

Die besondere Herausforderung ergab sich hier also durch die Ausgangssituation. Ich wollte 1. explizit eine DVD ansehen und 2. dafür auch nicht einfach unseren alten Tischfernseher nehmen (bei dem man die DVD an der Seite reinschieben kann). Trotz Chromecast-Erweiterung war der nämlich 1. längst eingemottet (man braucht und will heutzutage keine Fernseher mehr) und hätte vermutlich 2. auch kein Bluetooth gekonnt. Ich habe somit auf ein Notebook als Verbindungsstück zwischen DVD, Monitor und Kopfhörer gesetzt:

Problem 1: Mein Notebook hat kein optisches Laufwerk. Den Monitor kann ich da anschließen, aber die DVD kann ich nicht einlegen. Lösung: Das alte Notebook von 2007 auskramen, das ich 2013 außer Betrieb genommen hatte.

Problem 2: Das alte Notebook funktioniert nicht mehr. Nach dem Einschalten muss man eine Stunde warten, bevor sich überhaupt irgendwas tut. Und auch dann tut sich nicht viel. Die Windows-Installation darauf ist definitiv jenseits ihres Lebenszyklusses angekommen. Lösung: Windows neu installieren. (Für Linux bin ich nicht Freak genug.)

Problem 3: Das Windows des alten Notebooks ist noch ein Windows Vista, das man bestimmt nicht neu installieren möchte. U.a. weil es selbst Google Chrome seit Version 50.0 schon gar nicht mehr für Vista gibt. Und abgesehen davon habe ich auch gar keine Installations-CD. Lösung: Ein aktuelles Windows auf einen USB-Stick runterladen und von dort aus installieren. Das Media Creation Tool (MCT) von Microsoft für Windows 10 ist ja genau dafür da.

Problem 4: Mein altes Notebook kann nicht von USB booten. Man kann es auch nicht im BIOS einstellen. Lösung: Dann eben ein ISO-Image von Windows 10 runterladen (geht ja auch mit dem MCT) und eine daraus DVD brennen. Rohlinge habe ich auf dem Dachboden gefunden. (Ich wusste zufällig gerade, wo die sind, weil ich ihn gerade aus und wieder neu einräumen musste, da er gedämmt wurde.)

Problem 5: Ohne optisches Laufwerk ist schlecht brennen, und wenn das alte Notebook nicht mehr tut, geht’s da ja auch nicht. Lösung: Einfach jemanden fragen, der noch brennen kann. Man muss nur unbedingt dazu sagen, dass man bitte nicht die ISO-Datei auf den Rohling gebrannt haben möchte, sondern eine DVD aus der ISO-Datei. (Zum Glück hatte ich noch einen zweiten leeren Rohling.)

Problem 6: Ich habe keine Lizenz. Auch Windows 10 ist lizenzpflichtig, und man kann nicht die Lizenz von dem Windows Vista dafür verwenden. Lösung: Nochmal nachdenken und dann doch eine haben. Und tatsächlich hatte ich noch eine Lizenz für Windows 7 auf einem eingemotteten uralten Tischrechner — und dessen Key ebenfalls auf dem Dachboden gefunden. Dieser wird von Windows 10 akzeptiert. (Zumindest das aktuelle Windows 10 Threshold tut das. Das neue Windows 10 Redstone soll das angeblich nicht mehr tun, und auch Threshold nur noch bis 29. Juli. Aber noch ist ja April.)

Problem 7: Der Grafikchipsatz des alten Notebooks wird von Windows 10 nicht mehr unterstützt. Lösung: Windows 10 trotzdem installieren. Man findet Infos im Netz, wie das geht. Bei Neuinstallation fällt er auf den „Microsoft Basic Display Driver“ (MBDD) zurück.

Problem 8: Der genannte Not-Grafiktreiber MBDD unterstützt den externen Monitor nicht. (Und auch im Notebook-Deckel ist die Auflösung niedrig und falsch.) Lösung: Den alten Vista-Treiber für den Grafikchipsatz manuell aus dem Netz laden und manuell installieren. Wie das geht, beschreibe ich weiter unten, denn das war echt tricky.

Problem 9: Mein altes Notebook kann gar kein Bluetooth. Lösung: Es Bluetooth könnend machen. In einer Box mit Krims und Krams habe ich einen Bluetooth-Dongle für USB gefunden. Reingesteckt und ging. „Connected“ schrie mir der Kopfhörer ins Ohr. (Ich nenne ihn Audrey III, weil er ab und zu gefüttert werden will.)

Problem 10: Windows 10 enthält gar keine Player-Software für DVD-Video mehr. Lösung: Ignorieren. Dies ist defacto kein Problem, denn ich habe DVDs früher immer schon ausschließlich mit dem VLC Media Player abgespielt, weil der — wie auch der o.g. eingemottete Fernseher mit DVD-Einschub — den Regionalcode ignoriert. (Meine DVD-Sammlung ist ein bunter Mix aus aller Welt.) Und der VLC hat in der Classic-Variante auch heute noch Playerfunktionalität für DVD-Video. (In der Universal-App-Variante übrigens nicht mehr.)

Problem 11: Der VLC Media Player steigt komplett aus, wenn man den Kopfhörer berührt. Das muss man aber ständig, weil so die Hörerlautstärke geregelt wird. Lösung: Disziplin bei den Touch-Gesten lernen. Tippen vermeiden. Konsequentes Wischen beim Verändern der Lautstärke anwenden. Klappt nicht immer, aber dann muss man eben jedes Mal aufstehen, die DVD komplett neu starten (inkl. aller Vorspänne und Menüauswahlen) und die Stelle, an der man im Film war, suchen.

Zum Nachmachen hier noch die versprochenen Details zu Problem 8:

(1) Das Treiberpaket runterladen

Im Netz fand ich dazu dies:

Try these steps :
1. open Microsoft Update Catalog in Internet Explorer 6 or newer (will not work on other browser).
2. accept/Yes when prompting to install an add on.
3. type „radeon xpress 200“ in the search box of this microsoft update catalog page.
4. it will show many result, but what you need is the one with version „7.14.10.8333“ because this is a WDDM which will be compatible with Vista but also with 8/8.1/10
5. download the 2.6MB size if your OS is 32 bit, or the 4.6 MB if your OS 64bit.
6. install this driver manually, if you need the guide please google „install windows driver manually“.
good luck.

Zu den folgenden zwei Punkten fand ich hingegen nichts im Netz, konnte es aber durch Ausprobieren herausfinden:

(2) Das Treiberpaket auspacken

Er hat einen Order mit einer CAB-Datei angelegt, d.h. man kann einfach wie folgt vorgehen:
1. Einen neuen Ordner anlegen
2. In den Ordner mit der CAB-Datei reinnavigieren (Doppelklicks), bis man zur *.inf-Datei kommt.
3. Alle Dateien auf der Ebene mit der *.inf-Datei in den unter 1. angelegten neuen Ordner kopieren.

(3) Den Treiber installieren

Im Geräte-Manager den Treiber, der unter „Grafikkarte“ hängt (heißt „Microsoft Basic Display Driver“ oder ähnlich) mit der rechten Maustaste anklicken und „Treibersoftware aktualisieren…“ auswählen. Dann „Auf dem Computer nach Treibersoftware suchen“ wählen und „Aus einer Liste von Gerätetreibern auf dem Computer auswählen“ klicken. Schließlich auf „Datenträger…“ klicken und zur *.inf-Datei in dem unter (2) 1. angelegten Ordner navigieren und die auswählen.

So also guckt man eine DVD!

I Am GrootBild 1: Beweisfoto (Audrey III nicht im Bild)

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