Die Hausaufgabe

Das Vorwort

Heute ist „Open in Public Day“ 2012. Da soll man peinliche Fotos von sich maximal öffentlich hochladen, sie mit seinem Realnamen verbinden und das mit #oipd12 taggen und teilen. Ich habe eine Hand von mir hochgeladen, wie sie zusammen mit äußerst peinlichem Brotaufstrich zu sehen ist. So richtig wirklich peinlich ist das allerdings nicht, also habe ich beschlossen auch noch einen megapeinlichen Blogeintrag zu schreiben. Hier kommt er.

Die Hausaufgabe

Die Hausaufgabe ist diese: Im „Protokoll Treffen am 18.01.2012“ der Bremer Attac-AG „Genug für alle“ steht unter Punkt „4. Website unter Attac Bremen“ der Text „Weil aber nur wenige Teilnehmer die Texte vor Augen haben, wollen wir diesen Punkt beim nächsten Treffen besser vorbereitet nochmals angehen. Empfehlung an alle: bitte vor der Sitzung die Website mal selbst ansehen“. Eine Website selbst ansehen? Auch das noch! Oh je, oh je.

Auf einem Treffen dieser AG war ich schon mal und hatte auch hier davon berichtet. Auf den letzten beiden Treffen (Dezember und Januar) war ich aber nicht. (Ich bin auch kein Mitglied von Attac. Ich interessiere mich nur immer wieder mal für das Thema Grundeinkommen und ab und zu auch für Leute, die das Thema auch interessiert.) Und ob ich im Februar Zeit haben werde, weiß ich noch nicht. Vorsichtshalber könnte ich aber ja mal die Webseite ansehen, die dann offenbar besprochen werden soll. Wenn das denn schon die Hausaufgabe ist.

Das Drama

Es ist wirklich ein Drama. Laut der Seite http://www.attac.de/genug-fuer-alle auf der Attac-Site gibt es eine bundesweite „anerkannte AG: Genug fuer alle“ mit einer eigenen Site, die dort verlinkt ist. Auf der Seite selber steht eine Kontaktperson und ein Beschreibungstext: „Gegen den verschärften Sozialabbaukurs setzt die AG die Überzeugung, dass alle Menschen, nur weil es sie gibt, das Recht auf ein gutes Leben und auf Teilhabe an der Gesellschaft haben. Das muss sich niemand verdienen und niemand kann es verlieren: Das ist Menschenrecht. Und offensichtlich reicht der vorhandene Reichtum dafür auch aus: Es ist genug für alle da! Mit einem Mindesteinkommen für alle (Grundeinkommen und Mindestlohn) ist niemand zur Erwerbsarbeit gezwungen, aber wer will, soll einen Arbeitsplatz bekommen.“ (Zu diesem tollen Text sage ich weiter unten noch was.)

Und auf der Einstiegsseite der verlinkten Site http://www.grundeinkommen-attac.de/ steht „Unser Arbeitsschwerpunkt: Bedingungsloses Grundeinkommen. Weitere Arbeitsthemen: Globale Soziale Rechte, Arbeitsgesellschaft, Soziale Sicherheit / Hartz IV / Armut, Wachstumskrtitik und Sozialabbau“. Der Begriff Bedingungsloses Grundeinkommen ist dabei mit einem Link auf eine Seite mit inhaltlichen Informationen hinterlegt, wo man eine Übersicht bekommt und wiederum ein Positionspapier verlinkt ist (ein PDF für ein doppelseitiges Druck-Blatt). Im Navigationsbereich links kommt man über „GfA vor Ort“ nach Münster und Bonn. Nach Bremen geht’s hier nicht.

Nach Bremen kommt man aber über die Seite von Attac-Bremen auf einer dritten Site: http://www.attac-netzwerk.de/bremen. Eine eigene Seite hat die Bremer Genug-für-alle-AG dort nicht, und eine eigene Site hat sie auch nicht. Sie hat nur einen kleinen Bereich in der Seite http://www.attac-netzwerk.de/index.php?id=1874 aller Bremer Gruppen. Und der Inhalt dieses Bereichs wiederum ist praktisch unverändert zusammenkopiert aus den beiden o.g. Bundesseiten zu Arbeitsthemen und zur Begriffsdefinition des BGE. Der einzige eigene Inhalt ist die Angabe, wann die Gruppe sich trifft. Und die ist auch noch falsch. (Die richtige Uhrzeit laut Protokoll ist zukünftig 19:30 Uhr.)

Der Überschwinger

Was also fehlt? Wie sollte es sein? Wie geht Webpräsenz richtig? Ich versuch mal, es erst groß zu denken und dann danach auf ein sinnvolles Maß zu verkleinern. Ich fang also mit überschwingenden Vorschlägen an:

Generell sollte sich die Gruppe zunächste einmal überlegen, wie sie ihre eigene Identität in der Öffentlichkeit thematisieren möchte. Will sie nur als Veranstalter von irgendwas auftreten? Oder will sie auch über sich selbst berichten? Z.B. welche Entwicklung der Gruppe geplant und wie der Stand ist, wie sich ihre Strukturen und Prozesse verändern, in welchen Kontext sie eingebettet ist, was sie an wen berichtet, wer mitmacht und warum, usw.?

Außerdem sollte sich die Gruppe überlegen, mit welchem Grad öffentlicher Transparenz sie eigentlich arbeiten möchte. Soll die Außenwahrnehmung das reine Hinterzimmer sein? Oder gibt es Präsenzen in sozialen Netzwerken (z.B. Pages auf Facebook oder Google+)? Und was ist dort zu sehen? Sind die Protokolle öffentlich? Oder gar Namen? Auch Fotos? Und welche der internen Materialien?

Wenn diese Dinge entschieden sind, kann ein Team gebildet werden, das Portal und Streams aufsetzt, die Netzpräsenz mit Leben füllt und die Prozesse definiert, die sie am Leben hält.

Die Erklärung

Zwischendurch darf man auch mal was erklären, was vielleicht nicht jedem klar ist, der nicht so fit im Internet unterwegs ist. Hier zu den eben gefallen Stichworten Portal, Stream und Prozess:

  • Ein Portal ist wie eine Pinwand. Der/die Interessierte geht auf eigene Initiative zu selbstbestimmten Zeitpunkten dort hin, um da Informationen zu finden, nach denen er/sie aktiv sucht und/oder, um über interessante unvorhergehene Dinge stolpern zu wollen.
  • Ein Stream ist wie ein Abonnement. Der/die Interessierte hat nur einmalig Interesse bekundet und will danach aktiv mit Neuigkeiten versorgt werden.
  • Ein Prozess ist eine Vereinbarung, wie sichergestellt wird, dass bestimmte Dinge geschehen. (Wer kommt wann ins Spiel und macht was?) Beispiel: Ein Portal muss gepflegt werden (mindestens Termine aktualisieren). Und ein Stream muss befüttert werden (mindestens Einladungen zu Veranstaltungen einstellen).

Auf der o.g. Bremer-Attac-Gruppen-Seite geht unten ein Link zur http://www.bremer-arbeitszeitinitiative.de/. Da kann man sehen, wie ein Portal aussehen könnte.

Und auf der Attac-Bremen-Startseite kann man sehen, wie ein Stream nicht aussehen sollte. Klickt man auf das leuchtende RSS-Icon oben rechts neben dem Drucksymbol (zum abonnieren des Streams), stellt man fest, dass die letzte Meldung vom 22. März 2011 ist. Der Stream ist tot. Es gibt seit bald einem Jahr keine Infos mehr von Attac-Bremen. Damit wird eine riesige (potentielle) Zielgruppe nicht erreicht. Denn kein Mensch surft heutzutage noch regelmäßig Portale ab.

Die einfache Lösung

Eine einfache Lösung geht auch, denn im Grunde reicht völlig eine ganz kleine Microsite. Ein klitzekleines Portal mit vier Seiten: „Über uns“, „Termine“, „Links“ und „Archiv“. Plus ein gelegentlich mit irgendwas befülltes Blog „Neuigkeiten“.

Und das Portal können auch einfach Seiten innerhalb des Blogs sein. Das kann jede Blog-Software Out-of-the-box. Hier bei mir bei WordPress gibt es z.B. zwei Seiten: „Home“ ist das Blog (der Stream), und „About“ ist das Profil.

Als Ort muss es nicht WordPress oder Blogger sein. Für eine politisch tätige Gruppe ist, vielleicht bewegung.taz.de eine Option, oder auch eine sog. Page auf Facebook. Attac Deutschland ist dort auch jeweils vertreten: http://bewegung.taz.de/organisationen/attac und http://www.facebook.com/AttacD.

Wichtig ist nur, dass es einen öffentlichen Feed gibt (man muss es anonym abonnieren können). Und Einträge mit Permalinks (man muss die Einträge in sozialen Netzwerken teilen können).

Der Inhalt

Wichtigster Inhalt ist vielleicht der Selbstbeschreibungstext im „Über uns“. Vielleicht geht es in der Hausaufgabe ja hauptsächlich darum, hier etwas besseres zu finden als den oben im Abschnitt „Das Drama“ zitierten Text der Bundes-AG auf der Attac-Site. Denn gruseliger als der geht’s wohl nicht. Wer das liest (siehe oben), der liest sinngemäß: Nehmt den Leuten ihr Geld weg und verteilt es an alle. Vor allen Dingen an uns. Arbeiten wollen wir dafür aber nicht, wir wollen es geschenkt. Wir haben ein Recht auf ein gutes Leben und wollen uns das nicht verdienen müssen.

Tja. Wer soll das ernst nehmen? Wie will man so seriöse Menschen erreichen? Da muss die Bremer Gruppe definitiv einen besseren Text finden.

Meine Meinung

Nochmal zu diesem Text: Ich würde mich ja nachdrücklich davon distanzieren, wenn ich denn irgend etwas damit zu tun hätte. Ich habe mich viel mit Grundeinkommen beschäftigt (siehe meine Beiträge in meinem alten Blog), aber das ist nicht meine Botschaft. Grundeinkommen soll Arbeit ermöglichen, nicht abschaffen. Und es soll Leistung gerechter entlohnen, nicht bestrafen. Es ist außerdem auch nur ein Instrument unter vielen. Es ist kein eigenständiges Ziel und kein Selbstzweck. Ja, es impliziert auch Umverteilung, einen unconditional cash transfer. Aber eben nur innerhalb eines emanzipatorisch wirkenden Gesamtpaketes. Es soll die Selbstverantwortung stärken, nicht reduzieren. Niemand kriegt irgend etwas geschenkt. Im Grunde ist Grundeinkommen nichts weiter als die Auflösung seltsamer Begriffswelten — um Arbeit und Eigentum, um Wertschöpfung und Geld — zugunsten eines unverklärteren Blicks. Grundeinkommen ist ein seriöses Thema! Und ein Querschnittsthema über fast alle Themen, die sonst irgendwo diskutiert werden.

Ich meine also: Mit so platten Texten tut sich Attac keinen Gefallen. Einen Vorschlag für einen besseren Text gibt’s von mir allerdings auch nicht, denn ich will hier ja keine sinnvollen Vorschläge machen, sondern bloß einen peinlichen Blogeintrag schreiben. Ganz viel Text um überhaupt keinen Inhalt. Das ist peinlich!

Die Pointe

Ich habe eine Hausaufgabe gemacht. Das ist neu. Denn ich mache nie Hausaufgaben.

Das Fazit

Ich habe dabei eine echte Herausforderung bewältigt. Ich habe eine Webseite selbst angesehen!

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Eine Antwort zu Die Hausaufgabe

  1. Loren schreibt:

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