ARTE

Ich habe noch heute etwas, das man früher viel hatte: Eine Fernsehprogrammzeitschrift. Im Abo. Sie kommt jeden Monat mit der Post. In den Briefkasten.

Diese Zeitschrift publiziert nur das Programm eines einzigen Senders: ARTE. So heißt der Sender. Und dieses Programm gucke ich auch gerade. Die Zeitschrift habe ich nicht im Abo, weil ich das oft mache, dieses ARTE-Gucken, sondern weil mir die Heft-Cover so gut gefallen. Deshalb sammle ich diese Zeitschrift sogar. Ich sammle das ARTE-Magazin. Leider ist jedes Cover durch einen blöden Aufkleber mit meinem Namen drauf verunziert. Das ist der Nachteil beim Abo.

ARTE, wie schon angedeutet, ist ein Fernsehsender. Ich weiß von Arte, dass es lange Zeit umfangreiche sendefreie Zeiten hatte, und dass die Trailer-Endlosschleifen in diesen Zeiten eine höhere Einschaltquote hatten als die eigentlichen Sendungen zur Hauptsendezeit. Ob das immer noch so ist, weiß ich nicht. Ein Blick in die genannte Zeitschrift lässt mich an sendefreien Zeiten eher zweifeln, denn das Tagesprogramm geht von 5 Uhr morgens bis 5 Uhr am nächsten Morgen. Dazwischen ist ja so viel Zeit nicht.

Die Sendung, die ich gerade gucke, wird in Zweikanalton ausgestrahlt. Zumindest über DVB-T. Das ist die heutige Empfangsart über Zimmerantenne seit das analoge terrestische Fernsehen abgeschaltet wurde. Meinen Kabelfernsehanschluss nutze ich nicht. Dort gäbe es ARTE vermutlich sogar in HD, denn es ist öffentlich-rechtliches Fernsehen. Das kriegt man über Kabel in der Regel unverschlüsselt in HD. Aber mein Fernseher kann gar kein DVB-C. Geschweige den HD, Meine Zimmerantenne musste ich hinlegen, um bei ARTE Empfang zu haben. Vermutlich ist der Kanal mit dem Datenpaket, in dem ARTE enthalten ist, horizontal polarisiert.

Die Sendung, die ich gucke, ist ein Dokumentarfilm. Die Zweitsprache bei der Sendung ist französisch. Die Erstsprache ist französisch mit deutschem Voice-over. Für nur-französischen Ton ist der Film zu langweilig, also gucke ich die Erstsprache: Ich sehe Leute, die französisch sprechen und höre andere, die aus dem Off in deutsch reinreden. Eine gute Übung für mein schlechtes Französisch ist das nicht. Aber man muss ja auch nicht immer irgendwas üben. Manchmal gibt es auch in der Erstsprache kein Voice-over, sondern deutsche Untertitel über dem französischen Ton. Die bleiben natürlich auch dann, wenn man auf die Zweitsprache umschaltet. Mit Erstsprache wirkt es jedesmal dramatisch, wenn das Voice-Over ausbleibt.

Im Film werden gerade Schuhe gezeigt. Genauer gesagt laufende Leute. Aber mit nur den Schuhen im Bild. Die Männerschuhe strahlen Kraft und Macht aus. Die Frauenschuhe Unterwürfigkeit. Die Bilder strotzen vor sexueller Spannung. Die Welt onaniert in diesem Moment zu der zeitgleichen Präsentation des iPad 3, und ich gucke einen französischen Film eines Feministen. Auf ARTE. „Die Herrschaft der Männer“ heißt er. „La Domination masculine“ stand auch im Vorspann. Das ist französisch. Französisch wird gern genommen, wenn mir diese Anspielung hier mal erlaubt sei. Ach ja, und Feminist bin ich selber auch. Deswegen gucke ich den Film.

„Dem feministisch eingestellten Filmautor ist ein provokanter Dokumentarfilm gelungen, der unerwartete Einsichten eröffnet.“ steht im genannten ARTE-Magazin. Richtig ist diese Aussage nicht. Zu sehen war bisher nur, dass es Spielzeuge für Jungs und Mädchen gibt und dass Fotografen Bilder retouchieren und dass Gewaltverbrechen auch häuslich vorkommen. Ein bisschen Singles noch mit ihren typischen Vorstellungen und ein bisschen Stripper-Gedöns, sowie eine Penisverlängerung. Danach nur ewig lange Passagen, dass Männer grundsätzlich Gewalttäter sind und Frauen grundsätzlich Opfer. Die laufenden Schuhe sollten das auch verdeutlichen, haben da aber auf ganzer Linie versagt. Wie auch der Filmautor. Der belgische Regisseur Patric Jean.

Anlass für den Film ist der Themenabend „Was Frauen wollen“ als Auftakt zum morgigen Weltfrauentag, der wohl seit 1909 jedes Jahr am 8. März stattfindet. „Ist die Herrschaft der Männer wirklich vorbei?“ fragt ARTE an diesem Abend sendungsübergreifend. Der Auftaktfilm aber wirkt absurd obsolet. Wiedergekäute Verirrungen des Feminismus auf dem intellektuellen Stand von vor Jahrzehnten. Vermischt mit dem altbekannten Müll, den Maskulinisten so absondern. Eine schlechtere Sendung zur Geschlechterthematik habe ich noch nie gesehen.

Nun ist der Film zuende. Er zeigt nochmal viele Fotos von Phallus-Symbolen und ein paar schöne Frauen vor schicken Autos. Eine Aussage hat das nicht.

Es war eine erbärmliche Sendung.

Schade, ARTE.

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