schärfere Bilder

Das ist ja schon ein starkes Stück, diese Änderung bei flickr!

Bisher: Bilder sind bis 1024 Pixel Größe (gemessen an der längeren Kante) abrufbar. Früher ging das nur über die API, seit einiger Zeit aber über „View all sizes“ auch in der Fotoseite direkt. (Mit Browser-Skripten, die die API ansteuern, ging es auch früher schon in der durch sie manipulierten Fotoseite direkt, d.h. eigentlich ging es schon immer.)

Jetzt: Bilder sind bis 2048 Pixel Größe abrufbar. Das sind viermal mehr Punkte und ein sehr deutlich größerer Detailreichtum. Der Detailreichtum ist so deutlich gestiegen, dass man durch Ausschnitte scharfe Bilder einzelner Personen erzeugen kann, die bisher unbrauchbar verschwommen gewesen wären. Die Bilder jetzt plötzlich print-tauglich!

Die Frechheit: Kein flickr-User wurde gefragt. Es wurde einfach umgestellt. Die Einstellung „Who can access your original image files?“ blieb zwar unverändert, ist aber defacto wertlos geworden, weil Bilder mit herunterskalierter 2048er Kantenlänge in der Qualität einem Original oft fast gleichwertig sind.

Die noch größere Frechheit: Die Einstellung „Largest shared image size“ kann man in den Einstellungen zwar wieder auf 1024 herunterstellen — aber nur zahlende Kunden! Wer nicht „pro“ ist, muss damit leben, dass seine Bilder plötzlich in fast Original-Qualität abrufbar sind! Und damit bisher verschwommene Gesichter ungewollt gestochen scharf!

flickr war schon immer dreister als andere, z.B. kann man (anders als z.B. bei ipernity) auch seine EIGENEN Bilder NICHT in Originalgröße sehen, wenn man seinen Jahresbeitrag nicht bezahlt hat. Auch kann man (ebenfalls anders als z.B. bei ipernity) die Bilder anderer User nicht in Originalauflösung sehen, wenn DIE nicht AUCH bezahlt haben.

Aber jetzt hat flickr wirklich den Vogel abgeschossen: Bilder, die man in Originalauflösung hochgeladen hat (und alles andere macht ja überhaupt keinen Sinn), kann man nun nicht mehr auf wenigstens die klassische 1024er Größe Sichtbarkeit beschränken, wenn man nicht zahlt. (Zum Vergleich: Bei ipernity kann man sogar auf 560er Größe beschänken, wenn man das möchte, und das selbstverständlich auch im Gratis-Account.)

Nicht uncool ist natürlich das neue Liquid Photo Page Layout von flickr. Damit kann man auf großen Monitoren in hoher Auflösung durch die Fotos blättern, ohne in eine Slideshow oder in die schwarze Ansicht gehen zu müssen. Man kann also auf der eigentlichen Fotoseite mit den Tags und Kommentaren dran blieben und damit näher an dem eigentlichen Sinn des Foto-Teilens, also dem Feedback und den Metadaten. Und wenn einem die Bilder zu groß sind, macht man einfach das Fenster kleiner. Das ist ein großer Fortschritt.

Dennoch zeigt die ungefragte (und sogar nur gegen Geld wieder abstellbare) Offenlegung bisher privater Daten bei flickr — nämlich der Fotos in sehr hoher Auflösung — wieder einmal, dass alles, was an Daten nicht-öffentlich in die Cloud geschoben wird, irgendwann ungewollt öffentlich verfügbar sein wird. Rückwirkend und gut findbar. Dieser Post-Privacy-Realität wird man keine absurden deutschen Datenschutzgesetze entgegenstellen können, denn letztendlich hat hier am Ende doch immer der Markt alleine das Sagen. Google+ und Facebook haben flickr mit ihren hohen Bildauflösungen und der innovativen Anordnung in Alben (flickr macht das bei Gruppen jetzt auch so) unter Zugzwang gesetzt.

Ein wie gesagt starkes Stück, diese Änderung bei flickr! Mir gefällt’s.

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Eine Antwort zu schärfere Bilder

  1. hlschorsch schreibt:

    Wer Bilder in voller Auflösung bei flickr einstellt, ist selber schuld.

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