Instagram nicht mehr hip

Bei Google+ teilte ich gestern einen Link mit dem Kommentar „Krass. Very very krass.“. Es war ein Link auf einen Bericht bei TheNextWeb, der ein angeblich offizielles Twitter-Statement zitierte:

“We understand that there’s great value associated with Twitter’s follow graph data, and we can confirm that it is no longer available within Instagram.”

Ich möchte hier erklären, warum ich das so krass finde. Angenehmerweise ist das mit wenigen Worten möglich:

  • Der Grund-Usecase bei Instagram ist: 1. Die App installieren (iOS oder Android), 2. Die App mit Twitter verbinden, 3. Allen Freunden folgen. Der Nutzen: Man bekommt so einen schicken Viewer für die Instagram-Fotos seiner Twitter-Kontakte.
  • Der erweiterte Usecase bei Instagram ist: 4. Die App benutzen, um Fotos bei Twitter zu teilen. Sie werden dort wie bei anderen Fotodiensten für Twitter auch sowohl von den Apps (auch den offiziellen) als auch im Webfrontend im Tweet embedded angezeigt. Der Nutzen: Man bekommt mehr Feedback (Favs, Kommentare), nämlich nun nicht nur über Twitter, sondern auch über Instagram.

Was ich also krass finde, ist: Der Grund-Usecase von Instagram geht nun nicht mehr, da das besagte „3. Allen Freunden folgen“ nicht mehr möglich ist. Diese Funktion in Instagram funktioniert nicht mehr, da sie in der Twitter-API für Instagram von Twitter gesperrt wurde. Auch der erweiterte Usecase ist damit defacto verhindert, denn das zusätzliche Feedback bekommt man ja wie gesagt nicht bei Twitter, sondern rein innerhalb von Instagram über seine dortigen Follower. Aber diese Follower wiederum bekam man über den Grund-Usecase seiner Kontakte.

Kurzum: Neuuser von Instagram kriegen mit der App keinen Viewer für die Instagram-Fotos ihrer Twitter-Kontakte mehr, und auch Altuser kriegen keine neuen Instagram-Follower aus den Reihen ihrer Twitter-Kontakte. Bisher war es sogar so, dass die Instagram-App informiert hat, wenn sich ein weiterer Twitterkontakt mit Instagram verbunden hat. Man konnte so den Viewer aktuell halten. Jetzt fällt nicht nur das weg, sondern man wird auch selber nicht mehr gefunden, wenn andere ihre Instagram-App mit Twitter verbinden. Die Folge: Der Nutzen von Instagram für Twitter ist extrem reduziert. Dass so viele Twitter-User Instagram nutzen, ist kein Vorteil mehr für Instagram.

Die Frage ist: Wer ist an dieser Misere schuld? Der Hintergrund ist natürlich, dass Facebook jüngst Instagram gekauft hat, und das für ’ne so gar nicht schlappe Milliarde Dollar. Und Facebook damit nun also über das Wachstum von Instagram mit dem social graph von Twitter Geld verdient. Twitter selber will aber auch Geld verdienen, also geldwerte Informationen (wie seinen social graph) gut verkaufen. Facebook hingegen will seinen eigenen social graph fördern und nicht einen fremden. Die beiden Firmen können somit vom Geschäftsmodell her nicht auf einen Nenner kommen, wenn es darum geht, Apps zu integrieren. Es war nur eine Frage der Zeit, bis entweder Facebook oder Twitter die Verbindung von Instagram und Twitter zerstören würden. Wer da nun die treibende Kraft war (wollte Facebook nicht mehr zahlen oder wollte Twitter mehr Geld?), werden wir wohl nie erfahren.

Ich selber habe Instagram übrigens zwar auch mit Facebook verbunden (noch ist diese Verbindung kein Zwang, aber ich wette, das kommt auch noch) und folge auch dort allen Freunden innerhalb von Instagram. Allerdings teile ich meine Instagram-Fotos nicht bei Facebook und habe auch noch nie Feedback innerhalb von Instagram von Followern aus dem social graph von Facebook erhalten. Facebook und Instagram macht als Verbindung auch überhaupt keinen Sinn. Die Kommentarkultur bei Facebook ist schon unterste Gosse, wer will da auch noch schrecklich filterbearbeitete Handy-Pizzafotos sehen? Instagramer bei Facebook gehören geblockt.

Nun denn, zu Twitter passte Instagram prima, und nun ist das also vorbei. So ist das eben. Es ist ja sowieso ständig was anderes hip. Und noch hat Instagram keinen eigenen Fotostream außerhalb der App. Will man z.B. meine Instagram-Bilder im Web anschauen, muss man derzeit noch über mein Twitter media grid gehen. Das sieht allerdings auch dauernd anders aus. Wie ein Grid jedenfalls aktuell nicht. Momentan muss man da umständlich blättern. Was ist aus den Zeiten geworden, in denen man überall äußerst geschmeidig für jeden Scheiß einen RSS-Feed abonnieren konnte? Da konnte man noch alles zentral in einem RSS-Reader lesen. Der Geheimtip, sowohl für Fotos als auch für niveauvolle Diskussionen, ist aktuell übrigens Google+ (noch so eine RSS-freie Zone). Die intellektuelle Ebene der deutschsprachigen Diskussionen dort erinnert mich an das Usenet der frühen 90er. Mit anderen Worten: Auch die guten Sachen kommen immer wieder. Man muss sie nur finden.

Aber ich schweife ab.

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2 Antworten zu Instagram nicht mehr hip

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