Kommentarkulturen

So vor ’ner Woche gab’s ’nen Rant von Markus Beckedahl auf netzpolitik.org über die ebendortige Kommentarkultur. 347 Kommentare hat dieser Rant bis heute, aber noch viel größer war die Reaktion in der Blogosphäre. Auch andere Medien reagierten, z.B. verwies der Hörfunk DRadio Wissen neben den Print-Reaktionen von FAZ und ZEIT auch auf seinen eigenen Beitrag von Ende Juni: Trolle als Kunstform.

Gelesen habe ich das nicht alles und möchte dem auch fast nichts hinzufügen. Außer vielleicht, dass ich Trollerei so nicht als Problem empfinde, und wenn, dann eher als eine Art Graffity der digitalen Wände. Störung als Kultur. Das passt zu Trolle als Kunstform. Wer da filtert, hat bei mir verspielt. Ich ziehe weiter, wenn ich digitale Sandstrahlgebläse auch nur erahne. Trollerei muss man aushalten, sonst kann man sich gleich auf Regionalzeitung und Fernsehen zurückziehen. Also die reale Welt verlassen und nur noch auf Götzen starren. Auf Verdummungsmedien.

Kommentare produktionsseitig zu filtern, macht deren Gesamtheit zum redaktionellen Teil. Nur wenn die Filtersouveränität beim Konsumenten liegt, kann das Konsumprinzip durch das Internet aufgebrochen werden, kann sich die Diskussionskultur entfalten. Wo nicht getrollt wird, ist auch nichts frei.

Und dass eine Plattform kommentarseitig verslumt, lässt sich sowieso nicht verhindern — man schaue nur mal ins Heise-Forum. Auch eine Realnamenkultur ist da nicht hilfreich (den Link zu einer kürzlich veröffentlichten entsprechenden Studie finde ich gerade nicht wieder), was man exemplarisch unschwer auch selber prüfen kann, indem man nur mal in Diskussionen bei Facebook schaut. Auf der Page der Stiftung Warentest geht es z.B. gerade um die Meldung, dass die GEZ-Gebühr durch einen Rundfunkbeitrag ersetzt wird, bei dem vieles drastisch besser ist:

  • unabhängig von vorhandenen Geräten
  • fällig einfach pro Haushalt
  • in Wohn- und Lebensgemeinschaften zahlt nur noch einer
  • kein Aufpreis mehr für beruflich genutzte Geräte bei Selbständigen
  • gleicher Preis für Zweitwohnungen
  • Gartenlauben nun gebührenfrei
  • Abgleich mit dem Melderegister

Und man schaue sich dort nur mal die Kommentare dazu an. Dazu ist nichts weiter zu sagen.

Vielleicht sind es gerade die großen Foren, und vielleicht auch gerade die mit Niveau, die Trolle so anziehen. Auf der kleinen flickr-artigen Foto-guck- und Blog-Plattform ipernity war Trollerei z.B. nie ein Problem. Dort wurde kürzlich die Veränderung in der Kommentarkultur ausführlich diskutiert. So bierernst, dass ich nicht widerstehen konnte, mich dort mal selbst als Troll zu versuchen.

Dass es nicht geklappt hat, war, was zu beweisen war.

Genial finde ich es übrigens, wenn sich ein Blogautor selber trollt. In Ein Dieb ist besser als ein Occupy-Hipster hat der Beitragsautor mit bisher 24 eigenen Kommentaren schon ein Gesamtkunstwerk geschaffen. Und es ist richtig süß, wie die Leute darauf eingehen.

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