Twitter nun auch nicht mehr hip

In meinem Blogeintrag Instagram nicht mehr hip vom 28. Juli ging es darum, dass Twitter durch eine API-Veränderung den Nutzen von Instagram deutlich reduziert hatte. Spekulationen, inwiefern das mit Facebook als neuem Eigner von Instagram zu tun hat, hatte ich unterlassen. Am Ende des Artikels kam ich auf RSS-Feeds zu sprechen, die ich z.B. bei Google+ vermisse. (Twitter-Streams und Facebook-Pages haben sie noch, auch wenn sie dort verschwiegen werden. Man muss nach Anleitungen googeln, wie man die Feed-URL ermittelt.)

Nun erfahre ich bei Mashable in New Twitter API Drops Support for RSS, dass Twitter ab 5. März 2013 kein RSS und Atom mehr anbieten wird. Technisch könnte man sich mittels 3rd-Party-Anwendungen auf Twitter über die API dann doch noch wieder einen Feed generieren lassen, allerdings kommen diese Anwendungen nur noch über OAuth an die Daten, also nur noch unter Beobachtung und Kontrolle von Twitter, und sie müssen neue Bestimmungen beachten, wie “Don’t resyndicate data. If your service consumes Twitter data, don’t take that data and expose it via an API“. Kurzum: Diese Anwendungen wird es nicht geben.

Es wird also nicht mehr gehen, Streams von Twitter-Usern in Feed-Aggregatoren wie dem Google Reader zu lesen. Für mich ist das einer der wichtigsten Use Cases. Ich erzeuge damit ein durchsuchbares Voll-Archiv meiner eigenen Tweets, sowie ein Buch mit den separaten Streams ausgewählter Kontakte. Ohne Feeds wird Twitter für mich also wieder ein Stück nutzloser und sinnfreier.

Es ist wirklich traurig. Ursprünglich war Twitter ein Server mit einer offenen API für den social graph und die account und search streams, der ein Ökosystem von Anwendungen verband. Nun wandelt es sich in ein geschlossenes abgeschottetes System, dessen echter Nutzwert für die Nutzer gegen null tendiert, weil es immer weniger mit „Internet“ zu tun hat und immer mehr mit einer Parallelwelt. Immer mehr mit dem Konsum eines digitalen Produktes und immer weniger mit digitaler Öffentlichkeit, digitaler Vernetzung und digitalem Leben.

Und dennoch werden die User dort bleiben, so wie sie auch bei Facebook bleiben werden. Von freien Alternativen wie Identica hört man z.B. gar nichts mehr. Andere wie Diaspora waren von Anfang an zum scheitern verurteilt, weil sie mit ihrem Datenschutz-Prinzip vollig am Ziel vorbei konzipiert waren. Ganz gut beschrieben ist das u.a. in Warum Diaspora versagt. Oder: Ein antisoziales Netzwerk für jeden.: „Datenschutz und soziale Netzwerke passen einfach nicht zusammen.“. Auch an momentan so hippe App.net glaube ich nicht, weil es kostenpflichtig ist und damit ein Problem zu lösen versucht (Datenhandel an Werbetreibende), das niemand hat.

Ebenfalls nicht plausibel erscheint es mir, einen größeren Boom der Blogosphäre zu erwarten. Blogs sind mit ihrer Frontend/Backend-Trennung viel zu umständlich zu bedienen und vor allen Dingen viel zu eingeschränkt in den Kommunikationsöglichkeiten. Da hilft es auch nicht, dass Sascha Lobo auf der “re:publica” den Aufruf “Macht 2012 zum Jahr des Blogs!” an das Publikum richtete. Seine sonstigen Prognosen zu Social-Media-Plattformen in dem Vortrag sind u.a. hier zusammengefasst. (Den Vortrag selbst gibt’s bei Youtube. Ich habe ihn bisher nicht gesehen.)

Nun denn, was ist nun meine heutige Botschaft? Alles wird schlechter? Nö! Mein eingangs erwähnter Blogbeitrag endete mit „Auch die guten Sachen kommen immer wieder. Man muss sie nur finden.“ Ich ende daher heute mit der Frage: Wo sind denn die guten Sachen gerade? Gebt mir doch mal einen Tip!

#followerpower

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