Kacheljauche

Alle schreiben sie was über die Jauch-Sendung vom vergangenen Sonntag, in der die Kachelmanns zu Gast waren. Der Spiegel erkennt Nachgeplapperte Lügen, die taz befindet Freispruch aufgehoben, die Zeit erhebt Massive Kritik an Günther Jauch, die FAZ beschreibt die Die Kachelmann-Falle. Sie alle sind sich einig: Jauch habe versagt, weil sich der freigesprochene Kachelmann bei ihm erneut (von den anderen Gästen) beschuldigen lassen musste.

Anders tönen nur die feministischen Medien wie z.B. Emma, die mit „Kranke Opferindustrie“ meldet sich zu Wort titelt oder heute der Freitag mit Warum Männer Kachelmann widersprechen müssen. Aber auch hier sind sich alle einig: Es gebe nur ein einziges zulässiges Problem, nämlich dass Männer Frauen vergewaltigen. Das umgekehrte, also dass Männer falsch bezichtigt werden, gebe es nicht.

Wir haben in den Medien nun also wieder die gleiche Situation wie damals während des Prozesses. Die einen beschreiben das Opfer Kachelmann — die anderen sagen, dass die Opfer immer Frauen sind. Und zwar gleich alle, denn wenn ein mutmaßlicher Täter wegen Mangels an Beweisen „in dubio pro reo“ freigesprochen wird, dann gebe es ja noch mehr Vergewaltigungen — und vor allen Dingen mehr ungesühnte. Also müsse man im Zweifel verurteilen. Der Gesellschaft wegen.

Ich fand diese Polarisierung immer obszön, denn für mich gelten klare Grundsätze:

  1. Dass ein potentiell Unschuldiger verurteilt wird, muss um jeden Preis vermieden werden.
  2. Wenn einer nur „in dubio pro reo“ freigesprochen wird, dann ist er trotzdem als unschuldig zu betrachten.
  3. Der Gegenvorwurf, dass die Anklage im Falle des „in dubio pro reo“-Freispruchs folglich zu unrecht stattgefunden hat, ist aber absolut unzulässig.

Im Fall Kachelmann heißt das konkret: Aus der Unschuldsvermutung von Kachelmann (Vergewaltigung) folgt keine Schuldvermutung (Falschbezichtigung) der Nebenklägerin. Kachelmann darf sich also zu recht als unschuldig präsentieren. Es ist aber ein Skandal, wenn man ihm ein Forum bietet, in dem er der Nebenklägerin eine Falschbezichtigung unterstellen darf. Dass keine Falschbezichtigung vorliegt, ist in seinem Fall genauso erwiesen wie seine Unschuld! Es ist beides ungeklärt geblieben!

Jauch ist also vorzuwerfen, dass er durch das Einladen von Kachelmann den Effekt wiederholt hat, den die Ligitation-PR im Prozess damals in der Öffentlichkeit erzeugte, nämlich die ungerechtfertigte Verurteilung der Nebenklägerin.

Ich bin also anderer Meinung als die oben eingangs genannten Printmedien: Das Opfer der Jauch-Sendung ist die Nebenklägerin, nicht Kachelmann.

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