Pinterest, zum Zweiten

Heute vor einem halben Jahr (2012-05-10) hatte ich in Pinterest, zum Ersten meine ersten Eindrücke zu Pinterest verbloggt. Ich hatte darin eine typisch europäische Sicht auf die Urheberrechtsproblematik eingenommen, die sich ergibt, wenn sich in einem sozialen Netzwerk gezeigte Bilder — am Beispiel Ipernity — in ein anderes soziales Netzwerk — am Beispiel Pinterest — von dort aus herüberziehen lassen. Europäische Sicht heißt: Ich habe ein vermeintliches Problem gewälzt, das keines ist, und dabei den Begriff „geistiges Eigentum“ missbraucht. Heute habe ich ein anderes weiterentwickelteres Bild von der Thematik und kann über meine damaligen ersten Eindrücke nur lächeln. Zeit also für einen Nachfolgeeintrag.

Jenes vermeintliche Urheberrechtsproblem ist inzwischen auch technisch angegangen worden: Die Domäne Ipernity, um die es in meinem Blogbeitrag über Pinterest wie gesagt beispielhaft ging, ist heute für Pinterest komplett gesperrt. Dafür ist über den einzelnen Bildern selber ein Button hinzugekommen, über den man von Ipernity aus ein Bild nach Pinterest pinnen kann. Diesen Button können Ipernity-User generell für ihre eigenen Bilder ausblenden. Per Default ist er erstmal da, so dass Pinterest-User nicht über Gebühr behindert werden. Wer seine Ipernity-Bilder aus Pinterest unbedingt raushalten will, kann das aber eben einstellen. Mir persönlich ist dieser vermeintliche Kompromiss im Grunde egal (Ipernity ist für die Welt nicht von Relevanz — nicht einmal wenn’s nur ums Prinzip geht), aber eigentlich sollte ich ihn nach meinem weiterentwickelten Verständnis unerträglich finden, denn hier werden total unterschiedliche Dinge völlig durcheinandergebracht:

1. Pinterest ist ein Werkzeug, mit dem man das Netz thematisch nach Bildern durchstöbern und diese mit Autorengruppen in Boards sammeln kann. Es ist wie alle Werkzeuge heute transparent und vernetzt einsetzbar, d.h. man hat eine assoziierte Plattform, in der man Boards suchen und folgen kann, so dass man dadurch von der Technik inhaltliche Unterstützung von Menschen vermittelt bekommt. Es entsteht also soziale Interaktion über die Netz-Öffentlichkeit und über den Fair Use von kreativem Material.

2. Ipernity ist eine Plattform, in der man Dokumente ablegen und bereitstellen kann. Einige werden auch inline angezeigt, z.B. Fotos und Videos, andere nur zum Download angeboten. Die Download-Buttons kann man sperren, so dass Ipernity gerne genutzt wird, um Fotos zu zeigen, die man aber nur angucken soll. (Ein großer Nutzen von Ipernity ist auch, dass man Fotos in unbegrenzter Menge als Originaldatei archivieren und auch mit einem kostenlosen Account selber wieder herunterladen kann.)

Kurzum: Gegen eine Nutzung von Pinterest auf den öffentlichen verkleinerten Ipernity-Fotoansichten mitsamt des inhärenten Quellnachweises durch Rückverlinkung kann man eigentlich nichts haben. Genauer gesagt: Kann man nichts haben dürfen. Das Problem ist, dass „Netz-Öffentlichkeit“ und „Fair Use“ für den typisch europäischen „Datenschützer“ und „Geistiges-Eigentum-Schützer“ ein rotes Tuch sind. Den gewaltigen Nutzen, der mit dem (ohnehin unvermeidlichen) Kontrollverlust bei Netznutzung einhergeht, nehmen sie nicht wahr. Sie kämpfen (aussichtslos) gegen den Kontrollverlust und blockieren dadurch nur den Nutzen. Sie sind das eigentliche Problem.

Jedenfalls ist durch nichts zu rechtfertigen, dass einzelne Domänen für Pinterest gesperrt sind. Es kann und darf nicht die Sache eines Ipernity-Users sein, darüber entscheiden zu können, ob ein Pinterest-User ein Bild, das er sehen kann, auch pinnen darf! Das „Recht auf Fair Use“ ist etwas, das an urheberrechtlich geschütztem Material unbedingt mit schützenswert ist. „Datenschutz“ und „geistiges Eigentum“ sind insbesondere in ihrem europäischem Verständnis im Internet-Kontext schwer missbrauchte Unbegriffe. Diesbezüglich leben wir insbesondere in Frankreich und Deutschland leider in den hintersten Entwicklungsländern dieser Welt. Man schaue sich nur an, wie schwer die europäische Gesetzgebung u.a. den Nutzen einiger Dienste von Google und Facebook für die User in Europa beschädigt hat oder zu beschädigen beabsichtigt.

Im Grunde ist es schon witzig: Da ist die Frage, die mich vor einem halben Jahr umtrieb (darf ich fremde Ipernity-Bilder nach Pinterest übernehmen, nur weil es geht?) nun beantwortet (es geht nur noch dann, wenn ich es darf!), und nun habe ich daran auch wieder was zu meckern. Aber die Fragestellung hinter diesem Beispiel war ja auch grundsätzlicher: Wie löst man den Konflikt zwischen gebotenem Fair Use von urheberrechtlich geschütztem Material bzw. den verheerenden Implikationen von Netzüberwachung einerseits und dem Kontrollwunsch über geistiges Eigentum andererseits. Und hier muss man einfach über unvermeidlichen Kontrollverlust und die gedankliche Misskonstruktion des Begriffs geistiges Eigentum im Digitalbereich ausreichend nachdenken, um zu erkennen, dass es diesen Konflikt gar nicht wirklich gibt. Er ist gedanklich und rechtlich konstruiert, und zwar von den gleichen Köpfen, die auf so absurde Ideen wie z.B. das Leistungsschutzrecht kommen.

In diese Falle war auch ich bei meinem damaligen Blogeintrag gelaufen.

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