Niedersachsen

Politik ist das Mitwirken an gesellschaftsverändernden Prozessen. Machtpolitik ist das Mitwirken an Mehrheitsverschiebungen in Parlamenten. Kommenden Sonntag steht wieder eine sog. „Wahl“ an, von der sich so manch einer die eine oder andere Mehrheitsverschiebung erhofft. Diesmal in Niedersachsen.

An Machtpolitik habe ich persönlich kein Interesse und bin daher parteilos und Wechselwähler. Die Wahl der Qual bei der „Wahl“ habe ich diesmal außerdem glücklicherweise nicht, da ich kein Niedersachse bin. Ich wohne im einzigen Lichtblick des tiefschwarzen Lochs Niedersachsen, also in Bremen Stadt, und kenne die geistigen Abgründe, die alle Welt Niedersachsen zuschreibt, gerade mal aus Bremerhaven.

Niedersachsen sei landschaftlich wunderschön, aber Hirn und Wahnsinn liegen dort bei den Menschen so dicht beieinander wie bei den Kühen, so der allgemeine Tenor. Da man bei seinen Äußerungen nicht nur auf die Semantik achten, sondern auch die Symbolik einbeziehen sollte, möchte ich mich dem des lieben Friedens willen offiziell nicht anschließen. Mir geht es hier auch gar nicht konkret um Niedersachen. Da ist nur zufällig gerade Wahl.

Machtpolitik verändert kurzfristige Dinge. Politik langfristige. Machtpolitik kann gar nicht langfristig wirken, weil Politik heute nicht mehr von Parteien gestaltet wird, sondern hauptsächlich außerparlamentarisch getrieben stattfindet. Oft von zunehmend unkontrollierten Regierungen und Lobbyisten — aber immer mehr auch vom gemeinen Volk. Machtpolitik nützt allein Karrieristen, und Parlamente hängen inzwischen mehr als eine Generation hinter der mentalen gesellschaftlichen Entwicklung hinterher. Im Grunde sollte man sich für so eine reine Mehrheitsverschiebungs-„Wahl“ also gar nicht interessieren. Das Prinzip der parlamentarischen Demokratie an sich ist am Ende.

Umso belustigender ist es dennoch, die diversen Wahlempfehlungen von Leuten zur Kenntnis zu nehmen, die sonst eher richtige Politik machen, also außerparlamentarisch langfristig relevante Themen medial adressieren. Der von mir in dieser Hinsicht extrem geschätzte „Tante“ beispielsweise empfiehlt da auch mal was. Ich verrate nicht was, frage mich aber, wie verzweifelt wohl jemand sein muss, der empfiehlt, die SPD zu wählen.

Ein kurzes Zitat aus dem Aufruf: „Niedersachsen ist ja mittlerweile eigentlich nur noch für Politiker, die gerne Geschenke annehmen (Wulff), Internet zensieren wollen (von der Leyen) oder offen Rassisten, Waffennarren und Antidemokraten sind (Schünemann), bekannt. Es wäre schön, wenn dieser wohl uninteressanteste Fleck Deutschlands auch medial in der Versenkung verschwinden würde, die ihm gebührt. Die schwarz-gelbe Regierung hat hier in den letzten Jahren schlecht gewirtschaftet, innenpolitisch Brandstiftung betrieben und bildungspolitisch an absurden Ideen festgehalten.“ […] Die Linkspartei (welche in Niedersachsen eher ein Zusammenschluss verwirrter Menschen mit Diskussionsniveau eines Hochschulstudierendenparlamentes ist) ist keine Option, Stimmen in die Richtung nutzen nur der CDU. Die Piraten in Niedersachsen sind vor allem ein selbstzerstörerischer Chaoshaufen, der es nicht schafft Antisemiten und Holocaustrelativierer auszuschließen und einen Esoteriker als Spitzenkandidaten ins Rennen schickt. […] Piratenwähler und -wählerinnen: Bitte macht am Sonntag was schönes und geht nicht wählen. Danke.“

Tante ist eben immer wieder lesenswert. Auch wenn er wie hier mal etwas an sich Absurdes tut, nämlich eine wie auch immer schwach ausgeartete positive Erwartungshaltung in Richtung SPD zu hegen.

Gut dass ich am Sonntag nicht wählen muss! (Ich wüsste nicht, was.)

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