Windows 8.1

Diesen Beitrag veröffentlichte ich bereits im Oktober bei Medium und drohte dort, ihn vielleicht irgendwann hierher zu übertragen. Ob er es wert ist, weiß ich nicht, denn eigentlich entstand er nur als Testtext für den genialen Medium-Editor. Im Grunde genommen sollte ich hier lieber was über Medium schreiben als meinen dortigen Testtext zu kopieren, aber dazu habe ich gerade keine Lust. Daher hier also was zu meinem ersten Eindruck von Windows 8.1 (Stand Oktober 2013):

Der erste Eindruck ist immer der erste — nur für Windows 8.1 gilt das nicht. Denn mein erster Eindruck sagt, dass ich es schon kenne. Es ist eine Wiederholung der vorherigen Version.

Seit dem 17. Oktober ist im Windows-Store ein Update auf Windows 8.1 kostenlos erhältlich. Nur 12 Tage später, am 29. Oktober, habe ich mich auch getraut, es zu installieren. Neugierig war ich, ob sich in Sachen Kachel-Apps etwas getan hat, insbesondere an deren Integration in den Workflow mit den Desktop-Anwendungen. Und jetzt gerade bin ich auch dazu gekommen, mir das kurz anzuschauen. Dazu zunächst kurz ein Rückblick auf die vergangene Windows-Version.

Von Windows 7 zu Windows 8

Mit Windows 7 war die Welt noch einfach. Es gab einen Hintergrund, den sog. Desktop, und es gab zwei Anwendungs-Typen, nämlich Desktop-Anwendungen und Web-Anwendungen. Desktop-Anwendungen liefen als Fenster auf dem Desktop und Web-Anwendungen im Fenster spezieller Desktop-Anwendungen, den sog. Browsern. Meist benutzte man nur einen einzigen Browser; der brauchbarste war zu Zeiten von Windows 7 wohl der Mozilla Firefox.

Mit Windows 8 war es komplizierter geworden, denn es waren zwei weitere Hintergründe hinzugekommen (“Start-Bildschirm” und “Apps-Bildschirm”), sowie ein neuer Anwendungs-Typ, die sog. Kachel-Apps. Es gab jetzt also plötzlich drei Hintergründe und drei Anwendungstypen, und leider war das Zusammenspiel aller Hintergründe und Anwendungstypen sehr ungeschmeidig.

Die neuen Kachel-Apps passten auch nicht mehr so ganz zum Begriff “Windows”, denn sie liefen weder als Fenster (wie Desktop-Anwendungen) noch in Fenstern (wie Web-Anwendungen), sondern komplett fullscreen. Out-of-the-box waren in Windows 8 nun aber gängige Dateitypen (z.B. PDF oder JPG) mit Kachel-Apps assoziiert, was zu irritierendem Verhalten führte:

  • Man klickte auf eine Datei auf dem Desktop und erhielt aber kein Fenster, sondern der gesamte Desktop verschwand. Schock!
  • Schloss man die geöffnete Kachel-App, die den Inhalt der Datei anzeigte, dann wieder (das ging wie bei Desktop-Anwendungen mit Alt-F4), dann landete man aber nicht wieder zurück auf dem Desktop, sondern auf dem Start-Bildschirm. Nochmal Schock!

Dieses Problem ließ sich natürlich leicht lösen, indem man selber allen Dateitypen Desktop-Anwendungen zuordnete, also Kachel-Apps als Datei-Bearbeiter verbannte. Dann passierte beim Öffnen von Dateien in Windows 8 wieder das Gleiche wie bei Windows 7, d.h. es erschienen Fenster auf dem Desktop.

Manchmal startet man Anwendungen ja aber nicht über Dateien, sondern direkt. Das funktionierte in Windows 8 auch genauso wie bei Windows 7 (Windows-Taste drücken, dann die Anfangsbuchstaben des Anwendungsnamens tippen und schließlich Enter, sobald sich die Auswahl durch das Tippen auf einen Namen reduziert hat). Nur wurde es in Windows 8 visuell anders darstellt:

  • Nach dem Drücken der Windows-Taste ging kein Start-Menü mehr auf dem Desktop auf, sondern der Hintergrund wechselte auf den grellbunten Start-Bildschirm mit seinen blinkenden Kacheln. Schock!
  • Nach dem ersten Tastendruck zum Anwendungsnamen wechselte der Hintergrund gleich schon wieder, nämlich jetzt auf den Apps-Bildschirm. Nochmal Schock!

Auch dieses Problem ließ sich leicht lösen, nämlich indem man einfach sämtliche Kacheln von dem Start-Bildschirm entfernt hat. Das machte den optischen Bruch erträglich. Auch hier war die Lösung also eine Total-Verbannung der Kachel-Apps. (Wer lieber mit der Maus ein klassisches Startmenü auf dem Desktop bedienen wollte, konnte zusätzlich z.B. über die Freeware Classic Shell ein ebensolches nachrüsten. Windows 8 selber hatte gar kein Startmenü mehr. Oft rüsteten Hersteller — Lenovo und Samsung z.B. — diese Funktionalität bei ihren Notebooks auch mittels einer eigenen Software nach.)

Bild 1Bild 1: Die einzige Kachel-App, die ich zu Zeiten von Windows 8 aus dem Store installiert hatte — eine nette Übersicht über die Clean Code Developer Grade.

Wirklich schlimm waren die Änderungen an Windows 8 also nicht, und genau genommen wurden einige Dinge sogar einfacher, denn ich habe in diesem Text zwei Quasi-Anwendungstypen unterschlagen, die es zu Zeiten von Windows 7 auch noch gab: Desktop-Widgets (Erweiterungen der Desktop-Funktionalität) und Browser-Plugins (Erweiterungen der Browser-Funktionalität). Desktop-Widgets gab es in Windows 8 gar nicht mehr, und der meist eingesetzte Web-Browser war zu der Zeit inzwischen Google Chrome, der die einst beliebten Plugins des Firefox-Ökosystems nicht unterstützte. Diese beiden Quasi-Anwendungstypen fielen also ersatzlos weg, was nicht nur der Einfachheit, sondern auch der Stabilität, Performance und Sicherheit durchaus zuträglich war.

Was sich aber eben nicht etabliert hat, waren die neuen Kachel-Apps. Sie passten einfach nicht in den Workflow eines Benutzers des Windows-Desktops. Aber auch der Bruch bei Links ins Web innerhalb der Programme war bei Kachel-Apps größer als bei Desktop-Anwendungen:

  • Bei Desktop-Anwendungen erfolgte der Bruch an erwarteten Stellen, und es ging einfach ein zusätzliches Browserfenster auf.
  • Bei Kachel-Apps war der Bruch ins Web nicht nur von der Bedienung her meist unerwartet, sondern auch deutlich schwerwiegender, da mitten in der Bedienung der App plötzlich die ganze App verschwindet und der Desktop (mit einem Browser drin) aufgeht. Schock!

Kurzum: Kachel-Apps in Windows waren schlichtweg unbenutzbar, und die Verkomplizierung des Umgangs mit Desktop-Anwendungen durch die zusätzlichen Hintergründe in Form von Start-Bildschirm und Apps-Bildschirm ein Ärgernis. Auch die Maus- und Tastatursteuerung war inkonsistent und die Einstellungsmöglichkeiten insgesamt verstreut und unvollständig. Weitere Anekdoten:

  • Hatte man bei Windows 7 z.B. noch kritisiert, dass der Ausschaltknopf unter “Start” zu finden war, so war er in Windows 8 nun noch versteckter in den “Einstellungen” des Charmes-Menüs, das bei bestimmten Mausbewegungen am rechten Rand des Desktops erschien.
  • Klickte man in diesem Charmes-Menü dann auf “Teilen”, kam die Meldung “Vom Desktop aus kann nichts geteilt werden.”. Man fühlte sich dann doch leicht verarscht.

Fazit: Was gegenüber Windows 7 neu war in Windows 8 passte einfach vorne und hinten nicht, aber man lernte, damit umzugehen. Die Frage ist: Passt es nun unter Windows 8.1 besser?

Bild 2Bild 2: Kostenloses Update auf Windows 8.1 im Store

Von Windows 8 zu Windows 8.1

Ob ich hierzu wirklich jetzt schon was schreiben sollte, überlege ich mir gerade ernsthaft, denn wie eingangs erwähnt habe ich Windows 8.1 bisher nur kurz gesehen. Ein paar Dinge sind mir aber sofort aufgefallen, z.B. zur Suche:

  • Die Suche auf dem Apps-Bildschirm schränkt beim Tippen nicht mehr die sichtbaren Apps ein, sondern ist nur noch in einer Spalte am rechten Bildschirmrand aktiv.
  • Windows-Q vom Desktop aus wechselt nicht mehr auf den Apps-Bildschirm, sondern blendet nur noch die neue Suchspalte des Apps-Bildschirms am rechten Bildschirmrand auf dem Desktop ein. (Das Gleiche gilt, wenn man über das Charmes-Menü auf Suchen geht.)
  • Die Suche umfasst nun Apps, Einstellungen, lokale Dateien und Bing gleichzeitig.

Blöd ist: Die Anmeldung des Users erfolgt nicht mehr mit dem lokalen Passwort, sondern mit dem Passwort des verbundenen Microsoft-Accounts! Da ich mich damit nicht jedesmal anmelden möchte, musste ich den lokalen Passwortschutz ganz abschalten!

Die aus der Presse bekannteste Änderung wiederum ist gar keine: Unter Windows 8 erschien ein Start-Button, wenn man die Maus in die linke untere Ecke fuhr. Ein Linksklick wechselte auf den Start-Bildschirm, ein Rechtsklick öffnete das Windows-X-Menü. Beides ist in Windows 8.1 unverändert geblieben, nur dass der Start-Button jetzt immer sichtbar ist und anders aussieht.

Bild 3Bild 3: Die Info-App für Newbies nennt auch einige Neuigkeiten in Windows 8.1

Insgesamt scheinen mir fast alle Änderungen nichts am Konzept von Windows 8 ingesamt zu ändern, sondern nur dessen optische Brüche abzuschwächen. Im Kontext-Menü der Taskbar gibt es z.B. ein neues Tab “Navigation”. Hier kann man jetzt lauter Dinge zum Start-Bildschirm einstellen, z.B.

  • dass der Start-Bildschirm das gleiche Hintergrundbild hat wie der Desktop
  • dass beim Linksklick auf den Start-Button (oder Druck auf die Windows-Taste) nicht mehr der Start-Bildschirm geöffnet wird, sondern der Apps-Bildschirm
  • dass beim Schließen einer Kachel-App nicht mehr auf den Start-Bildschirm gewechselt wird, sondern auf den Desktop

Installer von Windows-Anwendungen (und auch von Kachel-Apps) verändern den Start-Bildschirm nun auch nicht mehr. Man muss nun alle Kacheln selber anlegen (und hat jetzt vier statt zwei Kachelgrößen zur Verfügung). Man kann den Start-Bildschirm also auf Wunsch besser vermeiden — oder eben individueller gestalten. Und vor allen Dingen: auch beides!

Tatsächlich findet sich meine ursprüngliche Vermutung also bestätigt, dass es mit Windows 8.1 vielleicht eher möglich ist, sich neben dem Workflow um Desktop- und Web-Anwendungen auch mal mit Kachel-Apps zu beschäftigen. So jedenfalls mein erster Eindruck. Ob sich der in der Praxis dann hält, wird sich zeigen. Vielleicht auch nicht, denn die meisten Dinge sind komplett unverändert: Auch bei Windows 8.1

  • muss man selber allen Dateitypen Desktop-Anwendungen zuordnen, wenn man keine Kachel-Apps als Betrachter möchte, denn auch da sind manchen Dateitypen Out-of-the-box immer noch Kachel-Apps zugeordnet.
  • zeigt Alt-Tab auf dem Desktop neben den Fenstern auf dem Desktop auch Kachel-Apps als angebliche Fenster an, während Windows-Tab hingegen nur Kachel-Apps zeigt — und den (stets auch mit Windows-D zu erreichenden) Desktop als vermeintliche App.
  • gibt es mehrere Stellen, an denen man Systemeinstellungen ändert (die “Systemsteuerung” auf dem Desktop, eine Kachel-App “PC-Einstellungen” und die Gerätehersteller-App “Settings”).

Letztendlich hat sich auch sonst kaum was geändert. Dass man über das Windows-X-Menü nun auch den Rechner neu starten kann, ist wohl kaum der Rede wert. Es ist eher unverständlich, warum das mit Windows 8 nicht auch schon ging.

Ganz nett ist, dass die gleichen Tastenkombinationen, mit denen man Fenster auf dem Desktop anordnet (Windows-Pfeiltaste), nun auch Apps anordnen (von denen eine auch der Desktop sein kann). Bild 4 zeigt ein Beispiel einer Split-Screen-Darstellung einer seit Wochen defekten Web-Anwendung (links im Bild), die es als Desktop-Anwendung nicht gibt, wohl aber als Kachel-App (rechts im Bild):

Bild 4Bild 4: Split-Screen-Anzeige mit Desktop und einer App

Mit Windows-Runterpfeil kann man jetzt eine App aus dem Blick schieben, ohne sie zu beenden, was einem bei Rechnern ohne SSD viel Wartezeit beim Wieder-Starten erspart. Unter Windows 8 musste man dazu noch vertikal von oben nach unten über den ganzen Bildschirm streichen.

Insgesamt sind die kleinen Detail-Änderungen in Windows 8.1 gegenüber Windows 8 nach meinem ersten Eindruck überwiegend eher positiv zu bewerten. Ganz ungefährlich war das Update ja nicht, denn wer den neuesten Grafiktreiber für mein Gerät vor dem Update installiert hatte, der hatte hinterher einen schwarzen Bildschirm und durfte das Gerät auf den Werkszustand zurücksetzen oder irgendwie von der Seite einen älteren Grafiktreiber installieren, mit dem dann aber nicht mehr alles funktionierte (z.B. die Regelung der Bildschirmhelligkeit). Bei mir erschien das Treiber-Update über die Gerätehersteller-App aber zum Glück erst nach dem Update auf Windows 8.1.

Bild 5Bild 5: Windows 8.1 hat mehr Einstellungs-Möglichkeiten in der Kachel-App als Windows 8

Zum Schluss noch ein Tip

Ein Problem mit Windows 8.1, dessen Lösung ich mir ergoogeln musste, und unter Anwendungen auf Windows 8.1 unscharf/blurry schließlich gefunden habe, ist dass Windows 8.1 eine automatische Bildschirmskalierung hat, und zwar individuell für jeden angeschlossenen Bildschirm und für jede Anwendung. So waren bei mir die Schrift und die Icons ausgerechnet in Chrome unscharf, weil durch Bitmap-Skalierung auf 125% vergrößert.

In der Systemsteuerung unter “Darstellung und Anpassung” > “Anzeige” die Skalierung auf “Kleiner” zu stellen, hat in Chrome zwar geholfen, aber dann waren wiederum im FastStone Image Viewer die Schrift und die Bilder nicht nur unscharf (hier jetzt durch Bitmap-Skalierung auf 75% verkleinert), sondern wegen Winzigkeit gar nicht mehr lesbar. So ging es also nicht.

In einem zweiten Versuch hatte ich die Skalierungstärke dann zurückgestellt auf “Mittel” und “Skalierung bei hohem DPI-Wert deaktivieren” in den Eigenschaften von chrome.exe ausgewählt. Danach waren zwar Chrome und Faststone nun beide auf scharfen 100%, aber das half nicht bei den anderen Anwendungen, die kein HighDPI unterstützen (und das sind fast alle) und immer noch auf 125%-Bitmap-Skalierung standen.

Die bessere Lösung war es dann, Windows 8.1 auf die Betriebsart von Windows 8 zurückzustellen (Häkchen setzen bei “Manuell eine Skalierungsstufe für alle Anzeigegeräte auswählen”) und die Stufe auf “100%” zu setzen. Die neue automatische Bildschirmskalierung von Windows 8.1 kann man eben nur dann sinnvoll nutzen, wenn alle eingesetzten Anwendungen HighDPI-fähig sind (also keine Bitmaps skalieren).

Bild 6Bild 6: Einige Einstellungen finden sich weiterhin nur in der Systemsteuerung — die Probleme mit HighDPI-Displays haben sich unter Windows 8.1 verschärft

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Eine Antwort zu Windows 8.1

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