Amazon

Keine Angst, ich schreibe jetzt nichts über Amazon. Das war nur ein Locktitel für diesen Blogeintrag. Wer gerne etwas über Amazon lesen möchte, muss aber nicht traurig sein, denn es ist Vorweihnachtszeit, und es werden sicher zahlreiche Presseerzeugnis-Produzenten ihre das Jahr über erarbeiteten Anti-Amazon-Texte genau jetzt in den Markt tragen. Über einige bin ich auch schon gestolpert: Bei Google+ hat die taz am 20.11. einen Bericht der (deutschsprachigen) Le Monde diplomatique verlinkt, bei Facebook hat jemand heute einen Link auf die Süddeutsche Zeitung zum Thema gebracht.

In diesen beiden (übrigens durchaus lesenswerten!) Anti-Amazon-Artikeln geht es zwar gar nicht um Amazon, sondern um die Arbeitsbedingungen in dieser Branche, aber egal. Man kriegt ein gutes Gewissen, wenn man irgendjemand Konkretem die Schuld an allem Möglichen gibt, und dafür ist Amazon prima geeignet. Laut einem Artikel der Wiener Zeitung derstandard.at ebenfalls vom 20.11. soll die sechste internationale Buchmesse „Buch Wien“ auch mit einer sachlichen Analyse von Amazon eröffnet worden sein: „Wenn ich eine Firma hasse, dann diese!“ soll es in der Eröffnungsrede geheißen haben, und weiter „Sollte es mir vergönnt sein, den Tod dieser verhassten Firma noch zu erleben – was leider nicht sehr wahrscheinlich ist – werde ich mit einem Jubelruf auf den Lippen ins Grab sinken“.

Hier stirbt plötzlich das Buch an sich, und auch daran sei Amazon schuld. Mit „Ebenso katastrophal wie die mir verhasste Firma sind tumbe neue politische Gruppierungen, deren oberstes Ziel es ist, die Urheberrechte zu schleifen und gleich alles kostenlos ins Netz zu stellen“ disqualifizierte sich die Rednerin dann auch sofort als tumbe Idiotin. Das geistige Niveau der Menschen, die vor großem Publikum sprechen dürfen, ist oft halt nicht größer als das der Menschen, die vor großem Publikum schreiben dürfen.

Amazon ist übrigens auch daran schuld, dass mein Monitorbild unscharf ist. Mein Notebook kann nämlich entweder D-SUB <-> D-SUB (analog) oder HDMI <-> DVI-D (digital) mit dem externen Monitor verbunden werden, aber ich habe nur ein D-SUB-Kabel. Ein Bekannter aus der IT-Branche empfahl mir für die Digitalverbindung die AmazonBasics-Kabel, mit denen er in seiner Firma die besten Erfahrungen gemacht hat (es gibt ein Produktsegment „Amazon-Exclusive Electronics and Accessories“, das vermutlich auch mit für den Weltuntergang verantwortlich ist). Ich wollte aber lieber Ladengeschäfte unterstützen und war deshalb gestern bei Conrad. Da gab es das Kabel, das Amazon für 8 Euro in anerkannt guter Qualität hat, nur als mutmaßlich billige Variante in fraglicher Qualität, so dass ich mich nicht zum Kauf durchringen konnte. Außerdem kostete es nicht 8 Euro, sondern 37. Ein Aufpreis, den man nicht wirklich gerne dafür zahlt, dass man potentiellen Schund ohne Rückgaberecht und GAR keine Beratung kriegt. Und deshalb habe ich nun auch GAR kein Kabel.

Ok, dass das Bild mit der Analogverbindung unscharf ist, bilde ich mir auch bloß ein (die Verbindung ist seit Jahren analog und scharf), so dass ich eigentlich gar kein Problem habe, aber das ist ein anderes Thema. Das Thema dieses Blogeintrags ist ja, dass ich nichts über Amazon schreibe. Warum also habe ich das Digitalkabel nicht bei Amazon bestellt? Warum bin ich vor dem letzten Klick zurückgeschreckt (es fehlte nur noch der allerletzte für die abschließende Bestätigung des Auftrags)? Glaubte ich irgendwo tief in mir allen Ernstes, ich würde etwas Gutes tun (für den Markt oder für irgendwo Erwerbstätige oder für was auch immer), wenn ich dort nicht kaufte? Und hatte ich das Thema nicht schon im Februar auf Twitter erschöpfend ausdiskutiert?

arbeitsbedingungen

Nun denn, zu Conrad gehe ich nie wieder hin. Die Menschenmassen, das flimmernde Licht, die grausige Kaufberieselungsmusik, das ganze Shopping-als-Selbstzweck-Ambiente und die in jedem Segment dann doch geringe Auswahl und die völlige Beratungslosigkeit (und das auch noch bei astronomischen Preisen und ohne Rückgabemöglichkeiten) ertrage ich nicht noch einmal. Vielleicht suche ich mir als Nächstes mal ganz kleine Läden. Bei so einem habe ich mir z.B. kürzlich für 40 Euro eine (Markenoriginal-)Gegenlichtblende im Amazon-Wert von 23 Euro gekauft. Dafür musste ich dreimal hin (einmal wurde um 2 Minuten vor halb sieben vor meiner Nase das Rolltor runtergelassen, einmal um den Artikel zu bestellen und einmal um ihn abzuholen), was jedesmal wegen der kundenverachtenden Öffnungszeiten eine immense logistische Herausforderung war. Darüber, was mir hier Amazon an Nutzen auch weit jenseits des gesparten Geldes gebracht hätte, mag ich gar nicht nachdenken.

Aber das tue ich ja auch nicht. Ich denke nicht an Amazon, und ich schreibe nicht darüber. Und übermorgen beginnt die Vorweihnachtszeit dann so richtig.

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