Westworld

Gestern abend dachte ich einen Moment lang, dass ich manchmal doch ganz schön „konsumorientiert“ bin, also — wie wissen.de den Begriff erklärt — „den Schwerpunkt auf den Erwerb u. Genuss von Konsumgütern legend“. Ich hatte mich nämlich stark für zwei Dinge interessiert: Für die neue Fernsehserie „Westworld“ und für das Google Event, in dem die „Pixel“-Handys und einige andere Sachen vorgestellt wurden. Für beides zusammen ging fast der ganze Abend drauf.

Auf den zweiten Blick war es aber doch keine Konsumgier, die mich getrieben hatte, sondern mein Interesse für langfristige Entwicklungstrends der Gesellschaft. Denn bei „Westworld“ geht es ja (angeblich) nicht (nur) um unterhaltsame Zeitver(sch)wendung auf dem Sofa, sondern (auch) um die Analyse von menschlicher Kultur und der Potentiale künstlicher Intelligenz. Im ZEIT-Artikel Futter für die Junkies heißt es sogar „Die HBO-Serie ‚Westworld‘ ist eine Parabel auf den modernen Serienrezipienten.“. Sowas mag ich ja besonders, wenn gewollt (auch) der Zuschauer das (eigentliche) Thema ist.

Im FAZ-Artikel Roboter sind doch die besseren Menschen steht „‚Westworld‘ wirft Fragen der Gegenwart auf. Etwa, in welchem ethischen Kontext künstliche Intelligenz zu verorten ist.“. Nun ist das bei Science Fiction nicht überraschend, bei der es immer um die Zeit geht, in der sie entsteht, und nie um die Zeit, in der sie spielt. Die Frage ist vielmehr, wieviel Intelligenz die Serienmacher von den Zuschauern einfordern. Bei der Serie „Extant“ beispielsweise, von der ich zwei Staffeln gesehen habe, hatte der Produzent Steven Spielberg seine religiöse Überzeugung zum Thema menschliche, künstliche und außerirdische Intelligenz lediglich zum wiederholten Male in identischer Form als oberflächliche Botschaft implementiert und in der von ihm gewohnten Kitschigkeit inszeniert. Von „Westworld“ verspreche ich mir nach der Lektüre der Berichte sehr viel mehr.

Auch das andere Thema des Abends, das Google Event, passt zum Thema Künstliche Intelligenz, denn die Fragestellung war nicht, was Google für Produkte herausbringt, sondern sie war viel abstrakter: Was ist Googles Strategie insgesamt? Was ist seine Taktik? Wie steht das zu den sog. „Megatrends“ Globalisierung, Digitalisierung und Individualisierung? Die Antwort, die Google gestern auf die Strategiefrage gegeben hat, ist nämlich, dass das nächste große Dinge nach „Google Search“ der Google Assistant werden soll. Eine Künstliche Intelligenz. Und die Taktik ist, das Google jetzt auf Apple macht, also statt Schrott für Nerds anzubieten („Nexus“-Produkte) nun auf übergreifend zusammenspielende Edel-Produkte setzt und zum vertikal integrierenden Hardware-Hersteller mit exklusiver Software und Cloud-Diensten mutiert — und dafür sogar bewusst der eigenen Android-Plattform schadet, wie es Golem im Artikel Google Assistant schadet der Android-Plattform treffend bemerkt.

Aber zurück zum Konsum. Die neue Google-Welt interessiert mich überhaupt nicht. Wer Simon Sineks Buch Start With Why gelesen hat, der weiß, dass für die Leute das Gefühl kaufentscheidend ist, warum eine Firma ein Produkt entwickelt hat. Und gefühlt will Google einfach nur an sämtliche persönlichen Daten ran. Apple hingegen will gefühlt lediglich an sämtliches Geld. Dafür stehen Apple-Produkte aber auch für Status und Werterhalt, während hochpreisige Google-Hardware eher peinlich ist, sowie alle Google-Software-Dinge ständig von Einstellung bedroht. Der Google Assistant mag schlauer sein als Apples Siri oder Amazons Alexa (und erst recht als Microsofts Cortana), aber ich mag ihn nicht. Einfach wegen des subjektiven Warums seiner Existenz. Ich will keine künstliche Intelligenz von Google!

Außerdem ist die Frage berechtigt, ob wir mit dem heutigen Deep Learning-Ansatz wirklich schon viel näher an Künstlicher Intelligenz sind als mit den Prolog-Programmen aus den 80er Jahren, in die damals insbesondere Japan (am Ende erfolglos) so viel investiert hatte. Falls nicht, geht es letztendlich erstmal nur um den Handel mit den Daten. Technologiekonzerne verbünden sich bei künstlicher Intelligenz stand allerdings vor ein paar Tagen im Spiegel. „Google, Facebook, Amazon, IBM und Microsoft bündeln ihre Kräfte für eine neue Partnerschaft bei der künstlichen Intelligenz“ heißt es darin. Um „Ethik, Fairness und Inklusivität, Transparenz, Datenschutz und Interoperabilität“ bei der „Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI-Systemen“ soll es gehen. Apple ist nicht dabei, aber die forschen bestimmt auch. Das Thema kommt auch in einigen Megatrend-Übersichten vor. In der von zukunftsstark.org ist es Punkt „13. Intelligente Produkte und Infrastrukturen“ und etwas weniger ambitioniert formuliert. Dort geht es nur um „Einbinden aller Alltagsgegenstände in ein digitales Netzwerk“ und „Vereinfachte Benutzerführung bis hin zur Vollautomatisierung“. Ich glaube auch, dass eher das Internet of Things ein Thema der nächsten Jahre wird als wirklich irgendeine Künstliche Intelligenz.

Insofern kann ich mich erstmal auf die Frage konzentrieren, wie ich mir „Westworld“ denn nun anschauen kann, denn die vielen Berichte, die ich dazu gestern während der Live-Übertragung des Google-Events gelesen habe, lassen es doch recht vielversprechend und interessant erscheinen. Das oben erwähnte Extant hatte ich damals bei Maxdome im Flatrate-Paket gesehen. Inzwischen gibt’s das bei Amazon Prime (auch Flatrate). Aber wo gibt’s Westworld? Neben Maxdome und Amazon habe ich ansonsten nur noch Netflix. Der oben verlinkte Artikel in der ZEIT endet aber mit dem Satz „‚Westworld‘ läuft in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober zeitgleich zum US-Start auf Sky Go und Sky On Demand.“. Diesen letzten Satz habe ich nicht verstanden. Was heißt denn „läuft“? Meint das „verfügbar ab“? Und was sind „Sky Go“ bzw. „Sky On Demand“? Flott mal bei Sky direkt nachgeguckt: Dort steht zu „Westworld, Sci-Fi-Serie, USA 2016“ dies:

  • „Sky präsentiert die neue Sci-Fi-Serie „Westworld“ zeitgleich zum US-Start ab dem 3. Oktober jeweils in der Nacht von Sonntag auf Montag in Originalversion auf Sky On Demand, Sky Go, Sky Ticket.“
  • „Die lineare Ausstrahlung der zehnteiligen Sci-Fi-Westernserie, wahlweise auf Deutsch oder Englisch, wird voraussichtlich im Frühjahr 2017 auf Sky Atlantic HD erfolgen.“

Huch? Noch drei Vokabeln: „Sky Ticket“, „Sky Atlantic HD“ und „lineare Ausstrahlung“. Aber keine Erklärung zu dem „läuft“ aus der ZEIT. In dem auch oben verlinkten FAZ-Artikel steht als letzter Satz auch nichts mit „läuft“, sondern „Westworld startet am 2. Oktober bei Sky.“. Also „startet“ und „bei Sky“ (FAZ). Nichts mit „läuft“ und „in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober“ (ZEIT). Und auch nichts von „lineare Ausstrahlung“ erst „im Frühjahr 2017“ (Sky). Ich werde nicht schlau draus. Aber weitergoogeln hilft, insbesondere zu den mir bisher unbekannten „Sky“-Begrifflichkeiten:

  • „Sky“ ist offenbar irgendwas mit Fernsehen (Pay-TV-Karte mit Decoder-Gerät für einen Fernseher), also ein obsoletes Konzept aus dem lange vergangenen letzten Jahrtausend. Der Decoder (Hardware!) kann wohl auch klassisches „aufzeichnen“ (Timeshift und so) — gruselig.
  • „Sky Go“ ist wohl ein Streaming-Angebot für Leute mit Sky-Abo (im Preis enthalten). Damit soll man die abonnierten Sky-Inhalte auf normalem Weg anschauen können (Handy, Notebook).
  • „Sky On Demand“ (hieß vorher offenbar mal „Sky Anytime“) ist auch irgendwas für Leute mit Sky-Abo. Ich glaube das versorgt einen Sky-Dekoder mit Material aus dem Internet und ist wohl zum Offline-Gucken von heruntergeladenen (statt aufgezeichneten) Inhalten am Fernseher.
  • „Sky Ticket“ (hieß vorher offenbar mal „Sky Online“ und davor offenbar mal „Sky Snap“) geht wohl ohne Sky-Abo und ist eine Art Mediathek-Flatrate (so wie Netflix). Es geht nur online (eben wie Netflix), hat aber nur ausgewählte Inhalte. Es gibt aber ein „Entertainment-Monatsticket“ für Serien und so, in dem auch Westworld drin ist.
  • Meine Vermutung ist, dass jede Woche direkt nach der HBO-Ausstrahlung in den USA eine Folge in Sky Ticket dazu kommt. Vermutlich ist das mit dem „läuft“ gemeint.

Und nein, ich werde mir kein Sky Ticket holen. Auch nicht für nur einen Monat, sobald die Serie vollständig verfügbar ist. Irgendwann wird Westworld durch die anderen Streaming-Dienste wabern. Ich kann (auch Jahre) warten, denn mir das dann angucken zu wollen, werde ich nicht vergessen.

Es ist ein Konsumwunsch.

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