Kontaktlos bezahlen

Vor ein paar Monaten wurde meine Kreditkarte ausgetauscht. Das passiert alle drei Jahre. Auf der neuen hatte ich ein Symbol für kontaktlose Bezahlfunktion entdeckt und war irritiert. Man solle das Ding im Alltag für Kleinbeträge einsetzen, hieß es im Begleitschreiben. Bei Summen unter 25 Euro würde man nicht einmal PIN oder Unterschrift benötigen. Mit der Kreditkarte im Supermarkt bezahlen? Wer macht denn sowas?

Irgendwann später hatte dann Lidl diese Aktion, dass sämtliche Scheiben und Wände mit riesigen Plakaten zugehängt waren, die einen aufforderten, kontaktlos mit seiner VISA-Karte zu bezahlen, weil man sich dann mit dem Bon dieses Zahlvorgangs im Internet zu einem Gewinnspiel anmelden könne. Ich fand das jetzt nicht so attraktiv (weil ich nie Gewinnspiele mache), habe aber zur Kenntnis genommen, dass man tatsächlich im Supermarkt kontaktlos mit seiner Kreditkarte Kleinbeträge nicht nur bezahlen kann, sondern sogar soll.

Ich habe es dann einige Male auch ausprobiert: Bei Aldi in Hamburg hat es funktioniert. Bei Rewe in Horn ebenfalls. Bei Penny in Utbremen nicht. Penny scheint aber generell eine Ausnahme zu sein, da wohl sämtliche Penny-Filialen sämtliche Kreditkarten nicht nur nicht kontaktlos, sondern sogar überhaupt gar nicht akzeptieren, obwohl Penny zur Rewe Group gehört. So manch ein Blogger rief deswegen sogar schon mal zum Boykott von Penny auf.

Zum kontaktlosen Bezahlen gibt es offenbar unterschiedliche Systeme. So soll z.B. Rossmann „Mastercard PayPass“ und „VISA payWave“ unterstützen, aber nicht „girocard kontaktlos“. Letzteres ist wohl für EC-Karten gedacht, wird aber noch fast nirgends akzeptiert. Meine EC-Karte hat auch gar keine Kontaktlos-Funktion. Also keines von den drei Systemen. Ab 2017 sollen Karten und Terminals nach und nach umgerüstet werden. In ein paar Jahren wird kontaktloses Bezahlen also auch für EC-Karten kommen.

Meine EC-Karte ist so ein klassisches Ding, wie man es zu seinem Girokonto so hat. Vorne steht „girocard“ und „V PAY“ drauf und hinten „GeldKarte“ und „EAPS“. Auch meine Kreditkarte ist so ein klassisches Ding mit Hochprägung der Kreditkartennummer. Drei weitere Ziffern sind nicht hochgeprägt und werden bei Zahlungen im Internet manchmal benötigt. Eigentlich habe ich von der Kreditkarte immer nur die Nummer benutzt, nie die Karte. Einzige Ausnahme waren die Autobahnmaut-Automaten in Frankreich, wo ich die Karte selber reingesteckt hatte. Unterschrift oder PIN waren nicht erforderlich. Meine PIN hätte ich auch gar nicht gewusst.

Generell scheinen sich Kreditkarten weiterzuentwickeln. Als die neue vor ein paar Monaten kam, stand im Begleitschreiben auch, dass ich mich für „Verified by VISA“ anmelden solle. Bei Bezahlvorgängen im Internet werde dann von manchen Portalen eine SMS-TAN verschickt. Ich habe das getan und dann mal in meine Akte geschaut: Drei Jahre vorher, im Begleitschreiben zur jetzt ausgetauschten alten Karte, stand das auch schon. Und auch die Funktion zum kontaktlosen Bezahlen hatte die alte Karte schon. Nichts von allem war also neu. Ich hatte es bisher nur völlig ignoriert. Zum Glück wurde mir mit der neuen Karte auch die PIN nochmal geschickt. Die weiß ich nun also auch. Bei Globetrotter in Hamburg habe ich sie auch schon verwendet. Da war die kontaktlos bezahlte Summe bedauerlicherweise über 25 Euro.

Auf der Kreditkarte vorne steht „VISA CREDIT“, obwohl es im eigentlichen Sinne gar keine Kreditkarte ist, weil man keinen Kredit bekommt und keine monatliche Verrechnung hat. Es handelt sich nämlich um eine sog. Debitkarte. Debitkarte heißt, dass ein Bankkonto mit der Karte verbunden ist, das bei Verwendung der Zahlungsfunktion sofort belastet wird. Ich habe also eigentlich zwei Debitkarten bei zwei verschiedenen Banken. Bei der einen Bank ist das Konto ein Girokonto, bei der anderen Bank ein Tagesgeldkonto.

Eigentlich ist nicht nur der Begriff „Kreditkarte“, sondern auch der Begriff „EC-Karte“ falsch, wie ich seit gestern abend zu wissen glaube. Es war spät am Freitag abend, die Woche war anstrengend, ich war müde und irrte durch’s Internet, um noch müder zu werden. Kurz vor’m Wegdösen stieß ich (schon bequem im Bett liegend) dann auf einen der am selben Tag gerade veröffentlichten Artikel Der Kampf um die „EC-Karte“. Es ging um „girocard“ vs. „Debit Mastercard“ im Streit um das Erbe der „EC-Karte“. Ich las den Artikel im Einschlafen, war verwirrt, und verirrte mich in die Wikipedia, der Begriffsklärung wegen. Also…

…ich dachte bisher, ich habe eine „EC-Karte“ und eine „Kreditkarte“. Ich dachte, mit der „EC-Karte“ hole ich Bargeld aus dem Automaten und bezahle ohne Bargeld an der Tankstelle. Und mit der „Kreditkarte“, dachte ich, reserviere ich Hotelzimmer oder kaufe irgendwas im Internet, wenn PayPal oder „auf Rechnung“ oder „per Einzugsermächtigung“ nicht gehen und ich „Vorkasse per Überweisung“ nicht will.

Aber: Das blau-rote EC-Logo ist (siehe oben) tatsächlich auf keiner meiner beiden Karten drauf. Die Rechte an dem Begriff und an diesem Logo „EC electronic cash“ hat nämlich heutzutage Mastercard. Mastercard betreibt auch das Maestro-System, sowie das neuere System Debit Mastercard, das es als „Ihre sichere ec Karte für grenzenlose Möglichkeiten“ bewirbt. Meine beiden Karten haben mit allen Mastercard-Funktionen nichts am Hut, sind also beide auch keine „EC-Karten“. Damit wäre meine „EC-Karte“ im internationalen Ausland auch nur eingeschränkt nützlich, da das VISA V PAY weitestgehend nur in Europa akzeptiert wird und das girocard sogar nur in Deutschland.

Meine „EC-Karte“ wird alle vier Jahre ausgetauscht. Die Vorversion hatte noch „Maestro“ drauf. Irrtümlich dachte ich immer, das das der neue Name für EC-Karte wäre, aber das war schon immer Mastercard. Allerdings war das nur das alte Debit-System für Girokonten. Für das neue System „Debit Mastercard“ reicht eine Maestro-Akzeptanz nicht aus. Hier bedarf es einer vollen Mastercard-Akzeptanz, die allerdings weltweit ähnlich verbreitet ist wie die von VISA-Kreditkarten.

Und apropos Akzeptanzzeichen: Zur allgemeinen Verwirrung ist das „Electronic Cash PINPad“-Logo das Akzeptanzzeichen für girocard, das aber eben nicht von Mastercard betrieben wird. Die Schrift mit dem blauen ‚e‘ und dem roten ‚c‘ ist jedoch die gleiche wie bei dem EC-Logo auf der Debit Mastercard. Ich finde das sehr verwirrend. Das EC-Logo wird zwar als Akzeptanzzeichen nicht mehr verwendet, aber dass das „electronic cash“-Akzeptanzzeichen und das „electronic cash“ Kartenlogo zu verschiedenen Systemen gehören, finde ich genauso irritierend wie dass „girocard“ gar nicht der neue Name von Maestro ist. Zumindest habe ich das alles bis gestern abend nicht gewusst.

Ich nehme somit drei Dinge als Erkenntnis mit: 1. Es ist so, dass inzwischen unterschiedlichste Debit-Kartenzahlungssysteme im Wettbewerb stehen und einer ständigen Weiterentwicklung unterliegen, sowie dass Rechte an bekannten Logos herumverkauft werden und Akzeptanzstellen ständig ihre Softwarestände aktualisieren müssen. 2. Mit einem flächendeckenden Durchbruch der kontaktlosen Bezahlmöglichkeit ist in den kommenden Jahren bei allen Systemen zu rechnen. 3. Es spricht nichts gegen den Einsatz von Kreditkarten für Kleinbeträge, auch wenn es ärgerlich ist, dass das noch nicht überall geht. Einen Penny-Boykott werde ich trotzdem erstmal nicht erwägen. Meinen Bäcker habe ich gefragt, ob er überhaupt irgendwas anderes nimmt als Bargeld. Er meinte nö. Ein paar Jahre kommt er damit noch durch. Irgendwann aber nicht mehr.

Und nun? Meine Tankstelle akzeptiert neuerdings VISA payWave, aber dafür seitdem meine girocard nicht mehr mit PIN, sondern nur noch mit Unterschrift. Unterschrift mag ich nicht, und für Bargeld sind mir die Beträge zu hoch. Mit anderen Worten: Eigentlich wollte ich nach den o.g. paar Experimenten meine VISA-Karte wieder zuhause lassen. Aber offenbar geht das nicht. Die Gemengelage bei den Kartenbezahlsystemen scheint sich gerade stark zu verändern. Und der „kontaktlos bezahlen“-Trend ist dabei einer der Treiber.

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Eine Antwort zu Kontaktlos bezahlen

  1. derkamener schreibt:

    Girocard mit Unterschrift ist keine Kartenzahlung im eigentlichen Sinne, sondern das ist das sog. Lastschriftverfahren. deswegen zahle ich alles mit Kreditkarte, weil ich Lastschrift im Handel als super unsicher empfinde. Und ich sowieso lieber nur mit PIN zahle.

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