Kontaktlos bezahlen II

Vor ca. zwei Jahren bloggte ich hier zum Thema Kontaktlos bezahlen. Jener Artikel

  • ist inzwischen in einem Punkt nicht mehr aktuell (meine girocard kann mittlerweile kontaktlos)
  • war damals schon in einem Punkt falsch (meine Kreditkarte war und ist keine Debit-Karte)
  • war zwar gründlich recherchiert, aber schlecht strukturiert

Heute schreibe ich daher einen schlechter (= gar nicht) recherchierten, aber dafür besser strukturierten Nachtrag. Feedback ist entsprechend gerne gesehen, falls irgendwas nicht stimmt.

Schreibanlass vor zwei Jahren war mein Wechsel auf die Kreditkarte (ich nenne sie hier mal „Karte 2“), um im Supermarkt und an Tankstellen zu bezahlen. Mit meiner „Karte 1“ (einer girocard) gingen an Tankstellen damals nämlich plötzlich keine EMV-Zahlungen mehr, und ELV-Zahlungen wollte ich definitiv nicht. Zugleich wurden dort NFC-Zahlungen mit meiner Karte 2 möglich. Also wechselte ich für Tankstellen auf Karte 2 und nahm sie seitdem aus Bequemlichkeit auch in Supermärkten.

Einschub (weil ich diesmal ja „stukturierter“ schreiben will):

  • Es gibt die Zahlungsarten „NFC“ (kontaktlos), „EMV“ (sofortige Transaktion mit PIN über den Chip) und „ELV“ (Lastschrift mit Unterschrift zur späteren Abbuchung).
  • Bei Kreditkarten, die keine „Prepaid-Kreditkarten“ sind, geht ELV oft auch ohne Unterschrift. (Bei Prepaid-Kreditkarten geht ELV wahrscheinlich oftmals gar nicht.)
  • Bei NFC braucht man bei Beträgen ab 25 Euro offiziell auch die PIN (die gleiche wie bei EMV). In Supermärkten passiert es mir aber regelmäßig, dass auch Beträge weit über 25 Euro abgebucht wurden, ohne dass ich nach einer PIN gefragt wurde. Auch von anderen habe ich das wiederholt gehört, d.h. ich bin da weder wahrnehmungsgestört noch ein Einzelfall.

Nun zum Schreibanlass diesmal: NFC mit girocard (meiner Karte 1) konnten damals weder die Karte noch die Terminals, was mittlerweile anders ist. Ca. 70% der NFC-Terminals im deutschen Einzelhandel können inzwischen auch „girocard kontaktlos“. Zum Vergleich: 100% können „VISA payWave“. Das ist das, was meine Karte 2 nutzt. Meine Karte 1 habe ich in den letzten Tagen im Supermarkt ein paarmal erfolgreich kontaktlos ausprobiert, aber generell setzen würde ich darauf noch nicht. Allerdings ist ihr Potential in Deutschland mittelfristig höher als bei Karte 2, denn einige Händler akzeptieren generell keine Kreditkarten (z.B. Penny außerhalb von Berlin).

Zweiter Einschub (wieder im Klugscheißermodus, um davon abzulenken, dass ich eigentlich keine Ahnung habe):

  • Es gibt Akzeptanz-Systeme wie „Mastercard Maestro“, „VISA V-Pay“, „girocard“, „Mastercard Credit“, „VISA Credit“, usw.
  • Und es gibt Kontaktlos-Systeme wie „Mastercard PayPass“, „VISA payWave“, „girocard kontaktlos“, usw.
  • Will man per NFC bezahlen, müssen ein Akzeptanz-System und ein Kontaktlos-System beide von jeweils Karte und Terminal(-Software) unterstützt werden und miteinander zusammenspielen.

Immer noch Einschub: Was allgemein akzeptiert wird, ist in der EU von Land zu Land unterschiedlich. In Deutschland funktionieren meine Karten z.B. beide kontaktlos:

  • Karte 1 hat Akzeptanz „girocard“ und Kontaktsystem „girocard kontaktlos“ (also gehen 70% der NFC-Terminals).
  • Karte 2 hat Akzeptanz „VISA Credit“ und Kontaktsystem „VISA payWave“ (fast alle Händler nehmen Kreditkarten).

In z.B. Holland funktionieren dieselben zwei Karten aber entweder gar nicht oder nicht kontaktlos:

  • Karte 1 hat „VISA V-Pay“, aber kein „VISA payWave“ (also gehen mit der Karte nur EMV-Zahlungen).
  • Karte 2 hat genau umgekehrt „VISA payWave“, aber kein „VISA V-Pay“ (Holland akzeptiert gar keine Kreditkarten).

In Holland funktioniert es z.B. dann kontaktlos,

  • wenn die Karte sowohl „VISA V-Pay“ als auch „VISA payWave“ hat
  • oder wenn sie sowohl „Mastercard Maestro“ als auch „Mastercard PayPass“ hat

Einschub im Einschub: Zur allgemeinen Verwirrung hat Mastercard die Namensrechte für den Begriff „EC-Karte“ und setzt diese für ihre „Debit Mastercard“ ein. Die hat aber das Akzeptanz-System „Mastercard Credit“ (funktioniert also überall da nicht, wo Kreditkarten nicht genommen werden) und ist oft dazu auch noch Prepaid (erlaubt also keine ELV-Zahlungen). Damit ist die heutige „EC-Karte“ meistens so ziemlich das genaue Gegenteil von dem, was der Deutsche immer noch unter „EC-Karte“ versteht (und glaubt, dass er verwendet, wenn er ELV-Zahlungen mit der girocard macht).

Der Deutsche glaubt aber auch, dass „Kreditkarte“ synonym zu „Charge-Karte“ ist, also einen Kredit mit monatlichem Zahlungsausgleich über ein Verrechnungskonto bedeutet. Dabei meint „Kreditkarte“ heute nur das Akzeptanz-System (z.B. „VISA Credit“ oder „Mastercard Credit“), und Kreditkarten als Debit-Karten sind völlig normal. Jedenfalls in Frankreich oder bei von Fintech-Unternehmen herausgegebenen Karten. Also eben doch nicht normal für Deutsche. Seufz.

Aber genug des Einschubs und zurück zum Schreibanlass diesmal (für diesen zweiten Text zum Thema „Kontaktlos bezahlen“): Was seit damals (vor knapp zwei Jahren) hinzugekommen ist, ist eine weitere Art der Kontaktlos-Zahlung, denn neben der Zahlung mit einer physischen Karte kann man heute auch mit dem Smartphone bezahlen. Es braucht dafür nur eine NFC-Funktion in der Hardware, sowie eine App, die diese ansteuern kann und bei der sich die Karte (virtuell) hinterlegen lässt. Denn die App vermittelt dann über die NFC-Hardware des Smartphones einfach nur die Zahlung mittels dieser hinterlegten Karte. Die Zahlung mit dem Smartphone funktioniert dann genau dann, wenn sie auch mit der physischen Karte als NFC-Zahlung funktionieren würde. So stelle ich mir das jedenfalls vor. Und Phantasie ist ja grundsätzlich positiv konnotiert.

Man braucht (so das denn stimmt) also eine Zahlungs-App (da bieten sich die Standards der Betriebssystemhersteller an) und eine Karte mit den folgenden Anforderungen:

  1. unterstützt NFC-Zahlungen (auch in Holland)
  2. lässt sich bei Android (Google Pay) und iPhone (Apple Pay) hinterlegen

Wegen 1. fallen girocard und alle Kreditkarten weg. Und wegen 2. fallen nahezu alle Banken weg. Damit muss es zum jetzigen Zeitpunkt wohl eine Maestro-Karte von einem Fintech-Unternehmen sein. Und tatsächlich — wer hätte das gedacht — gibt es sowas sogar kostenlos. Ich kenne mindestens eine App, die solche Karten virtuell generieren kann. Und zum (virtuellen) Hinterlegen müsste eine virtuelle Karte doch eigentlich reichen. Denke ich mir so.

Dritter Einschub: Ich würde ja meine Banken bevorzugen, um an eine Smartphone-Zahlungsfunktion zu kommen, anstatt eine „Karte 3“ anschaffen zu müssen. Denn an sich mag ich meine Banken ja. Aber meine Banken bieten Zahlungen mit dem Smartphone nicht einmal gegen Geldeinwurf an. Man könnte sagen: Banken halt. Die bauen schicke Häuser und nennen sie Filialen. Da kann man dann zu sog. Öffnungszeiten (!) hingehen (!) und sich von hyperschick gekleidetem Personal herabwürdigen lassen, weil man es gewagt hat, irgendein Anliegen zu haben. Auf ihre Kunden herabsehen können die nämlich gut. Nur Finanzdienstleisungen können sie nicht. Oder wollen nicht.

Aber das so pauschal zu sagen wäre dann doch unfair gegenüber dem Filialbankwesen, denn die Fintech-Unternehmen sind auch nicht besser: Als ich kürzlich ein N26-Konto eröffnen wollte, musste ich in der App einen Videochat starten. Die Dame gegenüber fragte, ob sie das Gespräch aufzeichnen dürfe. Ich bejahte das, woraufhin sie wörtlich sagte „Mir ist das egal.“. Ich wiederholte also, dass sie das dürfe, und daraufhin legte sie ohne ein weiteres Wort auf. Ich weiß natürlich, dass das keine N26-Mitarbeiterin war, sondern eine frustrierte bevormundete ausgebeutete dauerüberwachte unterbezahlte vollgestresste performancevermessene Callcenter-Zeitarbeiterin, aber für mich als Kunde war sie das Begrüßungspersonal einer Bank! Und eine zweite Chance für einen ersten Eindruck gibt es bekanntlich nicht. Ich habe den Videochat nicht neu gestartet, sondern die App gelöscht. Wenn das das Konzept von N26 ist, dann bin ich dort kein Kunde.

Ok, das war jetzt der überflüssigste Einschub bisher — in diesem diesmal wahnsinnig gut strukturierten Blogeintrag mit unerschütterlich präzisem Fokus auf dem Thema „Kontaktlos bezahlen“. Wer bis hierher durchgehalten hat, erfährt nun, wie ich mir eine virtuelle Maestro-Karte mit der Revolut-App generiert und damit die kontaktlose Zahlung per Google-Pay-App auf meinem 4 Jahre alten Android-Smartphone(-Schrott) erfolgreich in Holland ausprobiert habe.

Also nächstes Mal dann. Noch habe ich beide Apps ja gar nicht heruntergeladen. Und dann muss ich ja auch erstmal noch nach Holland hin. Und am besten auch nach Dänemark, weil Zahlungen ohne Fremdwährungsaufschlag dann angeblich dort auch gehen sollen, was ja ebenfalls ausprobiert werden will. „In Polen werden gar 80 Prozent der Einkäufe kontaktlos bezahlt.“ habe ich gestern gelesen (Printausgabe der FAZ Woche 40/2018, S.49). Dann will ich also auch nach Polen. Ist ja auch Nachbar wie Holland und Dänemark. Und alles EU. Für Deutschland steht an selber Stelle in dem Magazin: „Allein zwischen Juni und September soll die Zahl kontaktloser Transaktionen um 25% gestiegen sein“. Na dann.

Mich bestätigt das darin, das kontaktlose Zahlen jetzt eine Stufe weiter drehen zu wollen, also die Einsatzmöglichkeit im Ausland und/oder über ein Smartphone hinzuzunehmen. Das Zahlen mit meiner „Karte 2“ (die das seit nun mehr als 5 Jahren kontaktlos kann) war ja eh nur eine Übergangslösung. Der Markt der Systeme ist in Deutschand ja noch am Entstehen. Angeblich soll es z.B. noch in diesem Jahr oder wenig später dann möglich werden, auch manche girocards bei Apple Pay zu hinterlegen. Das ist zwar so gar überhaupt nichts, auf das ich persönlich nun irgendwie warte, aber falls das tatsächlich kommt, wäre es zumindest ein Signal, dass Deutschland vielleicht doch irgendwann mit dem Beginnen des Nachzügelns so langsam anzieht.

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2 Antworten zu Kontaktlos bezahlen II

  1. Rudi Gneisser schreibt:

    ELV geht nur mit der girocard, niemals mit Visa/Vpay oder Mastercard/Maestro!

  2. Pingback: Erinnerungen an Groningen | Wolkenstich

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