Keine Zeitumstellung ist ein Einhorn

Dieses Blog verwaist. Der letzte Eintrag ist ein Jahr alt.

Auch inhaltlich fällt das sofort auf, denn „Die nächste Landtagswahl“ (so der Titel des letzten Eintrags) in Bremen ist lange vobei. Danach waren schon Landtagswahlen in Brandenburg und Sachen, und heute ist schon wieder eine. In Thüringen.

Heute ist auch Zeitumstellung. Und da ich über Thüringen nichts weiß, schreibe ich halt was über die Zeitumstellung. Nicht über die konkrete (von Sommerzeit auf Winterzeit), sondern über das allgemeine Thema der Abschaffung der Zeitumstellung. Mich erinnert das Thema ja schon lange stark an den Brexit, und deswegen komme ich auch drauf. (Und ja, auch weil heute Zeitumstellung ist und weil mein Blog mir einfiel, weil heute Landtagswahl ist.)

Also: Der Titel „Keine Zeitumstellung ist ein Einhorn“ soll natürlich an das Brexit-Mem mit dem Einhorn und dem Pony erinnern. Denn die Abschaffung der Zeitumstellung ist wie der Brexit: populistisch und wahnhaft zugleich, aber man kriegt es nicht hin, das Thema zu beerdigen, obwohl sich längst herausstellt hat, dass es schlichtweg nicht geht.

Eigentlich, so fällt mir gerade ein, habe ich dazu am 02.02. (also vor knapp 9 Monaten) schon mal was geschrieben. Ich hatte mich zu Facebook verirrt und gesehen, wie ein Freund mit Status „is feeling disappointed“ schrieb „… Zeitumstellung-Abschaffen“. Da muss wohl gerade die Meldung rumgegangen sein, dass das erstmal nix wird, und ich hatte den Anfall, das zu kommentieren. (Verlinken kann ich das hier nicht, denn es war nicht öffentlich.)

Ich schrieb dort:

Dein „feeling disappointed“ ist verständlich, denn es gab ja mal den Junckerschen Vorstoß, dass nächsten Monat die letzte Zeitumstellung sein sollte. In Deutschland wünschen sich das auch viele, und die sind nun entsprechend enttäuscht. Aber die Zeitumstellung ist eben kein deutsches, sondern ein europäisches Ding. tagesschau.de schrieb deshalb zu recht dazu im Oktober im Artikel „Juncker in der Populismus-Falle“ im Schluss-Satz „Juncker ist mit Anlauf in seine eigene Falle getappt. Er hat schlicht das Gespür für die Menschen in Europa verloren.“.

Und in der Tat ist das Problem nämlich dies: Derzeit stellen alle Länder in allen drei europäischen Zeitzonen in der gleichen Sekunde auf Sommerzeit und zurück, wodurch die Zeitzonendifferenz zwischen den Ländern zeitunabhängig ist. Wenn das so bleiben soll, müssten alle Länder die Zeitumstellung abschaffen, was wiederum aber nur möglich ist, wenn zugleich die heutige große zentraleuropäische Zeitzone zerschlagen wird, weil sonst einige Länder ihre Sommerabende verlören oder andere im Winter eine düstere erste Schulstunde bekämen. Unter der Rahmenbedingung der zeitunabhängigen Zeitzonendifferenz wird die heutige große zentraleuropäische Zeitzone nur durch die Zeitumstellung ermöglicht.

Die Abschaffung der Zeitumstellung ist trotzdem noch nicht ganz vom Tisch, denn erstmal heißt es offiziell nur „mindestens fünfmal noch“, also noch fünf garantierte Umstellungen bis einschließlich auf Sommerzeit 2021. Danach will man dann nochmal gucken. Dass eine Neuordnung der Zeitzonen bis 2021 politisch gelingt, ist auch grundsätzlich möglich, aber eben nicht sehr wahrscheinlich, weil hier die zwar erheblichen, aber nicht so direkt spürbaren Interessen der Bürger*innen (Zeitzonen erhalten) im Konflikt mit den unmittelbar spürbaren Interessen der Bürger*innen (Zeitumstellung abschaffen) stehen und man sämtliche europäischen Länder dazu bringen müsste, eine populistische aber dumme — und zu allem Ärger auch noch gemeinsame — Entscheidung zu treffen. Ein bisschen wäre das wie beim Brexit. Die beste Lösung war schon vorher da, und eine schlechtere zu verhandeln scheitert daran, dass es eigentlich niemand will.

Aber wie gesagt: Vom Tisch ist die Abschaffung offiziell noch nicht. Nur wirklich schwierig dürfte es werden, denn es gibt ja auch Länder, die aus sehr nachvollziehbaren Gründen die Zeitumstellung allein schon für sich — also nicht bloß aus europäischer Zeitzonen-Sicht — unbedingt behalten wollen. Da eine Aufgabe der zeitunabhängigen Zeitzonendifferenz aber undenkbar ist, würde es schon allein daran scheitern. Aber auch einige der anderen Länder würde es zerreißen, wenn es daran ginge, sich die neue Zeitzone auszusuchen. Nur bei wenigen ist es so klar wie in Deutschland, das die Sommerzeit behalten würde. Glücklich würde am Ende aber sonst kaum jemand. Und deshalb glaube ich, dass auch 2021 nicht das Ende der Zeitumstellung kommt. Es ist eben wirklich wie beim Brexit: Es ist nicht falsch, danach zu rufen, ohne zu wissen, wie das gehen könnte. Aber man muss es auch lassen, wenn sich herausstellt, dass es eben wirklich nicht geht.

Meine damalige These, „dass auch 2021 nicht das Ende der Zeitumstellung kommt“ scheint sich inzwischen (wenig überraschend) zu bestätigen. Die Belege dafür habe ich mangels Motivation und/oder Disziplin nicht gesammelt, aber zumindest eine Quelle fällt mir ein: Vor ein paar Tagen twitterte der Brüssel-Korrespondent des ZDFs Stefan Leifert „Vorschlag für Abschaffung 2021 fand keine Mehrheit“ und „Vorhaben könnte auch noch komplett scheitern“. Die Quelle ist einigermaßen seriös, und die Aussage, dass die Abschaffung 2021 nicht kommt, steht nicht im Konjunktiv.

Dass die Abschaffung gar nicht kommt, haben weder Leifert noch ich je behauptet, und vielleicht gibt es ja doch Einhörner. Letztendlich sind Einhörner ja auch was Schönes. Ich möchte Zeitumstellung statt Brexit. Und Einhörner.

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