Thunderbolt und Lightning

Ich schreibe jetzt mal über was, von dem ich so richtig keine Ahnung habe:

Zwei Kolleg*innen haben heute neue Notebooks bekommen, die nun AMD Ryzen statt Intel Core CPUs haben. Die können daher nun unsere USB-C-Dockingstationen nicht mehr nutzen, weil die für Intel-Notebooks waren, und Ryzen-Notebooks keine Thunderbolt-Dockingstationen unterstützen. Zumindest nicht bei dem Hersteller, von dem unsere Notebooks sind.

Ich erstmal googeln: Thunderbolt.

Ein befreundetes Paar zeigte uns kürzlich beim Abendessen ein Tablet mit USB-C-Anschluss und eine Kamera mit Micro-B-Anschluss. Sie würden gar nicht die Speicherkarte aus der Kamera nehmen und ins Notebook stecken, sondern die Geräte mit einem Kabel verbinden, erzählten sie uns.

Ich erstmal googeln: Micro-B.

Verstanden habe ich, dass USB-A, Micro-B und USB-C Steckerformen sind, sowie Thunderbolt 3 und USB 3.1 Protokolle.

Und sog. Standards, die diese Protokolle sprechen, die gibt es auch noch: USB4 z.B. spricht u.a. Thunderbolt 3 (bis 40 GBit/s) und USB 3.1 (bis 10 GBit/s). USB4 spricht auch noch ein anderes USB-Protokoll mit ebenfalls bis 40 GBit/s, und Thunderbolt 4 gibt es außerdem auch noch. Aber auch wenn z.B. „Thunderbolt / USB4“ draufsteht (wie beispielsweise bei den Apple Macbook Air von 2020 und von 2022), ist meist trotzdem nur Thunderbolt 3 und USB 3.1 drin, weil ein Standard an den Geräten nicht alle seine Protokolle tatsächlich unterstützen muss.

Die Steckerform bei Thunderbolt 3 (auch selbst ein Standard) ist USB-C. Ebenso bei USB4. Ältere Kabel mit USB-A oder Micro-B-Steckern sprechen nur USB 3.1. Ich kenne das von meinen externen Festplatten. Die haben als Steckerform Micro-B an der Platte und USB-A am anderen Ende des Kabels.

Beim googeln bin ich dann sogar auf Leute gestoßen, die solche externen Festplatten an ein altes iPad mit Lightning-Anschluss angeschlossen haben. Lightning ist Steckerform, Protokoll und Standard in einem, und der Standard spricht kein anderes Protokoll. Man braucht ein externes Gerät, einen sog. Protokollkonverter, der das Lightning-Protokoll in das USB-Protokoll übersetzen kann. Man verbindet mit einem Kabel den Konverter mit dem iPad, mit einem anderen Kabel den Konverter mit dem Netzteil des iPads (!) und mit einem dritten Kabel den Konverter mit der externen Platte. Die USB-C-Buchse am Konverter wird dort also für die Stromversorgung der externen Platte benutzt.

Seit etwa 4 Jahren haben die meisten iPads natürlich selber eine USB-C-Buchse und sprechen auch selber das USB-3-Protokoll, nur habe ich eben kein so ein Gerät, sondern halt noch Lightning. Meine On-Ear-Kopfhörer, mein E-Book-Reader, meine Waage und meine Kamera haben sogar noch „Micro-USB“-Buchsen! Das ist optisch so ein halbes Micro-B, was deshalb aber auch nur USB 2.0 sprechen kann. Nur meine In-Ear-Kopfhörer, das iPad-Netzteil und natürlich mein berufliches Notebook haben bereits eine USB-C-Buchse.

Warum Ryzen-Notebooks nun keine Thunderbolt-Dockingstationen unterstützen, habe ich aber immer noch nicht verstanden. Geht es darum, dass zwei externe 4K-Bildschirme über ein einziges Kabel versorgt werden müssen? Sprechen die Dockingstationen für Intel-Notebooks also nur Thunderbolt und die für Ryzen-Notebooks nur ein anderes schnelles USB4-Protokoll?

Dafür, dass die Thunderbolt-Protokolle inzwischen eigentlich in den USB4-Standard integriert wurden (Thunderbolt also als Standard nicht mehr eigenständig weiterentwickelt wird), ist das ganz schön peinlich. Ob das bei anderen Notebook-Herstellern auch so ist, habe ich dann aber nicht mehr gegoogelt. Und auch warum unterschiedliche Kabel mit USB-C-Steckern unterschiedliche Protokolle unterstützen, oder eben nicht, habe ich nur mitbekommen, aber nicht verstanden. Ginge das alles nicht auch ein bisschen einfacher?

In der Praxis ist es allerdings oft auch tatsächlich sehr einfach. Meine Frau z.B. hat USB-C an Kamera und iPad und zieht das Ladekabel des iPads einfach aus dem Netzteil und steckt es in die Kamera, um dessen RAW-Dateien nach Lightroom zu importieren. Ganz ohne Adapter, Konverter, Kartenleser oder irgendwelche zusätzlichen Kabel. Ich weiß daher sicher, dass ich mein iPhone erst ersetzen werde, wenn es ein Modell gibt, das kein Lightning mehr hat. Dessen Zeit ist einfach abgelaufen. Und wenn ich das richtig verstanden habe, erlaubt die EU ab Ende 2024 eh keine Lightning-Buchsen mehr. Apple wird daher wohl bereits Ende 2023 weltweit auf USB-C / USB4 an allen Geräten umstellen. Und die Thunderbolt- und Lightning-Protokolle kann man ja auch über USB4-konforme USB-C-Buchsen weiter unterstützen. Wir werden sehen, das da kommt.

„Thunderbolt and Lightning, very, very frightening me“ (Bohemian Rhapsody, Queen, 1975)

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