Jetzt auch noch Tumblr

Dies ist ein Beitrag der Kategorie „Misslungene Texte“, d.h. er ist nicht unbedingt besonders informativ und/oder verständlich bzw. es ist evtl. nicht unbedingt wirklich erfüllend, ihn vollständig zu lesen. Ich bin beim Schreiben in Details versumpft und habe keine klare Story oder spannende Botschaft des Beitrags entwickeln können. Hier ist er dennoch. Es geht um Tumblr.

Nachdem Yahoo ja nun Tumblr gekauft hat, wuchs mein Bedürfnis, sich das mal näher anzusehen. Einen ungenutzen (und unverstandenen) Account hatte ich schon lange, aber jetzt bestand plötzlich ein erhöhter Handlungsbedarf, sich dort wirklich mal gründlicher umzugucken. Nach den Dingen, die Yahoo u.a. mit den früher aufgekauften Sites Upcoming.org, del.icio.us und flickr.com veranstaltet hat, ist schließlich zu erwarten, dass es Tumblr trotz gegenteiliger Ankündigungen in der heutigen Form auch bald nicht mehr gibt. Mein Interesse, sich das mal anzusehen, ließ sich also nicht ewig weiter aufschieben.

Die Angst vor Yahoo-typischen Maßnahmen wie massiver Zensur, dem Ausbau der sozialen Komponenten, dem Zerschrotten der Server, der optischen Verunstaltung und dem Einstellen inkl. Löschen aller Daten ist zu recht sehr groß. Ich erinnere mich auch an ergonomisch völlig vermurkste Versuche von Plattformen wie z.B. Yahoo 360°. Und an die Massenproteste von Microsoft-Mitarbeitern, als mal eine Fusion mit Yahoo drohte. Kurzum: Für Tumblr-User muss der Kauf durch Yahoo wohl ein Schock gewesen sein. Wahrscheinlich hält er immer noch an. Ich weiß es nicht, denn ich bin kein Tumblr-User. Ich habe nur meinen Neugier-Test-Account.

Wirklich was mit anfangen konnte ich mit Tumblr nie. Man hat dort ein Dashboard und ein oder mehrere Blogs. Vom Dashboard aus kann man in diese Blogs Einträge der Typen „Text“, „Photo“, „Quote“, „Link“, „Chat“, „Audio“ und „Video“ posten. Leider sehen diese Einträge im Blog dann oft ganz anders aus als im Dashboard. Und noch wieder anders in den Dashboards anderer User. Auch das Verhalten ist in den drei Ansichten unterschiedlich. Es ist auch je nach Endgerät wieder anders, also z.B. unterschiedlich in der Android-Tumblr-App für Tablets oder im Browser-Frontend auf Notebooks. Und dabei geht es um durchaus wesentliche Dinge, wie z.B. ob ein Klick auf ein Bild zur Quelle führt oder das Bild nur vergrößert.

Eine Identität hat man bei Tumblr nicht. Es gibt keine Autorenprofile und entsprechend auch keine jeweils verantwortlichen Autoren für die Blogs. Stattdessen ist das Primärblog eines Accounts in dem Sinne identitätsstiftend, als dass es Träger der sozialen Verben ist. „follow“, „like“, „reply“, „ask“, „submit“ und „mail“ sind Aktionen, die man entsprechend nur über sein Primärblog auslösen kann. Nur „reblog“ geht auch auf zusätzlichen Blogs. Dafür sind diese dann aber auch Multi-Admin-fähig. Rebloggen kann man z.B. ein kommentiertes Bild „as Photo“, „as Text“, „as Link“ und „as Quote“, also auch wieder in verschiedenen Eintragstypen. Einfach geht anders!

Nach außen hin ist die durch das Primärblog eines Accounts gestiftete Identität flüchtig, denn dessen selbst ausgesuchte Adresse <xyz>.tumblr.com ist jederzeit wieder änderbar. Es gibt keine fixe ID im Hintergrund, und sogar die Adresse des RSS-Feeds ändert sich mit. Man kann Blogs also nur tracken, indem man ihnen aus Tumblr heraus folgt. Von außen gesehen kann es einfach plötzlich verschwinden. Man soll als Leser offenkundig in das Tumblr-System reingezogen werden.

Das eigene Dashboard ist zugleich auch die Streamansicht aller Einträge von Blogs, denen man folgt, und zwar inkl. der eigenen. Hier hat also jeder User seine individuelle Tumblr-Ansicht. Die Streamansicht anderer User lässt sich nicht anzeigen, sondern nur der Stream einzelner ihrer Blogs. Man kann also nicht durch die Tumblr-Ansichten anderer User die Tumblr-Sphäre durchforsten oder ihnen selber Ansichten selbstgepflegter Listen anbieten.

Die Einträge in Blogs kann man nicht kommentieren, zumindest geht das nicht über eine Kommentier-Aktion. Man kann sie nur liken oder rebloggen — oder im Falle von Fragen — beantworten (reply). Außerdem kann man sich über Einreichungen, Fragen oder Fanpost direkt an ein Blog als Ganzes wenden, sofern diese Funktionen in den Einstellungen des jeweiligen Blogs jeweils entsprechend konfiguriert sind und ein paar weitere Bedingungen erfüllt sind. Diese Einstellungen sind manchmal sehr missverständlich, egal ob man die Hilfe auf deutsch oder auf englisch liest. Ich habe jedenfalls viele Dinge wiederholt völlig falsch verstanden.

Seiten, z.B. für ein Impressum, lassen sich recht einfach in die Blog-Templates hineinkonfigurieren, wenn man erstmal darauf gekommen ist, das dort — tief in den Einstellungen versteckt — zu versuchen. Umso schwieriger ist es aber, überhaupt funktionierende Blogeinträge zu verfassen. Ich habe z.B. ein Bild aus einem fremden Blog gerebloggt, um es zu kommentieren. Tatsächlich erschien unter dem Eintrag in dem anderen Blog auch der Hinweis auf „Anmerkungen“, und darunter (nach einem Klick sichtbar geworden) mein Kommentartext. Und auch in meinem Blog stehen an dem gereblogten Eintrag (nach dem Klick) alle Anmerkungen aller User als Kommentare unter dem Bild. Es wurde also mitsamt den Reblog-Texten anderer User bei mir gerebloggt. Klickt man aber in meinem Blog auf das Bild, wird man direkt zur Instagram-Seite des Ur-Bildes gelenkt, also gleich ganz aus Tumblr raus. Ich selber habe es nicht hingekriegt, ein eigenes Instagram-Bild so auf Tumblr zu zeigen.

Share ich aus der Instagram-App auf dem Tablet heraus in die Tumblr-App, erscheint in meinem Blog nur ein Link. Teile ich im Browser die statische URL des Bildes auf der Instagram-Webseite bei Tumblr als Tumblr-Bild mit Angabe der Instagram-Seiten-URL als Quelle, verlinkt er zwar die Quelle, aber nur neben dem Bild. Ein Klick auf das Bild macht dann nur die nach Tumblr hochgeladene Bildkopie größer. Wie man das Bild selber mit einem Link hinterlegen kann, habe ich nicht herausgefunden. Vielleicht gibt es spezielle Tumblr-Templates für das Sharen von Instagram-Bildern. Keine Ahnung.

Selbst das Verfassen eines Textes mit zwei eingebettenen flickr-Bildern ist mir nicht gelungen. Die Bilder werden im Blog und in den Dashboards erst nach einem Klick angezeigt. Jedes Bild muss einzeln geklickt werden, um es sichtbar zu machen. Die Leser müssen bei jedem Eintrag klicken, um die Anmerkungen zu sehen, sowie bei jedem eingebetteten Bild klicken, um es anzuzeigen. Wie frustrierend ist das denn? Außerdem rauschen hochfrequent Einträge im eigenen und in fremden Dashboards durch, weil jeder Kommentar als Reblog ins eigene Primärblog gepumpt wird. Klar kann man das durch ein Sekundärblog umgehen, aber auf dem hat man dann ja keine Identität, d.h. man kann als Sekundärblog nirgends als Follower erscheinen! Um eine klassische Präsenz aufzubauen, ist Tumblr also vollkommen unzureichend.

Was bei mir auch nicht funktioniert hat, ist eine Frage zu beantworten. Um eine Frage zu stellen, muss man einen Beitrag mit einem Fragezeichen enden lassen und dann zwei Häkchen setzen. Die Antwort, die ich mir von außerhalb dann sogar anonym geben konnte (unter Angabe einer E-Mail-Adresse), war bei mir im Tumblr-Account aber nie angekommen. Sehr sehr schräg das alles. Aber vielleicht bin ich einfach bloß zu blöd dafür.

Nun denn, Yahoo hat das alles nun also aufgekauft. Sie wollen aus der Tumblr-Nutzung personenbezogene Daten abgreifen und diese — mit den Daten anderer Yahoo-Dienste verknüpft — für werberelevante Zwecke einsetzen. Yahoo wertet ja nun (wie Google) auch die Inhalte privater Mails aus und hat das Geschäftsmodell von flickr auf eine Werbeplattform hin umgebaut. Vieles andere wurde geschlossen und gelöscht, da räumt jemand kräftig auf. Na ja, sollen sie halt mit Tumblr glücklich werden. Mir ist das um einige Größenordnungen zu kompliziert und zugleich beschränkt. Ich brauche es viel viel viel offener und vor allen Dingen einfacher!

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