Pinterest, zum Ersten

Ich beginne diesen Blogeintrag mit „Ich“: Ich habe bei Ipernity ein Bild entdeckt. Im Stream einer meiner Kontakte. Es gefiel mir, und so habe ich es gefavt. So weit so gewöhnlich.

Die Information, dass mir das Bild nun gefällt, ist öffentlich, denn am Bild steht nun (ganz klein im Abschnitt „More information“ der Metadaten) „1 person added it to his favorites“. Und wenn man auf „1 person“ draufklickt steht da „rumpel called this doc a favorite“. Ein weiterer Klick offenbart weitere Bilder, die mir bei Ipernity gefallen. So weit immer noch gewöhnlich.

Nun habe ich aber ganz frisch einen Pinterest-Invite bekommen, und das Bild auch mal testweise in mein dortiges Board Fotos gepinnt. Zur Erklärung: Bei Pinterest legt man Boards an (Alben von Bildern), definiert deren Autoren (Pinterest-User, die in das Board einstellen können und deren Icons prominent im Board angezeigt werden) und bekommt irgendwann Follower auf das Board. Mein Board „Fotos“ hat 2 Autoren und „3 followers“. (Seltsam: Wer das ist, kann man nicht herauskriegen. Man wird dort anonym verfolgt. Es sei denn, jemand folgt pauschal allen Boards eines Users. Solche quasi Personen-Follower sind nicht anonym.)

Jedenfalls habe ich das fremde Bild von Ipernity also in dieses Pinterest-Board eingestellt. Es steht „All rights reserved“ an dem Bild, d.h. es ist keine Verbreitungslizenz explizit gesetzt. Somit darf ich das Bild eigentlich nicht entnehmen und anderswo verwenden. Und uneigentlich auch nicht. Habe ich aber. Durch das Pinnen steht es nun nämlich auch auf einer Seite bei Pinterest. Darüber steht „York (nnz)“ und darunter „Repins Patty Janes onto Stairs“.

Das Bild hat sich also binnen Sekunden in ein weiteres Board namens Stairs weiterverbreitet. Dort wiederum erscheint das Bild mit den Unterschriften „Ich mag Linien“ (das war mein Kommentar beim ur-pinnen!) und „ipernity.com“. Klickt man drauf, steht darüber „Patty Janes via York (nnz)“. Der Urheber bei Ipernity aber erscheint nirgends. Und der dortige Bildtitel auch nicht. Erst ein weiterer Klick öffnet die ursprüngliche Seite. Nur kommt man in der Praxis dort nie hin!

Man kommt da deshalb nicht hin, weil noch auf der Pinterest-Seite des Bildes alle interessanten Buttons zu finden sind: Ein „Like“ (innerhalb von Pinterest), ein Tweet (teilen bei Twitter) und ein Facebook-„Like“ (teilen dort). Und sogar ein „<> Embed“ zur Verwendung in Blogs. Jeweils mit Rückverlinkung nach Pinterest. Und nicht nach Ipernity! Allenfalls einen „Also from ipernity.com“-Link gibt es noch. Also die Aufforderung, weitere Bilder aus der Quelle zu klauen und zum Nutzen von Pinterest zu verwenden.

Dieses mir dort nahegelegte Klauen weiterer Bilder habe ich erstmal unterlassen, um einen Moment nachzudenken: Bei der aktuellen Diskussion um’s Urheberrecht (siehe heute wieder bei Heise: Urheberrechtstreit: Mehr Öl ins Feuer) geht es ja um zwei Dinge: 1. Um die Demokratie-, Bürgerrechts- und Freiheits-zerstörenden Maßnahmenvorschläge zur Durchsetzung des Konzepts des geistigen Eigentums, die zu recht energisch bekämpft werden, sowie 2. um die Infragestellungen des Konzepts des geistigen Eigentums an sich, die ebenfalls zu recht energisch bekämpft werden. Eher selten geht es um das eigentliche Problem: Nämlich dass man beides prinzipiell nicht übereinanderkriegen kann, und dass derzeit absolut niemand Antworten auf diese Problematik hat.

Und so frage ich mich nun: Was ist Pinterest? Eine Diebstahlsmaschine für geistiges Eigentum? Ein Schmarotzersystem, das seine User antreibt, Bilder zum Nutzen der Investoren von Pinterest zu stehlen? Oder ist es einfach nur ein weiteres cooles System wie Facebook, Tumblr, Google+, Soap.io usw., mit dem man sozial vernetzt Fundstücke zeigt? Solche Systeme kommen und gehen, z.B. hatte ich bis vor etwa 5 Jahren u.a. Stumbleupon sehr intensiv genutzt. Bis mir klar wurde, dass man sich dort ausschließlich mit fremden Federn schmückt. Dass man letztendlich eine Präsenz mit geklauten Inhalten aufbaut, damit der Betreiber der Plattform Geld damit verdienen kann?

Ganz ehrlich: Ich weiß nicht, was ich von Pinterest & Co. halten soll. Was ich aber weiß, ist folgendes: Ein Internet, in dem man sowas wie Pinterest verhindern kann, das will ich auf keinen Fall. Denn das wäre kein Internet mehr. Eine Scheiß-egal-Mentalität bei geistigem Eigentum will ich aber auch auf keinen Fall! Es ist wohl wirklich so wie oben geschrieben: Man kriegt das nicht übereinander. Antworten auf die Problematik hat derzeit niemand.

Aber gut, dass diese Diskussion jetzt wenigstens auf breiterer Basis geführt wird.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Keine Kategorie veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Pinterest, zum Ersten

  1. Pingback: Pinterest, zum Zweiten | Wolkenstich

  2. I am really loving the theme/design of your blog.
    Do you ever run into any browser compatibility problems?
    A few of my blog visitors have complained about my site not operating correctly in Explorer but
    looks great in Firefox. Do you have any tips to help fix
    this problem?

  3. Clarence schreibt:

    Howdy! I just want to offer you a huge thumbs up for the great info you have got right here on
    this post. I will be coming back to your website for more soon.

  4. Hey There. I found your weblog the use of msn. That is a really well written article.
    I’ll be sure to bookmark it and return to learn more of your useful information. Thank you for the post. I’ll definitely return.

Leave a Comment

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s